Was eine 16-jährige Werdohlerin in den USA erlebt hat

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Ilayda Dogan steht noch ganz unter den Eindrücken, die sie ein Jahr lang im parlamentarischen Partnerschaftsprogramm in Amerika sammeln konnte. Im Elternhaus in Werdohl hat sie die amerikanische Flagge hervorgeholt, auf dem Tablet ist ein Bild von ihr vor der Freiheitsstatue zu sehen und auf dem Tisch liegen Zertifikate des amerikanischen Außenministeriums.

Werdohl - Aus der 16-jährigen Ilayda Dogan sprudelt es nur so heraus. Auf dem Tisch ihres Elternhauses in Werdohl liegen zwei Zertifikate des amerikanischen Außenministeriums. „Das Blau und das Gold mit dem Adler sehen schon wirklich toll aus“, ist die Schülerin immer noch sehr begeistert.

Mit gerade einmal 15 Jahren wurde sie im Sommer vergangenen Jahres ausgesucht, am parlamentarischen Partnerschaftsprogramm PPP des Deutschen Bundestages und des US-Congresses teilnehmen zu dürfen. Nach einem durchaus kritischen Auswahlverfahren wurde sie letztlich der SPD-Bundestagsabgeordneten Dagmar Freitag zugeteilt und lebte ein Jahr lang bei einer Gastfamilie in Haverill im Bundesstaat Massachusetts.

Zurück aus Amerika, verbrachte Ilayda mit ihrer Familie einen Urlaub in der Türkei. In dieser Woche beginnt für sie wieder die Schule. Ilayda steigt in die zehnte Klasse am Albert-Schweitzer-Gymnasium in Plettenberg ein.

Das zehnte Schuljahr in Amerika an der Haverill Highschool hat sie in schlechter Erinnerung. Das Niveau an der öffentlichen Gesamtschule sei sehr niedrig gewesen, soziale Gemeinschaft habe keinerlei Rolle gespielt, richtig angestrengt habe sich in der Schule niemand. „Die Schule hat mich komplett runtergezogen“, erinnert sie sich heute und freut sich auf ihre Freunde am Plettenberger Gymnasium. „An der Haverill High ging es mehr darum, wer wie viele Follower bei Twitter hat oder wie hübsch man aussieht“, wird die 16-Jährige ernst.

Gefestigter als Gleichaltrige

Überhaupt wirkt sie etwas älter und gefestigter als andere Mädchen ihres Alters. Das hat vielleicht auch mit ihren Erfahrungen in Amerika zu tun, die sie zu einer verantwortungsbewussten und selbstständigen jungen Erwachsenen gemacht haben.

Ilayda hatte das Glück, als 16-Jährige ein Praktikum bei der demokratischen Abgeordneten Rochelle Pingree absolvieren zu dürfen. Hier steht sie vor dem Capitol während ihrer Praktikumszeit im Februar 2019.

Ilayda engagiert sich schon seit ihrem 14. Lebensjahr in der SPD und gehört zu den Jusos im Lennetal. Allerdings legt sie Wert darauf, dass es nicht ihre Parteimitgliedschaft war, die sie unter die Fittiche von Dagmar Freitag brachte. Letztlich sei es Zufall gewesen, sie hätte auch der damaligen CDU-Bundestagsabgeordneten Christel Voßbeck-Kayser zugeteilt werden können. Das PPP ist überparteilich. 

Zusammengewürfelte Gastfamilie

Ilayda war froh, dass sie nach Massachusetts in eine international zusammengewürfelte Gastfamilie gekommen war. Massachusetts ist einer der liberalsten Bundesstaaten der USA, sie traf dort auf so gut wie keinen Trump-Anhänger. Die 60.000-Einwohner-Stadt Haverill liegt nur eine Zugstunde von Boston entfernt. Ilaydas Gastfamilie ist schon seit mehr als zehn Jahren Gastgeber beim PPP. Mit Ilayda lebten dort weitere fünf junge Leute: „Da war Full House, aber ich hatte sogar mein eigenes Zimmer.“

Ilayda mit ihrer Gastmutter Emily, Gastschwester Isabelle und Gastvater Remi im Kunstmuseum in Boston Dezember 2018 vor einem internationalen Weihnachtsbaum.

Ilyada ist strebsam und ehrgeizig. Deshalb ist sie besonders stolz auf die beiden Zertifikate, die sie gleich zu Anfang des Gesprächs vorzeigt und die später mit aufs Foto sollen. „Ich wollte unbedingt diese Auszeichnung haben“, sagt sie klar und deutlich, was sie erreichen wollte. Jeden Monat gab es Umfragen und Interviews unter den PPP-Teilnehmern, nur die besten zehn bekamen im letzten Monat ein solches Zertifikat. „Ich habe bis zum Schluss gezittert, ob ich es wohl kriege, und habe mich wahnsinnig gefreut, als mein Name auf der Internetseite auftauchte.“

Gute Botschafterin für Deutschland

Ilayda Dogan aus Werdohl war eine hervorragende Botschafterin für Deutschland in Amerika – in etwa so eine Bedeutung hat das Zertifikat. Weil die Highschool sie kaum forderte, konnte sie sich anderweitig engagieren. Im März 2019 konnte sie an einer Konferenz der National High School Model United Nations NHSMUN in New York teilnehmen. Schüler simulieren dort die Vereinten Nationen, mit einer internationalen Schülergruppe vertrat sie in dem Übungsszenario die Interessen von Syrien. Junge Menschen aus der ganzen Welt kamen dort zusammen, es war ein großartiges Erlebnis.

Praktikum bei einer Abgeordneten

Derart befügelt, wollte Ilayda auch ein Praktikum bei einer US-Abgeordneten bekommen. Eigentlich ist das nur für berufstätige junge Leute möglich, aber Ilayda blieb am Ball und konnte sich letztlich gegenüber vielen Älteren und Erfahreneren durchsetzen.

22 Tage lebte sie in Alexandria im Bundesstaat Virginia und erlebte ein Praktikum bei der demokratischen Abgeordneten Rochelle „Chellie“ Pingree. Sie unterstützte die 64-Jährige aus dem Bundesstaat Maine beim Wahlkampf in Washington.

Zurück in Werdohl hat sie schon weitere Pläne: Natürlich erst einmal weiter zur Schule gehen und das Abitur machen. Darüber hinaus will sie weiter am Aufbau der Jusos auf der Lenneschiene arbeiten und sich im Werdohler Kinder- und Jugendparlament engagieren. Man wird in Zukunft noch von ihr hören, von Ilayda Dogan aus Werdohl im Sauerland.

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