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„Ich will impfstofffrei bleiben“: Vereins-Vorsitzende fühlt sich diskriminiert

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Von: Volker Heyn

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Wegen der Corona-Auflagen bleiben viele Plätze im Übungsraum des Reha-Sport-Vereins Physio Vital leer, Trainerin Gundula Denkhaus sieht sich wegen ihrer Haltung zur Impfpflicht an den Rand gedrängt. Die 56-Jährige ist Fachübungsleiterin und bietet seit elf Jahren hauptberuflich Kurse an.
Wegen der Corona-Auflagen bleiben viele Plätze im Übungsraum des Reha-Sport-Vereins Physio Vital leer, Trainerin Gundula Denkhaus sieht sich wegen ihrer Haltung zur Impfpflicht an den Rand gedrängt. Die 56-Jährige ist Fachübungsleiterin und bietet seit elf Jahren hauptberuflich Kurse an. © Heyn, Volker

Gundula Denkhaus leitet seit Juli 2011 den Rehasportverein „Physio Vital“ in Ütterlingsen, die 56-Jährige ist die Vorsitzende des Vereins und ausgebildete Fachübungsleiterin Rehasport.

Zu besten Zeiten hatte der Verein 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der täglichen Kurse als Mitglieder, zuletzt in Corona-Zeiten nur noch 150. Viele Mattenplätze bleiben leer.

„In den letzten zwei Jahren waren wir insgesamt acht Monate im Lockdown“, berichtet die Neuenraderin, die den Kursbetrieb mit zwei 450-Euro-Kräften leitet. Rehabilitationssport wird seit 2001 von den Krankenkassen finanziert und von Ärzten verordnet.

Corona „wirtschaftlich ein Totalschaden“

„Wirtschaftlich ist Corona für uns ein Totalschaden“, sagt sie. In dem Kursraum, den sie in der Physiotherapiepraxis von Hilmar Kreikebaum mietet, hatte sie vor Corona elf Mattenplätze für die Teilnehmer. Jetzt darf sie aufgrund der Raumgröße nur noch mit acht Menschen gleichzeitig turnen. In jedem Kurs zu 45 Minuten drei Rehasportler weniger, das bedeute enorme Verluste. Durch die Einschränkungen laufen zur Zeit neun Kurse, Denkhaus ist in Kurzarbeit. Manch ein Vereinsmitglied blieb zudem aus Angst zuhause, sodass noch nicht einmal alle angebotenen Plätze besetzt seien.

Wenn sie die jetzt beantragte Überbrückungshilfe III nicht erhalte, sehe es sehr schlecht aus. Denkhaus: „Wenn wir keine Unterstützung bekommen, werden wir das nicht überleben.“ Als Angestellte des Vereins übt sie die Tätigkeit als Trainerin und Kursleiterin hauptberuflich aus. In der Zeit des Lockdowns bot Denkhaus sieben Rehasport-Kurse online per Zoom an, doch mit rund 50 Anmeldungen habe das den Präsenz-Kursbetrieb nicht ersetzen können.

Es fehlt auch der soziale Austausch

Corona habe bei vielen Menschen zur Vereinsamung geführt. „Es gibt viele Alleinstehende, die bei uns turnen“, sagt sie. Den Menschen fehle aber nicht nur der Sport, sondern der soziale Austausch. Der gesundheitliche und emotionale Schaden durch Corona sei sehr groß. Gundula Denkhaus: „Diese Rechnung werden wir noch bezahlen. Für mich ist deshalb die Frage, ob die Coronamaßnahmen verhältnismäßig sind.“

Die 3G-Regel gelte beim Verein Physio Vital seit Anfang des Jahres und hat die 2G-plus-Regel abgelöst. Den Antrag habe der Verein beim Ordnungsamt gestellt und auch genehmigt bekommen. Denkhaus: „Diese Regelung macht aus meinen Augen Sinn, da ansonsten die Teilnehmer, die sich morgens testen müssen, um arbeiten gehen zu dürfen, abends nicht mit dem gleichen Test zum Sport kommen könnten.“

Ablehnende Auffassung zur Corona-Schutzimpfung

Denkhaus hinterfragt aber nicht nur die Verhältnismäßigkeit der Coronamaßnahmen, sie hat auch eine ablehnende Auffassung zur Corona-Schutzimpfung. Von einer berufsbezogenen Impfpflicht sind die Vereine allerdings ausgenommen. Die Rehasport-Vereine gehören zum Behinderten- und Rehabilitationssportverband Nordrhein-Westfalen BRSNW, der wiederum im Landessportbund organisiert ist. Während für die Physiotherapeuten ab dem 15. März die einrichtungsbezogene Impfpflicht kommen soll, gibt der BRSNW für die Vereine lediglich eine Empfehlung zum Impfen und Boostern.

Denkhaus lehnt eine Impfpflicht rundweg ab. Vielmehr ist sie der Überzeugung, in einer „Studie in der Testphase 3“ zu stecken. Denkhaus: „Wir haben keine Erfahrungen mit dem neuen mRNA-Wirkstoff und den Vektorimpfstoffen und keine Langzeit-Erfahrungen.“ Die Impfungen würden gerade an den Menschen ausprobiert, daher ist sie der Meinung, dass dies eine „Studie“ sei.

Denkhaus war selbst an Corona erkrankt

Denkhaus war selbst an Corona erkrankt und hat einen Genesenennachweis. Sie sagt: „Die Impfung war und ist ein Angebot und ich habe mich gegen dieses entschieden. Die ganze Entwicklung gestaltet sich in meinen Augen als Impf-Abo.“ Sie sei aber keine Impfgegnerin und auch mit den früher gängigen Impfungen versorgt. Die Impfungen mit mRNA-Wirkstoffen, ebenso die Vektorimpfstoffe noch die neuen Totimpfstoffe seien zu wenig erforscht und kämen für sie persönlich nicht infrage.

Mit ihrer Auffassung, impfstofffrei leben zu wollen, fühle sie sich von anderen diskriminiert: „Bin ich ein Querdenker, wenn ich all die Maßnahmen hinterfrage? Ich bezeichne mich als Selbstdenker und informierter Mensch.“ Es müsse erlaubt sein, über die Corona-Maßnahmen einen Diskurs zu führen. Zu Beginn der Pandemie habe sie Bürgermeister Späinghaus ein Konzept vorschlagen wollen, wie man ohne Maskenpflicht miteinander leben könne. Damals habe es noch keinen Impfstoff gegeben. Späinghaus habe aber nicht wirklich mit ihr sprechen wollen. Denkhaus weiß von der schweren Covid-Erkrankung des Bürgermeisters. Denkhaus: „Er hatte wirklich Angst.“ Es sei aber nicht gut, angstgetriebene Entscheidungen zu treffen, meint Denkhaus, die sich selbst als „Weiblichkeitspädagogin“ bezeichnet und unter anderem privat „Chakra-Healing“ anbietet.

Denkhaus: Wissen eine Holschuld

Während des Lockdowns habe sie die Gelegenheit genutzt, sich umfassender als sonst zu informieren. Denkhaus: „Querdenken bedeutet für mich, mich in Eigenverantwortung zu informieren, Meinungsbilder zu hinterfragen.“ Wissen sei eine Holschuld und keine Bringschuld. „Wenn ich alles glaube, was mir erzählt wird, bin ich nicht autonom, sondern abhängig und fremdbestimmt.“

Sie unterstütze die Werdohler und Lüdenscheider „Spaziergänge“ und stehe für eine freie Impfentscheidung. Sie frage sich, was in der Gesellschaft los sei: „Eine angstbehaftete Berichterstattung und angstmachende Politik muss sofort aufhören.“ Ihre Theorie: „Es ist ein Test, wie weit man uns Bürger über eine Angstmatrix in ein System bringen kann, wo wir unsere Demokratie und unseren Rechtsstaat, unsere Autonomie und unsere Selbstbestimmung verlieren.“

Sport, Spaß und Gemeinschaft sollen im Vordergrund stehen

Denkhaus: „Ich liebe meine Arbeit. Der Sport, der Spaß, die Gemeinschaft, der Mensch und die Gesundheit sollten an erster Stelle stehen und nicht der Impfstatus.“

Anmerkung: Im weiteren Gespräch stellte Gundula Denkhaus mehrere Behauptungen auf, die unhaltbar, teilweise sachlich falsch und von Wissenschaftlern mehrfach widerlegt sind. Diese Auffassungen geben wir an dieser Stelle nicht wieder. Bei Fragen zur Corona-Schutzimpfung verweisen wir auf das Internetportal der Bundesregierung. Dort heißt es: „Seit Beginn der Corona-Schutzimpfungen besteht ein großes Informationsbedürfnis. Leider sind auch viele Falschinformationen im Umlauf, die Menschen verunsichern und von der Impfung abhalten. Zuverlässige Informationen sind im Kampf gegen die Pandemie essenziell. Auf dieser Seite finden Sie einen Überblick der Angebote, die zuverlässige Antworten geben auf Fragen zur Sicherheit des Impfstoffs, zur Impfung selbst sowie zur Impfstoffentwicklung und zu möglichen Nebenwirkungen.“

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