„Ich vermisse hier in Lübeck die Sauerländer Mentalität“

Manfred Amreim ist stolz auf seine Erfindung (links auf dem Banner zu sehen): das Posaunen-Schallstück aus Carbon, klingt wie eines aus Blech, ist aber wesentlich leichter und darüber hinaus auch noch unzerstörbar.

WERDOHL - Georg Tausch war sein Musiklehrer, blickt Manfred Amrein in seine Jugend zurück. „Bei ihm war ich im Jugendorchester. Der hat viele junge Schüler damals richtig motiviert. Ohne ihn hätte ich sicherlich diesen Berufsweg nicht gewählt. Er hat mir Energie und Spaß vermittelt am Musizieren.“

Amrein wurde am 5. Oktober 1944 in einem Luftschutzbunker in Werdohl geboren. Es herrschte ja noch der zweite Weltkrieg. Aufgewachsen ist er dann an der Sommerstraße – „oberhalb von Spelsberg“, erinnert sich der 68-Jährige. „Dieses Jahr werde ich 69, alter Schwede, dabei fühle ich mich wie 35“, flachst er beim Telefongespräch herum.

Unweit der Sommerstraße wohnte seinerzeit auch Arnold Menshen. Amrein berichtet: „Arnold war unser großes Vorbild, wir haben im Steinbruch in Kleinhammer immer Erz gesucht für ihn, denn Arnold sammelte ja Lumpen seinerzeit.“

Zur Schule ging Amrein „auf der Königsburg bei Lehrer Vaupel“. 1964 verließ der damals 20-Jährige Werdohl. „In Essen habe ich dann an der Folkwang-Universität der Künste Trompete studiert – und gleichzeitig noch meine Hochschulreife nachgemacht.“

Nach dem Abschluss 1968 arbeitete Amreim viele Jahre als Profi-Musiker. Er hatte Engagements in den großen Orchestern in Hagen, Göttingen, Stuttgart, Wilhelmshaven, Oberhausen, Bremen und Frankfurt. „Als junger Mann sucht man sich natürlich die Orchester, die einen künstlerisch herausfordern und wo man gut verdienen kann“, sagt er und lacht.

„1973 ging ich dann nach Lübeck. Dort war ich Solo-Trompeter an der Oper. Und ich habe an der Lübecker Hochschule auch unterrichtet“, zählt Amrein auf.

Seine Frau Ursula gründete 1977 eine eigene Firma – Musik Amrein, ein Unternehmen, welches Blechblasinstrumente herstellt, nunmehr seit 36 Jahren. „Meine Frau hatte ich noch in Werdohl kennengelernt. Sie war zunächst Sekretärin bei VDM.“

1995 hörte Amrein auf, als Profi-Musiker zu arbeiten und stieg ganz in die Firma seiner Gattin mit ein. Fünf Mitarbeiter haben die beiden in ihrem Unternehmen unterdessen. 1992 erhielt die Firma den Bundespreis im Instrumentbau vom Wirtschaftsministerium.

Das Sauerland vergessen hat Amrein dennoch nie: „Hier in Lübeck vermisse ich manchmal schon die Sauerländer Mentalität. Die Menschen dort sind einfach lockerer als hier im Norden“, befindet er. Und wenn er an Werdohl denke, falle ihm auf: „Die Schützenfeste waren immer schon sehr schön.“

Nach wie vor halte er Kontakt in den Märkischen Kreis. „Ein oder zwei Mal im Jahr komme ich noch dorthin. Ich habe in Dahle ja noch eine Schwägerin wohnen“, berichtet er. „Zuletzt habe ich erst Rudi Fritz, dem ehemaligen Leiter des Versetaler Musikvereins, zum Geburtstag gratuliert.“ Und auch Georg Tausch statte er öfter mal einen Besuch ab.

Bekannt sind Amrein und seine Produkte indes weltweit. Jüngst hat er einen Posaunen-Schallbecher (auch Schallstück genannt) aus Carbon entwickelt. „Den haben wir zuletzt nach Japan und Korea geliefert.“

Ein Jahr dauerte die Forschung, bis das Schallstück fertig war. „Dabei haben wir mit vielen Solisten zusammengearbeitet.“ 10 000 Euro haben die Amreins in das Carbon-Stück investiert.

Ein solches Schallstück wiege statt 500 nur noch 200 Gramm. Dabei klinge es aber absolut identisch zu einem herkömmlichen aus Blech. Ein weiterer Vorteil sei, dass es keine Beulen bekäme. „Auch bekommen die Musiker keine Allergien davon – wie das teilweise bei Blech möglich ist.“

Amrein und seine Gattin haben weitere Pläne. „Wir haben jetzt auch vor für Tubas Schallstücke aus Carbon zu produzieren. Die haben dann nur noch das halbe Gewicht“, erläutert der gebürtige Werdohler. „Die Musiker kriegen dann nicht mehr so schnell Schulterprobleme“, nennt er einen Vorteil seiner nächsten Erfindung.

Den Posaunen-Schallbecher haben bereits berühmte Musiker ausprobiert. Amrein zählt auf: „Laszlo Pete aus Ungarn, Harry Reanderson aus den USA und Nils Johannson aus Dänemark“. Alle hätten sich positiv über die Innovation geäußert. „Und auch auf der Musikmesse in Frankfurt gab es eine gute Resonanz. Das hat mir Hoffnung gemacht.“

Von Michael Koll

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