„Ich transpiriere ansatzweise“

SJW waren mit ihrem Hardrock die Überraschung des Abends. Die Fans wünschten sich Zugaben.

WERDOHL ▪ Er hat es wieder gemacht: Lord Bishop aus New York brachte die Musikkneipe Alt Werdohl am Sonntagabend zum brennen, so wie schon bei drei vorherigen Gastspielen auch. Von Michael Koll

Wieder einmal war der bunt gekleidete Riese aus der amerikanischen Großstadt nicht alleine gekommen. Zwei Vorbands heizten – im wahrsten Sinne des Wortes – für ihn ein. „Ich transpiriere ansatzweise“, untertrieb der Sänger der Band Funkskirt maßlos.

Am Ende war die Lage ein wenig unübersichtlich. Auf der Sauna-Bühne in Pöngses Wohnzimmer tummelten sich Musiker aller drei Bands und dazu der Werdohler Gitarrist Benny Peiser, der Songs vom Lord wie auch die Funkskirt-Version vom Rolling-Stones-Klassiker „Sympathy for the Devil“ aufs Vortrefflichste veredelte.

Ein Auftritt von Bishop ist eben nie ein normales Konzert, sondern stets eine große Party – mit viel Whiskey, auch für‘s Publikum. Da gehört es natürlich dazu, dass der orange leuchtende New Yorker sich auch mitten unter das Volk mischt, um seine Sechssaitige spazieren zu führen.

Den Abend begonnen hatte aber das britische Trio SJW. Der Name steht für die Initialen des Bassers, Sängers und Songschreibers Simon James White. Gemeinsam mit seinen Mitstreitern bringt er klassischen Hardrock auf die Bühne: treibender Bass und schnelle Soli.

Bei neuerem Material vom aktuellen (dritten) Album „Moments of Magnitude“ schleicht sich allerdings auch ein Hauch Progressive Rock in die Arrangements. Auch ohne die typischen Keyboards stehen hier Sounds, Tempi-Wechsel und sphärische Flächen neben harten Riffs. So verwunderte es am Sonntag nicht, dass diese Band die einzige des Abends war, die Zugabe-Rufe aus dem Publikum hören konnte. Sänger White war hinterher total begeistert und will Werdohl auf jeden Fall wieder besuchen.

Wiederholungstäter waren Funkskirt bereits. Sie setzten auf 70er-Jahre-Funk mit eigenem Percussionisten und allerlei elektronischen Spielereien. Dabei spielten sie mehr Cover-Versionen als eigene Stücke: von Steve Winwoods „Valerie“ (aus dem Jahr 1982) über „Give it away“ von den Red hot Chili Peppers (1991) bis hin zu „Satellite“ (Lena, 2010).

Die eigenen Stücke stellten sich in die Traditon von Größen wie James Brown und Prince. Stücke wie „Scream my Name“ gingen ins Ohr und brachten die Menge zum Tanzen. Der Song „How she Moves“ sei geschrieben worden, erklärte die Truppe, um damit ins Radio zu kommen. Entsprechend beliebig klang er dann auch. Der Rest des Konzertes der Schwarzwälder wurde aber gebührend gefeiert.

Dann kam der Lord: Gitarre eingestöpselt, Zylinder aufgesetzt, ein Schluck Whiskey, ein knappes „Hallo Werdohl, schön wieder hier zu sein“ – und die Riff-Orgie ging los.

Die Wiedergeburt Jimi Hendrix‘ gab dem Publikum, was es erwartete. Eine heiße Fete mit knalliger Rockmusik. Der Lord ist ein Garant für einen gelungen Abend. Und so war das proppenvolle Alt Werdohl sicher nicht zum letzten Mal der Austragungsort einer Lord-Bishop-Messe.

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