„Ich mache Dich kalt“: 23-Jähriger steht vor dem Landgericht

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Werdohl - Den direkten Verzehr von Lebensmitteln durch einen etwas zweifelhaften Kunden – ohne vorheriges Passieren der Kassenzone – meldeten Mitarbeiter des Werdohler Edeka-Marktes am 25. August 2017 der Polizei.

Als die Beamten den Gierigen auf der Lennebrücke stellten, erkannten sie in ihm jenen jungen Mann wieder, den sie schon in der Nacht zuvor im Gewahrsam untergebracht hatten. 

Eine Kontrolle seiner Personaldokumente verweigerte der 23-Jährige, griff stattdessen die Polizisten an. Den körperlichen Angriffen folgten verbale Drohungen. „Ich mache Dich kalt, ich bringe Dich um!“, zitierte die Vorsitzende der 6. großen Strafkammer am Hagener Landgericht, Richterin Dr. Bettina Wendlandt, aus den Akten. „Ich weiß nicht, inwieweit das bei ihm angekommen ist, dass wir Polizisten sind“, zeigte sich einer der Zeugen skeptisch gegenüber der Geistesverfassung seines Gegenübers. 

Kleinkriminelle Delikte 

Wegen einer ganzen Reihe solcher kleinkrimineller Delikte, Bedrohungen und leichter Körperverletzungen muss sich der Lüdenscheider im Landgericht verantworten. Die Richter müssen entscheiden, ob der als psychisch krank geltende Mann in eine geschlossene Klinik eingewiesen wird. Derzeit ist er auf der Grundlage eines vorläufigen Unterbringungsbeschlusses in der forensischen Klinik in Herten. „Da geht es mir gut“, erklärte der Beschuldigte und fragte schon mal nach, ob er dorthin zurückkehren könne: „Kann ich meine Zeit da absitzen? Da geht es mir besser als woanders.“ Ob dieser ungewöhnliche Wunsch in Erfüllung geht, hängt nun vom Verlauf der – geplanten – sechs Verhandlungstage ab. 

Zum Auftakt legte der Beschuldigte nach der Verlesung einer langen Antragsschrift ein etwas wackliges Geständnis ab: „Das kann alles sein, ich habe aber keine konkrete Erinnerung.“ Sein Verteidiger Marcus Tillmann wurde deutlicher: „Die Vorfälle werden nicht bestritten.“ Der Anwalt kritisierte die Unterbringung seines Mandanten in einem Haus des Sozialwerks St. Georg an der Kölner Straße in Lüdenscheid: „Das Personal war völlig überfordert.“ Das habe Auswirkungen auf die dringend gebotene regelmäßige Einnahme von Medikamenten gehabt, die „tagesformabhängig“ erfolgt sei. „Effektiv therapiert wurde er nur nach Vorfällen – in der geschlossenen Psychiatrie.“ 

Hauptsächlich in Lüdenscheid aktiv

Ausgehend von seinem Lebensmittelpunkt, war der Beschuldigte hauptsächlich in Lüdenscheid aktiv: Als Zeuge kam unter anderem der Pächter der Total-Tankstelle in der Rahmede ins Landgericht, wo der 23-Jährige am 1. Oktober 2017 bei einem Einbruchsversuch die Glastür demoliert und einen Schaden zwischen 300 und 400 Euro zurückgelassen hatte. 

Da der 23-Jährige angeblich an einer „paranoid-halluzinatorischen Psychose“ leidet, gilt er als nicht schuldfähig. Dem psychiatrischen Gutachten und der Gefährlichkeitskeitsprognose kommt deshalb besondere Bedeutung zu.

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