Designierter Vossloh-Aufseher verantwortlich

IC-Deal „peinlich“ für Rüdiger Grube

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Ex-Bahnchef Rüdiger Grube hat seine Finger überall im Eisenbahn-Geschäft, jetzt auch in Werdohl als designierter Vossloh-Aufsichtsratsvorsitzender. Er gehörte zu den Verantwortlichen der Bahn, die mit Fernverkehrsleistungen auf Nahverkehrsstrecken Geschäfte machen wollen. Als Bahnchef hatte Grube dazu Intercitys bei Bombardier bestellt, jetzt ist Grube oberster Aufseher bei dem kanadischen Hersteller. Peinlich für Grube: Sein Nachfolger bei der Bahn will die bestellten IC wegen Qualitätsmängeln nicht mehr abnehmen.

Werdohl – Rüdiger Grube, ehemaliger Bahn-Chef, Aufsichtsratsvorsitzender von Bombardier Transportation und jetzt auch designierter Oberaufseher der Werdohler Vossloh AG, steht momentan in überregionalen Medien in der Kritik.

Die Süddeutsche Zeitung (SZ) berichtete zuerst über die Probleme der Deutschen Bahn mit den beim kanadischen Hersteller Bombardier bestellten Intercity-Zügen. 

Die Bahn verweigert demnach die Abnahme von 25 bereits bestellten Zügen, von denen einer eigentlich schon seit 2019 als IC 34 auf der Ruhr-Sieg-Strecke fahren sollte. Viele der bereits in Dienst gestellten Züge weisen gravierende technische Mängel auf. Die Deutsche Bahn hat deshalb bei den Intercitys die Notbremse gezogen. 

Eine Stunde vorher Software starten

Für den Hersteller Bombardier bahnt sich damit ein Fiasko an. Der Auftrag habe laut Branchenkreisen einen Wert von 400 Millionen Euro. Die Bahn prüft diesen Kreisen zufolge Schadenersatzforderungen. 

Die ersten 17 der insgesamt 42 doppelstöckigen ICs der betroffenen Bauserie gingen bereits Anfang 2019 in Betrieb – vom Start weg mit enormen Problemen. Neben zahlreichen Bahnkundenbeschwerden über schlechten Komfort, Zugluft und zu kleiner Ablagen haben die Zugführer Schwierigkeiten mit dem Fahrbetrieb. 

Groteske Zustände

Interne Bahnvermerke beschreiben laut SZ groteske Zustände. So breche das Betriebssystem des Zuges regelmäßig zusammen, vor allem beim Wechsel der Fahrtrichtung. Nur mit einem zweiten Lokführer an Bord gelinge es, die Probleme überhaupt zu beheben. Oft aber falle der Zug ganz aus. Um losfahren zu können, müssten Lokführer eine Stunde vor Abfahrt am Zug sein, um das System zu starten. 

Der Bezug zu Rüdiger Grube und der Lenneschiene liegt auf der Hand: Der geschäftstüchtige Eisenbahn-Manager ist seit vergangenem Jahr Aufsichtsratsvorsitzender von Bombardier Transportation. Die SZ kommentiert das aktuell so: „Peinlich sind die Vorgänge auch für den Ex-Chef der Deutschen Bahn, Rüdiger Grube.“ Der sollte als neuer Aufsichtsratsvorsitzender der Bombardier-Tochter Transportation eigentlich für Besserung sorgen. Das ist ihm scheinbar nicht gelungen, wie alle großen deutschen Medien Anfang der Woche berichteten. Grube hatte Anfang 2017 den Staatskonzern im Streit um seine Vertragsverlängerung mit Millionenabfindung verlassen. 

Marktöffnung für die Chinesen

Seit vier Wochen ist der 68-Jährige auch designierter Aufsichtsratsvorsitzender des Werdohler Bahntechnik-Konzerns Vossloh, wo schon einige ehemalige Top-Manager der Bahn wie Andreas Busemann eine berufliche Zukunft gefunden hatten. Rüdiger Grube kann jetzt als neuer Vossloh-Chefkontrolleur indirekt dem chinesischen Großkonzern CRRC helfen, in Europa Fuß zu fassen. 

Schon als Bahn-Chef wollte Grube mit den Chinesen Geschäfte machen, um einen weiteren Lokomotiven-Hersteller – neben den Hoflieferanten Bombardier und Siemens – für den Staatskonzern zu gewinnen. Siemens hatte dagegen protestiert. 

Kieler Lokfabrik verkauft

Hier kommt wieder Grube ins Spiel: Vossloh hatte im vergangenen Sommer die Kieler Lokfabrik an CRRC verkauft, wobei dem Deal noch die Zustimmung unter anderem des Bundeswirtschaftsministeriums fehlt. Das Handelsblatt schrieb dazu: „Wenn unter Grubes Regie als Vossloh-Chefaufseher der Vertrag mit CRRC abgeschlossen werden kann, wird sein Plan aufgehen – wenn auch anders und mit einiger Verspätung.“ Grube würde mit Vossloh den Chinesen den europäischen Markt öffnen. 

Der Schienenkreis schließt sich in Werdohl auch insofern, dass die problembeladenen Intercity-Züge aus verschiedenen Gründen immer noch nicht in teilweiser Konkurrenz zur Privatbahn Abellio fahren werden. 

Juristische Auseinandersetzung

Die technischen Schwierigkeiten mit dem Bombardier-Zugmaterial sind dabei nur ein Teil der Problematik. Es geht hintergründig um eine mit allen juristischen Mitteln geführte Auseinandersetzung zwischen der Deutschen Bahn, dem Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe und dem privaten Nahverkehrs-Betreiber Abellio Rail NRW.

Vossloh ist weltweit in den Märkten für Bahntechnik tätig. Kerngeschäft ist die Bahninfrastruktur. Die Konzernaktivitäten sind in den drei Geschäftsbereichen Core Components, Customized Modules und Lifecycle Solutions gegliedert. Im Geschäftsjahr 2018 erzielte Vossloh mit etwa 3800 Mitarbeitern einen Umsatz von 865 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr hatte Vossloh ein Maßnahmenprogramm begonnen, um die Profitabilität des Konzerns zu steigen. Dieses sieht unter anderem vor, die Zahl der Mitarbeiter weltweit um rund fünf Prozent zu reduzieren. Die Stellen sollen bis Ende dieses Jahres abgebaut sein. Vossloh konzentriert sich mittlerweile aufs Kerngeschäft.

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