„Ernst des Lebens“ beginnt mit Maske

153 i-Männchen in Werdohl eingeschult

+
Nur an den reservierten Tischen durften die Teilnehmer der Einschulungsfeier in Kleinhammer den Mund-Nasen-Schutz abnehmen.

Werdohl – Für 153 Mädchen und Jungen in Werdohl hat am Donnerstag ein wichtiger Lebensabschnitt begonnen: Zum ersten Mal haben sie das Klassenzimmer einer Schule betreten.

Wegen der Gefahren der Corona-Pandemie fanden nur kurze Einschulungsfeiern ohne großes Begrüßungsprogramm statt. Und: Auf den Schulgeländen war das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes Pflicht. 

St. Michael 

An der katholischen Grundschule St. Michael startet für 46 Kinder der sprichwörtliche Ernst des Lebens. Begrüßt werden die i-Dötzchen auf dem Schulhof. Ins Gebäude habe man coronabedingt nicht gehen können, erklärt Schulleiterin Maria Apprecht. Sie ist froh über das trockene und nicht allzu heiße Wetter, das „trotz aller Einschränkungen eine wirklich schöne Feier in einem festlichen Rahmen zugelassen hat“. Auf dem Schulhof sind Sitzgruppen aufgebaut, an denen Kaffee und Waffeln serviert wird. 

Auch in der Grundschule St. Michael fand die Einschulungsveranstaltung unter freiem Himmel mit viel Abstand und Schutzmasken statt.

Mit einer kurzen Rede eröffnet Maria Apprecht die Veranstaltung, wünscht den Kindern unter anderem ein spannendes und abenteuerreiches Schuljahr, in dem sie vieles entdecken werden. Zum Beispiel Buchstaben und Zahlen und auch viele neue Freunde. Untermalt wird die Feier mit Musikbeiträgen der Klasse 4b, die für die neuen Schüler unter anderem das Schullied „Wir sind die Kinder von St. Michael und wir bauen ein Haus, das lebt“, singt. Der Chor habe die Aufgabe in diesem Jahr nicht übernehmen können, weil es Vorgabe ist, dass die Klassen nicht gemischt werden, erklärt Apprecht. Deshalb müssen auch die neuen Erstklässler, die Löwen- (1a unter der Leitung von Sigrid Claus) und Tigerkinder (1b unter der Leitung von Hanna Slomka), in Klassen eingeteilt sitzen. 

Eltern nehmen es gelassen

Wie erlebt man eine Feier unter solchen Bedingungen? Die Eltern nehmen es gelassen: „Für das, was möglich ist, hat die Schule das wirklich sehr schön gemacht“, sagt Tristan Schmidt, Papa des sechsjährigen Lukas, der zum ersten Mal die Schule besuchen darf. „Es ist aber natürlich trotzdem schade, dass man nicht noch mehr machen konnte“, so Schmidt. Auf die Grundschule St. Michael geht Lukas fast schon in Familientradition. Auch seine Mutter und seine Tante wurden vor vielen Jahren dort unterrichtet. Angst davor, dass sich Lukas in der Schule mit Corona infizieren könnte, hat Papa Tristan nicht. „Es ist wichtig, dass die Kinder in die Schule gehen können“, betont er, dass ihnen damit nicht nur ein Stück Normalität, sondern auch der Kontakt zu Gleichaltrigen ermöglicht wird. Ansonsten setzt Schmidt viel Vertrauen in das Personal: „Ich glaube, die Lehrer achten schon sehr dadrauf, dass die Regeln hier im Schulalltag eingehalten werden.“ 

Einschulung der Erstklässler in Werdohl

„Es war absolut in Ordnung. Gerade unter den Umständen jetzt ist nicht so viel möglich“, schildert auch Hakan Peker auf dem Pausenhof seine positiven Eindrücke. Er schickt zum ersten Mal seine fünfjährige Tochter Hafsa in den Unterricht. „Natürlich wären wir gerne mit in die Schule gegangen und hätten uns das Klassenzimmer angesehen“, sagt der Vater, hat aber Verständnis dafür, dass das in diesem Jahr nicht geht. Ein großes Lob hat er für die Lehrer und andere Mitwirkende übrig: „Man hat schon hier auf dem Schulhof gesehen, dass alle sehr bemüht sind, sich an die Schutzmaßnahmen zu halten. Deswegen habe ich auch keine großen Befürchtungen, dass es hier in der Schule so schnell einen Coronafall geben könnte. Es wird schon schief gehen“, ist Peker gelassen optimistisch. 

Königsburg 

Gut gehe es ihm, sagt der sechsjährige Nico. Nein, aufgeregt sei er nicht, behauptet er. Seine Mutter Michelle Schwertschke lächelt milde und flüstert: „Er ist sehr aufgeregt“, wobei sie das Wörtchen „sehr“ stark betont. Papa Jürgen Knaur fügt hinzu: „Er war gestern Abend schon aufgeregt.“ 

Der sechsjährige Nico kam als einer von 27 Erstklässlern mit seinen Eltern Michelle Schwertschke und Jürgen Knaur zur Einschulung an die Grundschule Königsburg.

Nico gehört zu den 27 Erstklässlern, die gestern an der Grundschule Königsburg ihren ersten Schultag erlebten. Er kann nicht still stehen, hebt seine Schultüte und stöhnt: „Die ist ja schwerer als ein Pott, der fünf Kilo wiegt.“ Dann drängt er auch schon auf den Schulhof, wo die Begrüßungsfeier stattfindet. Dort stehen die i-Dötzchen mit ihren Familien an mit Luftballons geschmückten Tischen. Auf diesen stehen Wasserflaschen und Nervennahrung bereit. Gekommen sind alle 27 Mädchen und Jungen. Nur ein Junge hat keinen Mundschutz dabei. Eine Lehrerin aus dem Kollegium holt schnell eine Einmalmaske aus dem Gebäude, dann kann auch er an der Feier teilnehmen. Und so lernt auch dieser Steppke seine Klassenlehrerin Angelika Jardzejewski kennen. Neben der 1a wird es in diesem Jahr keine 1b an diesem Standort geben. Sollten später Kinder aus einer höheren Jahrgangsstufe dazu stoßen, werde die recht große Klasse gegebenenfalls geteilt, erläutert Rektorin Nina Manns. 

Mütter und Väter müssen draußen bleiben

Nach der Open-Air-Einleitung geht es für die Neulinge in die Schule hinein. Die Mütter und Väter müssen aber draußen bleiben. Während das Schullied mit der aufmunternden Zeile „Du bist hier willkommen“ aus den Boxen erklingt, beobachtet Nina Manns, wie reibungslos das alles abläuft. „Es ist wirklich selten, dass alle so problemlos in die Klassen gehen“, lobt sie. 

„Corona ist für uns heute kein großes Thema“, sagt Nicos Vater Jürgen Knaur. „Masken kennen wir ja mittlerweile.“ Schulleiterin Manns indes hat sich „im Vorhinein viele Gedanken gemacht, damit die Kinder später eine schöne Erinnerung haben“. So habe sie sich auch „seit Monaten immer wieder mit den Eltern ausgetauscht“. Manns schaut über den Schulhof und stellt fest: „Optisch ist das viel schöner als in der Turnhalle. Wir werden das auch kommendes Jahr wieder draußen machen mit all den bunten Ballons.“ Auch Schulpflegschaftsvorsitzender Daniel Bartke stimmt zu: „Das hat eindeutig mehr Flair.“ 

Bartke hat den nervösen Erstklässlern und deren Mamas und Papas kurz vorher verraten, dass er selbst vor 25 Jahren diese Schule besucht habe. An die Kinder gerichtet sagt er: „Es wird viel Spannendes auf Euch zukommen. Und glaubt mir: Schule ist cool.“ Den Eltern sagt er: „Jedes Kind ist einzigartig. Und jedes Kind lernt auch anders.“ 

Kleinhammer 

Exakt wie auf der Königsburg läuft auch die Einschulung an der Grundschule Kleinhammer ab, was natürlich auch daran liegt, dass auch dort Nina Manns als Schulleiterin die Verantwortung trägt. 38 Kinder werden dort eingeschult und auf zwei Klassen verteilt, die von Linda Trinkaus und Beate Arens geleitet werden. Zu den Lernanfängern gehört auch die fünfjährige Berra. 

Noch aufgeregter als sie sind allerdings ihre Eltern, die auch Berras erst drei Wochen alte Schwester Beril mitgebracht haben. Die Anspannung legt sich aber, als die kleine Feier auf dem Schulhof endlich beginnt und Schulleiterin Manns von Wurzeln und Flügeln spricht, die Kinder benötigten, um im Leben Halt zu finden, aber gleichzeitig auch Neues entdecken zu können. Die sprichwörtlichen Flügel kommen dann beim Gang in die Klassen erstmals zum Einsatz. 

Ütterlingsen 

Zur Titelmelodie von Pippi Langstrumpf, gespielt von Marion Jeßegus, betreten die Erstklässler der 1a an ihrem ersten Schultag mit ihren Familien nacheinander den hinteren Pausenhof der evangelischen Martin-Luther-Grundschule in Ütterlingsen. Ihre Klassenlehrerin Dorothee Pasch begrüßt sie und ihre Eltern, Geschwister und Großeltern. Rückblick: Fünf Minuten vorher ist Mama Carina Gareis sichtlich aufgewühlt. „Komisch“, fühle sich dieser Tag an. Dass sie damit keineswegs die Corona-Einschränkungen meint, wird klar, als sie nach einer Pause hinterher schiebt: „Jetzt muss ich wohl loslassen.“ 

Einschulung unter freiem Himmel: Am ersten Schultag wurden auch die Lernanfänger der Martin-Luther-Grundschule Ütterlingsen auf dem Schulhof begrüßt.

Papa Sebastian gibt sich gelassener und pragmatischer: „Wir müssen schauen, was uns erwartet. Wir haben ja sowieso keine andere Chance.“ Ihre Tochter, die kleine Leni, versteckt sich hinter dem Bein ihrer Mutter. Fest in der Hand hält sie dabei ihren Stoffhasen namens Regenbogen. Erst als die Mama erzählt, dass Leni fünf Jahre alt sei, kommt das Mädchen hervor und ergänzt: „Aber in zehn Tagen werde ich sechs!“ Und dann kommt sie ins Plaudern. „Ja, ich bin aufgeregt“, gibt sie offen zu. „Vor allen Dingen wegen der Schultüte.“ Die sei so groß und sie frage sich, was denn da wohl alles drin sei. 

Virus-Lage: Kinder dürfen nicht mitsingen

Minuten später sitzt Leni umgeben von ihren neuen Klassenkameradinnen in der ersten Reihe des Open-Air-Klassenzimmers an der Ütterlingser Grundschule und lernt mit Jeßegus ein Lied kennen. Die Musikschul-Lehrerin singt allein: „Guten Morgen, Du da“. Die Kinder dürfen aufgrund der Virus-Lage nicht mitsingen, aber sich passend zum Text bewegen: aufstehen, strecken, gähnen, wieder hinsetzen. Das macht den Kleinen ganz offensichtlich Spaß. 

Pastor Martin Buschhaus spricht schließlich noch den Segen Gottes für die Kinder aus. Die zweite neue Klasse an der Luther-Schule, die 1b, leitet Caroline Barnefske. In beiden ersten Klassen eingesetzt wird die sozialpädagogische Fachkraft Nathalie Ait Taleb. Sie betreut auch Kleingruppen, die von Zeit zu Zeit zur speziellen Förderung von den Klassenverbänden abgetrennt werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare