Hundertausende Euro werden in der Verse vergraben

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Für mehr als 400 000 Euro inklusive Grundstückskauf wird hier in Versevörde in der Nähe der bft-Tankstelle der Fluss renaturiert. Dort entsteht ein Trittsteinbiotop. Der Gesetzgeber will es so, deshalb wird die Maßnahme mit 90 Prozent bezuschusst.

WERDOHL - Wer den Begriff „Knef“ hört, denkt wohl zunächst an die Schauspielerin und Chansonsängerin Hildegard Knef. Bei Peter Erwig ist das anders. Der Mitarbeiter der Abteilung Bauen und Immobilienmanagement im Werdohler Rathaus bringt den Begriff Knef – ausgeschrieben bedeutet das „Konzept zur naturnahen Entwicklung von Fließgewässern“– mit Baustellen und größeren Investitionen in Verbindung.

Augenblicklich ist das Konzept, das im Schlepptau der WRRL, der EU-Wasserrahmenrichtlinie entwickelt wurde, für eine Großbaustelle am Verseufer verantwortlich. Gegenüber der bft-Tankstelle wird auf einem großen Areal, das durch Baustellenzäune abgetrennt ist, gebaggert, was das Zeug hält. „Ziel von Knef ist, eine möglichst naturnahe Entwicklung von Fließgewässern zu erreichen, um damit auch langfristig für eine gute Wasserqualität zu sorgen“, erläutet Peter Erwig. Deshalb sollten Gewässer dort, wo es möglich ist, laut EU wieder in den Ursprungszustand zurückversetzt werden – und das spätestens bis zum Jahr 2027.

„Es ist eine Pflichtaufgabe für die Kommunen“, macht Erwig deutlich, dass die finanziell ohnehin gebeutelte Stadt Werdohl die Ausgabe nicht auf freiwilliger Basis tätigen könne. Allerdings muss sich Werdohls Kämmerer Karl Wilhelm Schlüter diesbezüglich nicht allzu große Sorgen machen: „Die Maßnahme wird erheblich mit Landesmitteln bezuschusst,“ berichtet Erwig, dass die Stadt lediglich zehn Prozent der gesamten Kosten für das Projekt in Versevörde tragen müsse. Insgesamt belaufen sich diese aber auch auf knapp 400 000 Euro. „Um das Konzept hier verwirklichen zu können, musste die Stadt ein rund 2600 Quadratmeter großes Grundtück erwerben“, erklärt der Mitarbeiter der Stadt Werdohl.

Das sei auch ausschlaggebend dafür gewesen, schon jetzt mit der für 2016 geplanten Maßnahme zu beginnen. „Der Besitzer hatte signalisiert, dass er verkaufen will,“ erklärt Erwig. Im vergangenen Jahr wurde die Stadt Eigentümerin des Grundstückes an der Verse und das Renaturierungsprojekt konnte vorgezogen werden.

Übrigens soll nicht nur die Natur von dem so genannten Trittsteinbiotop profitieren. „Hier wird ein seichter Zugang zum Gewässer geschaffen,“ berichtet der Mitarbeiter der Stadt. Auch Sitzblöcke, die das Verweilen am Ufer ermöglichen, seien vorgesehen. „Nur die Kissen müssen sich die Besucher selbst mitbringen“, augenzwinkert Erwig. Kinder dürften später nach Lust und Laune mit den Füßen durch Wasser und Matsch waten.

Floss die Verse bisher stur geradaus, sind nun zwei künstliche Inseln entstanden, die vom Wasser umspült werden. Bäume, die nicht in die Nähe eines Gewässers gehören – beispielsweise Birken – wurden entfernt und sollen im Frühjahr ersetzt werden. „Durch gewässerverträgliche, großkronige Bäume, beispielsweise Schwarzerlen“, sagt Erwig. Natürlich werde die gesamte Bepflanzung zum Gewässer passend gewählt. Die Begrünung könne natürlich erst nach den Wintermonaten erfolgen, die Bauarbeiten dagegen sollen bis Weihnachten beendet sein.

Um möglichst naturnah zu gestalten, werde das Totholz, das im Zuge der Baggerarbeiten entfernt werden musste, später wieder eingebracht. Wasserbausteine, die aber nicht sichtbar verbaut werden, dienen an der Straßenseite als Hangsicherung. Zudem wurden auch am Betonfuß der Stützwand zur Wohnbebaubung hin Wasserbausteine verlegt und es wurde Substrat aufgeschüttet. „Wenn der Wasserspiegel demnächst ansteigt, wird es eingeschwemmt“, erläutert Erwig. Übrigens: Vor Beginn der Arbeiten hatte die Stadt die Werdohler Angelsportvereine um Hilfe gebeten: Im Zuge einer Abfischaktion wurden die Versebewohner vor der Baggerschaufel in Sicherheit gebracht.

Damit die heimische Flora und Fauna das Areal möglichst ungestört zurückerobern kann, sei der japanische Knöterich, Erwig nennt ihn verächtlich „Lennespargel“ so weit wie möglich entfernt worden. Auch ein anderer „Einwanderer“, der giftige Riesen-Bärenklau, ist ein potentieller Störenfried im Biotop. „Bisher haben wir hier noch keine Probleme damit“, sagt Erwig. Doch bereits auf der anderen Seite der Versebrücke am künftigen Biotop, nur wenige Meter flussaufwärts, wächst der Bärenklau, den man direkt am Gewässer nur mit der Chemie-Keule wirksam bekämpfen könne. „Und genau das wollen wir eben nicht“, unterstreicht Erwig.

Doch zurück zu Knef: Noch weitere Maßnahmen sollen im Bereich der Verse folgen. „Bis 2020 wollen wir fertig sein“, sagt Erwig und fügt hinzu: „Auch im Bereich der Lenne müssen wir noch das eine oder andere machen.“

Von Carla Witt

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