Hundehaufen als Auslöser

- Symbolbild

NEUENRADE -   Die Verletzungen eines 38-jährigen Werdohlers waren gut dokumentiert: Kratzwunden am Oberarm und vor allem eine vier Zentimeter lange Schnittwunde im Gesicht. „Mein Arzt hat gesagt, dass die Narbe bleiben wird“, sagte der Mann im Zeugenstand.

Der 47-jährige Angeklagte bestritt nicht, dass er dem Jüngeren diese Verletzungen zugefügt hatte. Doch aus seiner Sicht stellte sich das Geschehen als Notwehrhandlung dar: „Ich habe ihn abgewehrt“, sagte er am Dienstag zum Auftakt seiner Verhandlung im Amtsgericht Altena. Und: „Wenn der mich angreift, muss ich mich verteidigen.“ Weil er dem Opfer die Schnittwunde mit einem gefährlichen Werkzeug, einem Schlüssel, zugefügt hatte, warf die Staatsanwaltschaft dem 47-Jährigen eine gefährliche Körperverletzung vor, doch der Sachverhalt schien erheblich komplexer zu sein, als die Anklage formuliert hatte. Anlass für den Streit war ein Geschäft, das der Hund des Beschuldigten an einem Ort verrichtet hatte, den der Geschädigte und seine 18-jährige Tochter mit einer durchaus nachvollziehbaren Begründung verteidigten: „Da hinten kannst du deinen Hund scheißen lassen. Hier spielen zwei Kinder.“ Daraufhin sei der Angeklagte „mit seinem ganzen Gewicht auf mich gesprungen“, berichtete der Zeuge. Doch schon die 18-Jährige bestätigte, dass ihr Vater hinzugekommen sei, weil er einen Übergriff des Angeklagten auf sie fürchtete. „Er hat mich aber nicht berührt.“ Nach der Aussage der Zeugin konnte jedoch nicht mehr ausgeschlossen werden, dass ihr Vater als erster handgreiflich geworden war. Die Vertreterin der Anklage zog daraus die Konsequenzen: „Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Angeklagte sich nur gewehrt hat.“ Dem schloss sich Richter Reckschmidt an und sprach den 47-Jährigen frei. Mit einer Ermahnung, dass Hundehalter eigentlich verpflichtet sind, die Exkremente ihrer Lieblinge zu entfernen, ging der Beschuldigte relativ ungeschoren nach Hause. Denn es ging an diesem Tag ja nicht um Ordnungswidrigkeiten oder gutes Benehmen unter Nachbarn.

Von Thomas Krumm

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