Hoffnung auf alten Glanz

Ein Teil der rund 70 Besucher, die der Einladung des Bürgerstammtisches gefolgt waren.

WERDOHL ▪ Der Auftrieb an Interessenten war groß, so groß „wie eigentlich noch nie“, erinnerte sich Manfred Hoh. Der Werdohler Bürgerstammtisch hatte zu einer Bilderschau und einem Gedankenaustausch zum Thema Bahnhof eingeladen und fand mit rund 70 Männern und Frauen eine beeindruckende Resonanz.

Zumindest das Ziel, den unter Denkmalschutz stehenden Bahnhof wieder ins Gespräch zu bringen, dürfte erreicht worden sein. Eine Bestätigung für die vom Ehepaar Mentzel geführte Interessengemeinschaft: Der Bahnhof ist „in“. Alles andere allerdings blieb hinter den Erwartungen zurück.

Die maßgeblich von Karl-Heinz Ganser mit Fotos versorgte Bilderschau sollte zwar den Bahnhof und sein direktes Umfeld als Thema haben und damit (bis zur Entrümpelung des Gebäudes) eine Entwicklung von über 100 Jahren in Erinnerung rufen, doch die Präsentation gedieh eher zu einer Lokomotiven-Gala mit etwas Bahnhof im Hintergrund.

Erwartungsfroh hatten sich die Besucher in der Bahnhofshalle versammelt. Für viele war dies ein Ort, mit dem Erinnerungen verbunden waren: Der Blick auf die beiden Eingänge zu den ehemaligen Wartesälen erster und zweiter Klasse, auf die geräumte Fahrkarten- und Gepäckabgabe oder auf die Uhr über dem Ausgang zum Bahnsteig, die einstmals funktionierte und jetzt stur bei 12.37 Uhr steht. Von hier hatten Generationen von Realschülern beispielsweise ihre Reise ins Fünf-Städte-Heim nach Hörnum auf Sylt oder andere Ziele angetreten.

Die Idee zu diesem Treffen im Bahnhof habe Jürgen Hennemann gehabt, so Manfred Hof, der Sprecher des Bürgerstammtisches. Und Hennemann war es auch, der kurze Erläuterungen zur Historie und Bedeutung des Gebäudes gab. Es sei ein architektonisches Beispiel für die Ära des Späthistorismus (1835 - 1914). Der Bahnhof sei ein Juwel und geeignet für kulturelle Veranstaltungen. Eine Feststellung, die Hennemann allerdings erst treffen konnte, nachdem ein Güterzug vorbeigerauscht war, der eine Verständigung wegen des Lärms unmöglich gemacht hatte.

Immerhin war sich Jürgen Hennemann mit seinen Zuhörern einig in der Hoffnung: „Möge der Bahnhof möglichst bald restauriert werden, damit er wieder ein großes Aushängeschild für die Stadt wird.“ Einen finanziellen Obulus auf dem Weg zu diesem Ziel konnte am Montag jeder Teilnehmer leisten. Manfred Hoh hatte zu Spenden aufgerufen: „Wenn die Sparkasse 10 000 Euro gibt, dann wollen auch wir unseren Beitrag leisten.“

Die dann vorgeführte Bilderserie begann mit dem Archiv-Foto des Süderländer Volksfreund – mit dem Bahnhofsgebäude um 1862. Dann folgten Züge, Waggons, Lokomotiven, die Elektrifizierung der Ruhr-Sieg-Strecke, Erinnerungen an die alte Kommandobrücke, ihren Abriss und den Neubau. Beim Brücken-Neubau Ütterlingsen suggerierte der Autor den Zuschauern, er überspanne die B 229. Ein Zugunglück mit einem Todesopfer in Ohle tauchte auf oder auch Motive vom ersten Bahnhofsfest. Nichts dagegen aus der Glanzzeit des Bahnhofes.

Und auch die Hennemann-Aufforderung nach der rund 20 Minuten dauernden Vorführung, in die Diskussion einzusteigen, blieb in der Umsetzung weitgehend im Ansatz stecken. Heidi Mentzel betonte, die Interessengemeinschaft werde weiter darum bemüht sein, dass der Bahnhof alten Glanz bekomme.

Andreas Haubrichs von der Marketing GmbH hatte keine Information parat, die darüber hinaus ging, dass die Wohnungsgesellschaft Interesse habe, in das Gebäude einzuziehen – von denkbaren Nutzungsvorstellungen ganz zu schweigen.

Rainer Kanbach

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