Teilnehmerin meldet sich zu Wort

Unerlaubte Hochzeitsfeier im MK: Alles ein „großes Missverständnis“?

Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes müssen mit vielen Anfeindungen leben. Der Vorwurf, sie würden ihre Arbeit nicht richtig machen, ärgert Bürgermeister Andreas Späinghaus ganz besonders.
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Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes müssen mit vielen Anfeindungen leben. Der Vorwurf, sie würden ihre Arbeit nicht richtig machen, ärgert Bürgermeister Andreas Späinghaus ganz besonders.

Feierlichkeiten sind Corona-bedingt derzeit nur unter strengen Auflagen möglich. Die Polizei löste kürzlich eine Veranstaltung auf. Nun äußert sich eine Zeugin zum Vorfall.

Werdohl - „Es ist alles ein großes Missverständnis. Wir wollten nichts Verbotenes tun“, unterstreicht die Werdohlerin, die am Samstag Zeugin einer größeren Kontrolle von Polizei und Ordnungsamt in Kleinhammer war.

StadtWerdohl
Fläche33,39 km²
Bevölkerung17.657 (31. Dez. 2019)

Auf dem Grundstück ihrer Eltern hatten sich zahlreiche Gäste zu einer Geschenkübergabe versammelt. Nach einem Hinweis, es liege ein Verstoß gegen die Coronaschutzverordnung vor, trafen Polizei und Mitarbeiter des Ordnungsamtes 53 Menschen an – und lösten die Veranstaltung auf.

Die Redaktion berichtete von einer „unerlaubten Hochzeitsfeier“. Das möchte die Werdohlerin so nicht stehen lassen. „Die Hochzeit hat schon vor einem Jahr stattgefunden. Wir hatten jetzt lediglich eine Geschenkübergabe unter freiem Himmel organisiert, ohne Musik und mit festen Sitzplätzen. Und dabei haben wir uns auch an alle anderen Regeln gehalten“, sagt sie.

Unerlaubte Hochzeitsfeier im MK: Viele Geimpfte und Genesene

Etwa die Hälfte der Gäste seien bereits geimpft oder genesen. „Sie hatten die entsprechenden Unterlagen parat. Zusätzlich haben auch sie sich am Samstag noch einmal testen lassen, wie alle anderen Besucher auch“, unterstreicht die Werdohlerin. Sämtliche Testergebnisse hätten vorgelegen. „Außerdem haben alle eine FFP2-Schutzmaske getragen.“

Das hätten während der Kontrolle auch die Ordnungskräfte positiv angemerkt. Für die Unterlagen habe sich aber weder die Polizei noch das Ordnungsamt interessiert. „Wir waren geschockt, dass die Personalien aufgenommen wurden und wir die Feier sofort beenden mussten.“ Damit habe niemand gerechnet. „Wir hatten uns vorher über die geltenden Regeln informiert und waren fest davon überzeugt, alles richtig gemacht zu haben.“

Unerlaubte Hochzeitsfeier im MK: Werdohlerin beruft sich auf Schutzverordnung

Die Werdohlerin kann nicht verstehen, dass weder die Polizei noch das Ordnungsamt Testergebnisse und Impfbescheinigungen sehen wollten. „Denn Geimpfte und Genese zählen ja bei der Gästezahl nicht mit“, beruft sie sich auf die Coronaschutzverordnung, die das Land NRW am 28. Mai veröffentlicht hat.

In dieser Verordnung werden die Inzidenzstufen neu geregelt. Dort ist unter anderem festgeschrieben, dass die neue Stufe 2 für Kreise und kreisfreie Städte mit Inzidenzwerten von 50 bis 35,1 gilt. In der Stufe 2 wären private Veranstaltungen draußen mit bis zu 100 Gästen und in Innenräumen mit bis zu 50 getesteten und beliebig vielen genesenen und geimpften Gästen erlaubt. Bei einer Inzidenz über 50 – in der Stufe drei – sind private Veranstaltungen allerdings grundsätzlich nicht zulässig.

Unerlaubte Hochzeitsfeier im MK: Ordnungsamtsleiterin klärt auf

Folglich erklärt Ordnungsamtsleiterin Andrea Mentzel: „Wir befinden uns noch immer, auch am letzten Wochenende, in der Inzidenzstufe drei. Der Wechsel in die Stufe zwei erfolgt erst, wenn der Inzidenzwert im Märkischen Kreis an fünf Werktagen unter 50 liegt – und auch dann erst nach zwei weiteren Tagen.“ Dementsprechend erreicht auch Werdohl erst am Freitag die Inzidenzstufe zwei. „Dann wäre die Feier gegebenenfalls erlaubt gewesen“, stellt die Ordnungsamtsleiterin fest.

Aus diesem Grunde seien auch Impf- und Testbescheinigungen nicht kontrolliert worden: „Es kommt nicht darauf an, ob immunisierte Personen teilgenommen haben oder getestete Personen. Die Veranstaltung war generell verboten.

Wirrwarr: Viele Werdohler blicken nicht mehr durch bei Corona-Regeln

Offenbar blicken im Wirrwarr der Coronaschutzverordnungen längst nicht mehr alle Werdohler durch. „Hier rufen täglich sehr viele Menschen an, weil sie einfach nicht wissen, was sie jetzt dürfen und was noch verboten ist“, sagt Vanessa Kunze-Haarmann, die Allgemeine Vertreterin des Bürgermeisters. Dass nachgefragt werde, sei auf jeden Fall wichtig und richtig: „Wer sich nicht sicher ist, der sollte sich beim Ordnungsamt melden. Ganz besonders dann, wenn es um eine Veranstaltung geht.“

Wie schnell sich die Situation verändert, zeigt auch ein Blick auf die Infektionszahlen in der Stadt: Nachdem das Gesundheitsamt am Montag noch 23 Neuinfektionen gemeldet hatte, waren es Dienstag nur eine und am Mittwoch drei. Bürgermeister Andreas Späinghaus (SPD) freut sich über diese Entwicklung: „Wir wussten ja ganz genau, woher die hohen Zahlen kamen. Es war keine Spekulation. Deshalb konnten wir gezielt reagieren.“

Unerlaubte Hochzeitsfeier im MK: Mitarbeiter des Ordnungsamtes beschimpft

Sorgen bereitet dem Stadtoberhaupt dagegen ein anderes Problem: „Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes sind nach der Berichterstattung über das Infektionsgeschehen massiv beleidigt und beschimpft worden, sie würden ihren Job nicht richtig machen.“ Solche Vorwürfe seien nicht nur haltlos, sondern auch beschämend: „Das haben diese Mitarbeiter, die gerade jetzt in der Pandemie einen besonders anstrengenden Job haben, keinesfalls verdient.“

Besonders oft höre er die Kritik: „Das Ordnungsamt kümmert sich nicht um die Bulgaren auf dem Colsman-Platz. Auch dann nicht, wenn sie weder Abstand halten noch eine Maske tragen.“ Späinghaus unterstreicht: „Das stimmt einfach nicht. Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes sind regelmäßig vor Ort, sprechen die Menschen auch an und verhängen Bußgelder.“

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