Jahrhundertregen

Hochwasser im Lenne- und Hönnetal: Hier fiel während des Unwetters am meisten Regen

Anwohner in Dresel säubern nach dem Unwetter vom 14. Juli die Bundesstraße 236. Mehrere Bäche hatten zuvor mit enormen Wassermassen viel Schlamm und Geröll auf die Fahrbahn gespült.
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Anwohner in Dresel säubern nach dem Unwetter vom 14. Juli die Bundesstraße 236. Mehrere Bäche hatten zuvor mit enormen Wassermassen viel Schlamm und Geröll auf die Fahrbahn gespült.

Die Folgen des Unwetters sind überall sichtbar im Lennetal und im Hönnetal: unterspülte Straßen, geflutete Häuser, weggerissene Brücken. Die Fakten zum Jahrhundertregen.

Lennetal/Hönnetal – Viel zu viel Regen ist gefallen am 14. Juli, als dass Kanäle, Bäche und Flüsse die Wassermassen hätten ableiten können. Wieviel Regen es genau war, warum er so großen Schaden angerichtet hat und was das für die Zukunft bedeutet, hat der Deutsche Wetterdienst jetzt untersucht.

LandkreisMärkischer Kreis
HauptstadtLüdenscheid
Einwohner408.662

Hochwasser im Lenne- und Hönnetal: Hier fiel während des Unwetters am meisten Regen

„Hydro-klimatologische Einordnung der Stark- und Dauerniederschläge in Teilen Deutschlands im Zusammenhang mit dem Tiefdruckgebiet ,Bernd’ vom 12. bis 19. Juli 2021“ ist der Bericht überschrieben, den eine 14-köpfige Expertengruppe des Deutschen Wetterdienstes (DWD) jetzt vorgelegt hat. Er liefert unter anderem eine Beschreibung der Wetter- und Ausgangslage, eine Zusammenstellung der beobachteten Niederschlagswerte und eine klimatologische Einordnung.

Die Wetterlage an den Tagen vom 12. bis 15. Juli habe sich vor allem durch tiefen Luftdruck über Mitteleuropa ausgezeichnet, heißt es in dem Report. In Verbindung mit einem Höhentief, das sich langsam von Frankreich her genähert habe, sei die Troposphäre zunehmend instabil geschichtet gewesen. „Warme und sehr feuchte Luftmassen gelangten aus dem Mittelmeerraum in einer Drehbewegung um das Bodentief ,Bernd’ nach Deutschland“, beschreibt der DWD, was das für die Wetterentwicklung bedeutete. Vor den westlichen Mittelgebirgen des Sauerlandes, des Westerwaldes und der Eifel hätten sich die Luftmassen gestaut, in der Folge sei es zunächst regional, später dann großflächig zu immer wiederkehrenden Starkregen gekommen.

Juli-Hochwasser in Werdohl

Hochwasser am 14./15. Juli in Werdohl.
Hochwasser am 14./15. Juli in Werdohl.
Hochwasser am 14./15. Juli in Werdohl.
Hochwasser am 14./15. Juli in Werdohl.
Juli-Hochwasser in Werdohl

Bei der Entstehung von Hochwassersituationen sei neben der Wettersituation auch immer die momentane Bodenfeuchtesituation von Bedeutung, betonen die Autoren des DWD-Berichtes. Wenn der Boden nicht zu feucht und nicht zu trocken sei, könne er einen Teil des Niederschlages speichern, liefern sie dafür auch die Erklärung. Nach den wiederkehrenden Regenfällen der vergangenen Woche habe der Boden in Südwestfalen aber kaum noch weitere Niederschläge aufnehmen können.

Hochwasser im Lenne- und Hönnetal: Regional mehr als 150 Liter Regen pro Quadratmeter

Seit dem 14. Juli und bis in die Morgenstunden des 15. Juli kam es dann zu ergiebigem Dauerregen, der lokal immer wieder durch Regenschauer verstärkt wurde. „Der Schwerpunkt der Niederschlagstätigkeit erstreckte sich in einem Gebiet von Dortmund über Köln, Euskirchen, Gerolstein, Bitburg bis hin nach Trier“, heißt es im DWD-Report. Weitflächig seien mehr als 100 Liter Niederschlag pro Quadratmeter in 72 Stunden registriert worden. Regional seien sogar mehr als 150 Liter Regen pro Quadratmeter in 24 Stunden gefallen.

Starkregen: Die Bilder aus Altena und Nachrodt

An der Elsa-Brandström-Straße in Altena liefen Keller voll.
An der Elsa-Brandström-Straße in Altena liefen Keller voll.
An der Elsa-Brandström-Straße in Altena liefen Keller voll.
An der Elsa-Brandström-Straße in Altena liefen Keller voll.
Starkregen: Die Bilder aus Altena und Nachrodt

In Altena beispielsweise fielen binnen 72 Stunden bis zu 174,9 Liter, der Mittelwert zwischen dem 12. und dem 15. Juli lag in der Burgstadt bei 144,7 Litern und damit so hoch wie an keinem anderen der vom DWD untersuchten Orte. In Werdohl fielen in der Spitze 161,6 Liter Regen auf den Quadratmeter, in Neuenrade waren es 160,4 Liter und in Nachrodt-Wiblingwerde 182,4 Liter. Lüdenscheid bekam immerhin bis zu 146 Liter ab.

Mehrere Orte im Lennetal liegen im Niederschlagsranking weit oben, und auch in Neuenrade istim Zusammenhang mit dem Tiefdruckgebiet „Bernd“ viel Niederschlag gefallen.

Auf den gesamten Märkischen Kreis bezogen fielen in dem 72-Stunden-Zeitraum maximal 182,4 Liter und im Mittel 107,4 Liter Regen. Die Stadt Hagen, die vom Unwetter auch stark getroffen wurde, bekam im selben Zeitraum in der Spitze 175,7 Liter und im Mittel 116,6 Liter ab. Zum Vergleich: Im extrem stark von den Unwetterfolgen betroffenen Rhein-Erft-Kreis fielen maximal 137,1 Liter und im Mittel 103,9 Liter, also deutlich weniger als im Märkischen Kreis und in Hagen.

Ganz Neuenrade unter Wasser

Hochwasser auf Neuenrader Stadtgebiet.
Hochwasser auf Neuenrader Stadtgebiet.
Hochwasser auf Neuenrader Stadtgebiet.
Hochwasser auf Neuenrader Stadtgebiet.
Ganz Neuenrade unter Wasser

„Durch den großflächigen und anhaltenden Starkniederschlag wurden große Teile von Flusseinzugsgebieten beregnet“, beschreibt der DWD die Situation. Das Wasser habe sich gesammelt und sei teils in den engen Flusstälern kanalisiert worden. Die enormen Regenmengen, aber vor allem auch die Gegebenheiten des Geländes und die gesättigten Böden hätten zu einer Potenzierung der Schadenswirkung geführt, schlussfolgert der DWD.

Es ist davon auszugehen, dass noch weitere Ereignisse in 2021 hinzukommen werden.

Aus dem Unwetter-Report des Deutschen Wetterdienstes

Die aufgetretenen Starkniederschläge ordnen sich nach Darstellung des DWD in eine Serie von Ereignissen ein, die schon seit Mai 2021 anhält. Bereits jetzt rangiere das Jahr 2021 unter den Top 5 der Jahre mit den meisten aufgetretenen Einzelereignissen seit 2001, heißt es in dem Report. Weil die meisten und intensivsten Starkniederschläge in Deutschland in der Regel zwischen Mai und September auftreten, steht für den DWD fest: „Es ist davon auszugehen, dass noch weitere Ereignisse in 2021 hinzukommen werden.“ Grundsätzlich könne Starkniederschlag an jedem Ort in Deutschland auftreten. Es gebe jedoch eine Tendenz, „dass Extremereignisse mit steigender Dauerstufe vermehrt in den Mittel- und Hochgebirgsregionen auftreten“.

Hochwasser in Balve, Volkringhausen und Garbeck: Die Folgen am Donnerstag

Folgen des Hochwassers in Balve, Volkringhausen und Garbeck.
Folgen des Hochwassers in Balve, Volkringhausen und Garbeck.
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Folgen des Hochwassers in Balve, Volkringhausen und Garbeck.
Hochwasser in Balve, Volkringhausen und Garbeck: Die Folgen am Donnerstag

Hängt all das nun schon mit dem Klimawandel zusammen? Extreme Einzelereignisse seien zunächst kein direkter Beleg für den Klimawandel, betonen die Autoren des Reports. Auch die Frage, ob der Klimawandel ein bestimmtes Unwetterereignis verstärkt hat, könne nicht pauschal beantwortet werden. Das internationale Projekt World Weather Attribution bereite aber eine Studie zu den Ereignissen rund um das Tief „Bernd“ vor.

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