Bis zu 350 Kubikmeter pro Stunde

Hochwasser reißt Rohrbrücke weg: Abwasser fließt wochenlang in Fluss

Das Hochwasser riss am 17. Juli diese Rohrbrücke samt Schacht weg. Böschung, dicker Stahl und massiver Beton wurden einige Meter verschoben. Seitdem fließt Abwasser in die Verse. Vor zwei Jahren war der Kanal mit Inlinern saniert worden.
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Das Hochwasser riss am 17. Juli diese Rohrbrücke samt Schacht weg. Böschung, dicker Stahl und massiver Beton wurden einige Meter verschoben. Seitdem fließt Abwasser in die Verse. Vor zwei Jahren war der Kanal mit Inlinern saniert worden.

Das Hochwasser hat am 17. Juli eine Rohrbrücke mit einem Abwasserkanal über der Verse weggerissen, seitdem flossen unbemerkt sämtliche Abwässer der Haushalte bis zur Grenze nach Lüdenscheid direkt in die Verse.

Erst am Freitag, 27. August, bemerkte ein Anwohner eine Verfärbung in dem Fluss und meldete sich bei der Stadt.

Tiefbauamtsleiter Martin Hempel wundert sich ebenso wie alle anderen, dass dieser Schaden nicht früher entdeckt wurde. Die zerstörte Rohrbrücke ist von der direkt daneben liegenden Bundesstraße nicht einsehbar.

Fichtenholzlager versperrte die Sicht

Von der versteckt liegenden, parallel zur Verse und zur B 229 verlaufenden so genannten alten Bundesstraße ist das Malheur zwar zu erkennen, doch war diese alte Fahrbahn monatelang durch ein Fichtenholzlager in Beschlag genommen.

Ein Unternehmer lud am Donnerstag zwei Abwasserpumpen und 120 Meter flexible Rohrleitung ab, mit der die kaputte Stelle übergangsweise umgangen wird.

Auch unangenehme Gerüche waren nicht bemerkt worden, weil das Abwasser aus dem Kanal direkt in die Verse floss und sofort stark verdünnt wurde. Fußgänger gab es dort wegen des Baumstammlagers nicht, und dem vorbeifahrenden Verkehr ist es offenbar auch nicht aufgefallen. „Bei so einer großen Sache müssen die Wasserbehörden bis hinauf ins Umweltministerium verständigt werden“, berichtet Hempel. Zuerst wurde abgeklärt, ob es eine Gesundheitsgefahr gab. Das wird von den Behörden und von Hempel verneint, unterhalb der zerstörten Brücke gibt es keine Wasserentnahmestellen. Im Rahmen einer akuten Gefahrenabwehr gelang es sogar innerhalb weniger Tage, einen Lieferanten für Abwasserpumpen und flexible Rohre zu finden. Das Unternehmen lud am Donnerstag die Gerätschaften ab. Damit wird an einem oberhalb liegenden Schacht das Abwasser abgepumpt, durch die Behelfsrohrleitung geschickt und unterhalb der Schadstelle wieder in den Kanal geleitet.

Bis zu 350 Kubikmeter Wasser pro Stunde

Hempel ist sehr froh, auf die Schnelle einen Unternehmer gefunden zu haben, der Pumpen und Rohre liefern konnte. Die Preise seien vernünftig, die Notsituation werde nicht ausgenutzt. Die Anlage kann bis zu 350 Kubikmeter Wasser pro Stunde befördern. Eine große Menge, wenn man bedenkt, dass so viel Abwasser seit gut sechs Wochen Tag und Nacht in die an vielen Stellen renaturierte Verse geflossen ist.

Durch diese Rohre soll das Abwasser in den kommenden Wochen und Monaten fließen, bis der Düker unter der Verse fertig ist.

Nahezu gleichzeitig beginnt die Planung für die Reparatur des zerstörten Kanals und der Schächte. Das wird auf jeden Fall nicht mehr über eine Rohrbrücke, sondern mit einem Düker – einem Graben unterhalb der Verse – geschehen.

Verkehr soll möglichst wenig beeinträchtigt werden

Um von der B 229 aus an die Baustelle an der tiefer liegenden Verse zu gelangen, musste die Leitplanke abgesenkt werden. Nur wenn es absolut notwendig ist, soll der Verkehr kurzfristig einspurig per Ampelschaltung geregelt werden. Mehr ist dem am Verkehr erstickenden Versetal derzeit auch nicht zuzumuten, schließlich dient die B 229 derzeit als Ausweichstrecke für den gesperrten Höhenweg.

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