Nichts geht ohne die Musik beim Schützenfest

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Bei insgesamt sechs Schützenfesten, hier in Balve, sorgten die Werdohler Musiker für den richtigen Ton. ▪

WERDOHL ▪ Das grün-weiße Hochfest ist für viele Schützen die schönste Feierlichkeit im Jahr. Nicht fehlen darf dabei die Musik. Das Tambourcorps „Einigkeit“ Werdohl erlebte Schützenfest in dieser Saison gleich sechsfach. Bei sechs Festen sorgten die Musiker für den richtigen Ton, mitunter schon zum Weckruf morgens um fünf.

Wenn Carsten Hagemann an das Altenaer Schützenfest zurück denkt, dann gerät der 50-Jährige immer noch ins Schwärmen. Einfach fantastisch sei es in der Burgstadt gelaufen, sagt Hagemann und meint damit das Schützenfest als solches, im Besonderen aber die Leistungen „seiner“ Musiker. „Was wir da gezeigt haben, war Höchstklasse“, lobt der Musikchef, der das Spiel seiner „Mannschaft“ gezwungenermaßen als kritischer Zuhörer, beziehungsweise Zuschauer verfolgte – und restlos begeistert war. Da Hagemann krankheitsbedingt an der Spitze ausfiel, war kurzerhand der befreundete Musiker Christoph Hoffmann eingesprungen, und dieser meisterte seine Sache souverän und spornte das Werdohler Tambourcorps zu großartigen Leistungen an. „Wir haben uns von Stück zu Stück gesteigert und das Zelt aufgewirbelt“, ist Carsten Hagemann stolz über die vielfache positive Resonanz, die das Corps in der Nachbarstadt erfuhr. „Extrem hart“ seien die Tage gewesen, aber eben auch „extrem gut“. An vier Tagen spielte das Tambourcorps in Altena, außerdem gab es bei den Schützenfesten in Balve, Hülschotten, Müllenbach und dem Ebbedorf Valbert den musikalischen Ton an. Ein „Heimspiel“ war natürlich das Werdohler Schützenfest.

Dabei sind nicht alle Musiker in Werdohl zu Hause. Die Mitglieder des Corps kommen aus Hagen, Unna oder Essen. Carsten Hagemann wohnt heute in Hemer. Er ist allerdings in Werdohl aufgewachsen, als neunjähriger Steppke entdeckte er sein Herz für die Musik, lernte beim Tambourcorps Schlagwerk zu spielen und lockte mit seinen Trommelvorführungen auf dem Ütterlingser Schulhof auch seine Schulkameradin zu der Gruppe. Martina Muhl, deren Großvater Augustin Harig das Musikcorps zudem gründete, ist heute die Geschäftsführerin und musikalische Leiterin des Corps. Ihr Ehemann Klaus Muhl ist Vorsitzender des TC „Einigkeit“ Werdohl. Martina und Klaus Muhl und Tambourmajor Carsten Hagemann gehören mit Anfang bis Mitte 50 Jahren zudem zu den Ältesten, erfreulich viele junge Musiker sind im Musikcorps aktiv. Carsten Hagemann ist außerdem beim Dortmunder Spielmannszug St. Barbara Huckarde aktiv. Vor allem in den Sommermonaten ist sein Hobby sehr zeitintensiv. Mancher Urlaubstag wird den Verpflichtungen bei Festen geopfert. „Zwei bis drei Wochen Urlaub gehen manches Jahr drauf“, so Hagemann.

Was bei Auftritten gespielt wird, ist unterschiedlich. Die Auswahl der Stücke aus dem großen Repertoire von über 100 Musiktiteln richtet sich vor allem nach dem Publikum. In den Festzelten seien heute überwiegend Jüngere anzutreffen, bei Titeln wie „Mexiko“, „Fischerin vom Bodensee“ oder „Gloryland“ nehmen diese Tische und Stühle in Beschlag, feiern und singen mit. Ein Schlager, der in diesem Jahr überall gut ankam, war Mickie Krauses Mallorca-Hit „Schatzi, schenk’ mir ein Foto“, der von Martina Muhl für Flöten, Lyren und Schlaginstrumente umgeschrieben wurde.

Wenn Schützen und Volk Spaß haben, spornt das auch die Musiker an, „nur überspannen darf man den Bogen nicht“, meint Klaus Muhl. Und bei einem Zeremoniell herrscht absolute Disziplin: dem Zapfenstreich. „Da wird jeder Schlag und jeder Ton gehört.“

Als Tambourcorps müsse man sich ohnehin seiner Linie treu bleiben, meint Muhl. Dennoch: die Musik im Zelt oder in der Festhalle macht auch ihm mehr Spaß, als zum Beispiel bei einem Umzug. „Die Aufstellung ist eine andere, man kann auch mit mehr Stimmen spielen“, erklärt Muhl. Viele Stücke sind auf der Straße dagegen nicht spielbar. Bei Festzügen sind daher Standards zu hören, immer gleich in Rhythmus und Takt. Manche Stücke können auch nicht gespielt werden, weil ganz einfach „die Luft weg bleibt“. Die „Marsch-Musik“ während eines Festzuges ist anstrengend, vor allem, wenn Hitze oder Regen hinzu kommen. In Valbert musste der Festzug aufgrund des Sommerregens in diesem Jahr abgekürzt werden, umso ausgiebiger unterhielt das Tambourcorps dafür in der Festhalle.

Ganz klar: Die Schützenfeste in der Umgebung erleben die Musiker aus einem anderen Blickwinkel als Schützen und Volk. Und auch wenn es zwischendurch anstrengend ist, so fasst Tambourmajor Carsten Hagemann seinen musikalischen Einsatz in prägnante Worte: „Für die Musik macht man alles!“

Das TC „Einigkeit“ Werdohl ist am 2. September auch beim Werdohler Wunschkonzert zu hören.

Die Proben des TC „Einigkeit“ Werdohl finden dienstags im Probenraum im Gewerbepark Eveking statt, die Ausbildung der Jugend findet von 18 bis 19.30 Uhr statt, die Probe des Hauptorchesters findet bis 21 Uhr statt. - Simone Benninghaus

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