Hochaktuelles Programm bei St. Michael

+
Super-Stimmung herrschte im großen Pfarrsaal von St. Michael am Samstagabend bei der Karnevalsfeier.

Werdohl - Wenn Karneval hochaktuell ist und brisante Themen aufgreift, dann unterstreicht er seine Relevanz. Zumindest zwei Mal gelang dies den Akteuren der St.-Michael-Gemeinde Werdohl/Neuenrade am Samstagabend bei seinem mehr als fünfstündigen Programm auf ganz hervorragende Art und Weise.

Humpelnd kommt der Patient in den Behandlungsraum. „Herr Doktor“, klagt er, „auf der Arbeit bei der Mark-E sagen die Kollegen schon, mit meinen Beinzuckungen könnte ich den Generator alleine antreiben.“

Das ist nicht nur angesichts der jüngsten Meldungen vom Kraftwerk ein Volltreffer der Karnevalssause im großen Pfarrsaal. Die Schenkel werden hier auch geklopft, weil der Patient vom Ludovico Greco dargestellt wird, der nicht nur zum Gemeinderat gehört, sondern eben auch in Elverlingsen arbeitet. Der stellvertretende Vorsitzende des Gemeinderates Peter Dreseler gibt den Mediziner.

Und sein Rat hilft: „Herr Doktor“, jubelt Patient Greco mit einem Blick auf sein Bein, „ich mache ja, was ich immer mache: Ich mache nichts.“ Der Arzt antwortet bitter: „So wie ihr Kraftwerk bald auch nichts mehr macht.“

Schon zuvor am Abend war es politisch geworden. Das Duo Sonja und Ulrike griff die Schatzkästchen-Suche der Bürgermeisterin Silvia Voßloh auf. Die Lösung für alle Werdohler Haushaltsprobleme sei ein öffentliches Toilettenhäuschen in „Werdohl Stadtmitte-Süd“.

Karneval bei St. Michael Werdohl / Neuenrade

Am Laptop sitzt dort eine Klofrau, die diejenigen mit zahlreichen Fragen empfängt, die sich erleichtern wollen. Mit den Antworten berechnet sie haarklein ihre Dienstleistungen und die daraus resultierenden Gebühren.

Dauert das Interview allerdings zu lang, steht der Pinkel-Willige mit nassen Hosen da. Kein Problem: Die Toilettenfrau bietet Ersatz an. Jeans in grau, blau oder schwarz sowie Unterhosen mit und ohne Eingriff. Und die Frau am Laptop jubelt: „Da wird sich Frau Bürgermeisterin aber freuen, wie geschäftstüchtig ich doch bin.“

Stunden zuvor leitete das Musik-Duo Gaby und Jörg Krause den Abend ein. Mit „An der Reeperbahn nachts um halb Eins“, „Que sera“ und „Viva Colonia“ in Folge heizten sie die Stimmung an. Da stand der Pfarrsaal bereits Kopf – oder schunkelte zumindest in den Abend hinein.

Auch als später Pater Irenäus in einem Sketch ein rohes Ei auf sein Haupt gedrückt bekam, war die Laune der Zuschauer im vollen Saal nicht mehr zu steigern. Das gelang lediglich einem jungen Pfadfinder, der im knappen Dress das Playback zu „Atemlos“ von Helene Fischer gab. Damit konnten die Pfadis sogar die erste Polonäse des Abends initiieren.

Büttenreden gab es auch: Christel Stirnberg kam zotig daher, während „Gruftie Mongo“ den Landwirt gab und sauerländer Eigenheiten aufgriff. „Unser Mia sacht: Früher passte der Hintern inne Buchse – jetzt ist die Buchse im Hintern“, kalauerte er.

Und wie es sich für einen Sauerländer gehört, hielt er nichts von modernem Schnickschnack: „Für mich sind die Vegetarier ja die schlechtesten Menschen: So ein Schwein lassen sie weg laufen, aber dem wehrlosen Salat gehen sie an den Kragen“, führte er mit entsprechender Handbewegung aus.

Von Michael Koll

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare