Die Hitze in Werdohl und die Auswirkungen

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Amelie und Mia freuen sich über das Wetter: Im Ütterlingser Freibad haben die Mädchen sichtlich Spaß

Werdohl - Sonnenanbeter und Schüler sind begeistert. Viele Senioren und Werdohler die sich im Beruf körperlich anstrengen müssen, hoffen auf das Ende der ersten Hitzewelle in diesem Jahr, die schon jetzt Auswirkungen hat.

Alle Werdohler Grundschüler haben am Mittwoch nach der vierten Stunde hitzefrei. Auch am Dienstag waren sich die Werdohler Schulleiter einig, dass der Unterricht nach Plan wenig sinnvoll sei. 

„Bei steigenden Temperaturen fällt es den meisten Kindern schwer, sich noch richtig zu konzentrieren“, erklärt Maria Apprecht, die Leiterin der Katholischen Grundschule St. Michael. Wenn es wahrscheinlich sei, dass die Temperatur in den Klassenräumen am Vormittag die 27-Grad-Marke erreicht oder diese überschreitet, dürften die St.-Michael-Schüler früher nach Hause gehen. Entsprechende Informationen finden die Eltern übrigens tagesaktuell auf der Schulhomepage (www.kathschule-werdohl.de). Apprecht begrüßt es, dass in dieser Stadt bei sommerlicher Hitze jeweils für alle Grundschulen eine einheitliche Regelung angestrebt wird: „Wir sprechen uns ab.“ 

Auch Realschüler haben früher Schluss

Die Eltern der Städtischen Gemeinschaftsgrundschule mit den Standorten Kleinhammer und Königsburg werden noch darüber informiert, wie es im Laufe dieser Woche weitergeht. „Denn laut Vorhersage soll es ab Donnerstag ja nicht mehr ganz so heiß werden,“ meint Karin Conrad, Sekretärin an der Gemeinschaftsgrundschule. 

Auch die Realschüler freuen sich über verkürzte Unterrichtszeiten und dürfen heute erneut um 11.35 Uhr nach Hause gehen. Ob ähnliches auch für die Gesamtschüler gilt, konnte Schulsekretärin Annette Rück am Dienstag noch nicht sagen: „An Schulen mit Ganztagsunterricht ist das nicht so einfach. Schließlich verlassen sich viele Eltern darauf, dass ihre Kinder bis zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Schule sind.“ Die Oberstufenschüler haben ohnehin Pech gehabt: Für sie gib es in Nordrhein-Westfalen grundsätzlich kein Hitzefrei. 

Kein Dresscode an heimischen Schulen

Einen Dresscode speziell für heiße Sommertage gibt es übrigens an beiden weiterführenden Schulen nicht. Aber: In beiden Schulen wird erwartet, dass sich die Schüler „angemessen“ kleiden. Das Bikini-Top ist beim Mathe-Unterricht also tabu. Allerdings habe man diesbezüglich bisher auch noch keine Schwierigkeiten gehabt, hieß es sowohl in der Gesamt- als auch in der Realschule. 

2000 Liter Wasser verbraucht Roger Schriever vom Bauhof, wenn er die Blumen in der Innenstadt wässert.

Apropos Bikini: den packten viele Schülerinnen am Dienstag direkt nach der Schule ein, um sich im Ütterlingser Freibad abzukühlen. Dennoch war am frühen Nachmittag auf den Liegewiesen noch reichlich Platz – obwohl bedingt durch den Neubau des Hallenbades jetzt ein Stück der Fläche fehlt. Um das auszugleichen, ist stellenweise Rollenrasen verlegt worden. Allerdings tummelten sich die meisten Badegäste in der Nähe des Beckens, um sich zwischendurch möglichst schnell immer mal wieder abkühlen zu können. 

2000 Liter Wasser für die Stadtblumen

Das kühle Nass stand am Dienstag auch für Bauhof-Mitarbeiter Roger Schriever im Mittelpunkt: Circa 2000 Liter – zwei Tankfüllungen – benötigte er, um die Blumen im Innenstadtbereich zu versorgen. An der Neustadtstraße stand für ihn allerdings zunächst das schweißtreibende Unkrautjäten auf dem Programm, bevor es ans Wässern ging. „Die Glockenblumen hier sind neu angepflanzt, deshalb muss ich sie im Auge haben. Grundsätzlich kommen sie gut mit Trockenheit klar,“ erläuterte Schriever, dass schon bei der Wahl der Bepflanzung auf pflegeleichten Bewuchs geachtet werde. Auch gebe es mittlerweile längst nicht mehr so viele bepflanzte städtische Flächen wie noch vor einigen Jahren, stellt Bauhofchef Uwe Bettelhäuser fest. „Und auch um neu angepflanzte Bäume müssen wir uns in diesem Jahr nicht kümmern. Das spart Zeit und Wasser.“ 

Gießerei: Zu heiß zum Arbeiten 

Sparsam dürfen die Mitarbeiter von Thomas Meier mit Wasser nicht umgehen. „Wer hier in der Gießerei arbeitet, trinkt sechs bis acht Eineinhalb-Liter-Flaschen“, berichtet der Inhaber und Geschäftsführer der Alu-Kokillenguß GmbH an der Vorthstraße. Kein Wunder: In der Nähe der Aluminium-Schmelze brennt förmlich die Luft. Gegen 13 Uhr ist schon so heiß, dass der Schweiß bei jedem Wimpernschlag ausbricht. Viktor Surjaski beeindruckt das wenig: 20 Liter flüssiges Aluminium – der Werkstoff hat laut Meier eine Schmelztemperatur von 740 bis 790 Grad – schwappen in dem Gießlöffel, den er vorsichtig zur Form trägt und dort hineingießt. Selbst bei 20 Grad Außentemperatur ist das ein echter Knochenjob, angesichts der sommerlichen Hitze eine Tortur. „Deshalb ist auch gleich Feierabend“, erklärt Meier. Er berichtet: „Um 15 Uhr nachmittags misst man an diesem Arbeitsplatz 62 Grad.“ Das wolle er seinen Mitarbeitern nicht zumuten: „Solange es so heiß ist, arbeitet hier nur die Früh- und die Nachtschicht.“ 

Hier brennt förmlich die Luft: Viktor Surjaski arbeitet in der Alu-Kokillenguß GmbH. Nachmittags steigen die Temperaturen an diesem Arbeitsplatz bis auf 62 Grad.

Dass es abends kühler wird, kommt übrigens auch den Betreibern der beiden Eisdielen in Werdohl zugute. „Tagsüber ist es einfach zu heiß, da kommen weniger Leute als sonst“, sagt Antonio Fratepietro vom Eiscafé Valentino. Gegen Abend seien aber viele Sitzplätze am Brüninghaus-Platz besetzt. „Familien und andere Gruppen kommen und genießen hier den Feierabend“, hat Fratepietro festgestellt. An besonders heißen Tage verkaufe er um die 1000 Kugeln Eis, normalerweise seien es eher 600 bis 700 Kugeln. „Und bei Hitze werden deutlich mehr gekühlte Getränke verkauft“, erklärt der Eisfachmann. 

Nachfrage nach Mineralwasser steigt

Stichwort Getränke: Was die Versorgung mit Mineralwasser und Co. angeht, müssen sich die Werdohler zumindest vorerst keine Sorgen machen. Zwar werde schon jetzt mehr Wasser verkauft als üblich, aber solange die Hitzewelle sich nicht wieder mehrere Wochen anhalte, werde es keine Probleme geben, unterstrich eine Mitarbeiterin des WK-Getränkemarktes.

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