Geschichte der Industrialisierung: "Da schlummert noch viel"

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Rainer Gumz, Udo Böhme, Heiner Burkhardt, Barbara Funke, Manfred Wolf und Heinz Rohe (von links) haben die Ausstellung ehrenamtlich vorbereitet. Professionelle Unterstützung haben sie von Fachhistoriker Dr. Oliver Schulz (nicht im Bild) erhalten.

Werdohl - „Vom Osemund zur Digitalisierung“ heißt die Ausstellung, in der der Heimat- und Geschichtsverein (HGV) vom 11. März bis 1. April die Geschichte der Industrialisierung in Werdohl beleuchten will.

Wissenschaftliche Unterstützung dafür hat sich der HGV in Person des Historikers Dr. Oliver Schulz geholt. 

Die Recherchen zur Ausstellung haben aus Sicht von Schulz einige Überraschungen zutage gefördert. „Auf Dokumentenebene gab es schon das eine oder andere, was in negativer Hinsicht überrascht hat“, sagte er. Beispielsweise habe sich herausgestellt, dass die Werdohler Industrie stark in die Kriegsrüstung des NS-Regimes eingebunden gewesen sei. „Da ist bisher offenbar viel verschwiegen worden“, mutmaßt Schulz. Eine neue Erkenntnis sei für ihn auch gewesen, dass im Kraftwerk Elverlingsen während des Zweiten Weltkriegs massiv Zwangsarbeiter eingesetzt worden seien. 

Geschicke des Handelns lagen nicht mehr in Werdohl

Interessant sei auch gewesen zu sehen, dass die Werdohler Unternehmen schon früh im 20. Jahrhundert in verschiedenen Konzernen aufgegangen seien. „Dadurch lagen die Geschicke des Handelns nicht mehr in Werdohl, sondern im Ruhrgebiet“, erklärte Schulz und rief die Folgen solcher Entwicklungen in Erinnerung: „Deshalb sind die Werdohler Betriebe in den 1980er-Jahren mit den Konzernen in die Krise gerutscht.“ 

Schulz bedauerte, dass seitens der Werdohler Bürgerschaft relativ wenige Exponate zur Verfügung gestellt worden seien. „Wir hätten gedacht, dass da mehr kommen würde“, sagte er. Viele Informationen habe der Arbeitskreis, der die Ausstellung vorbereitet hat, dagegen vom Kreisarchiv und vom Westfälischen Wirtschaftsarchiv in Dortmund, aber auch aus den Werksarchiven der Firmen Krupp und Thyssen Krupp erhalten. 

Aus diesen Quellen sei für die Zukunft sogar noch mehr zu erwarten. „Da schlummert noch viel“, glaubt Schulz, der gleichzeitig feststellte, dass es zur Werdohler Industriegeschichte bislang sehr wenig Literatur gebe: „Es mangelt an vertiefender Untersuchung. Ich erhoffe mir, dass endlich zur Geschichte der Werdohler Industrie mehr geforscht wird.“ 

Die Ausstellung wird am Sonntag, 11. März, um 11.30 Uhr im Kleinen Kulturforum im Bahnhof eröffnet.

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