Viadukt: Gemeinsam gegen die Deutsche Bahn

+
Ortstermin am Viadukt: Auf Einladung des Eisenbahnerstammtisches Werdohl trafen sich am Donnerstagabend Politiker und interessierte Bürger in Ütterlingsen.

Werdohl – Das Viadukt in Ütterlingsen, eines der Werdohler Wahrzeichen, leidet unter Wildbewuchs. Sogar Birken wachsen nach einem längeren Zeitraum der vernachlässigten Pflege auf dem Bauwerk, das so nach und nach mehr verkommt. Für die Unterhaltung des denkmalgeschützten Viaduktes ist die Deutsche Bahn zuständig. 

Dass viele Werdohler mit der Hinhaltetaktik des Großkonzerns in dieser Sache alles andere als einverstanden sind, wurde einmal mehr am Donnerstagabend deutlich, als Politik und Bürgerschaft auf breiter Front ihr Misstrauen zum Ausdruck brachten.

Der Werdohler Eisenbahnerstammtisch hatte zu einem Ortstermin eingeladen – und viele kamen: Bürgermeisterin Silvia Voßloh (CDU), die in der Verwaltung für den Denkmalschutz zuständige Reinhild Wüllner-Leisen, Vertreter des Heimat- und Geschichtsvereins (HGV) um den Vorsitzenden Heiner Burkhardt, sowie Lokalpolitiker der Parteien CDU, SPD und WBG, dazu interessierte Bürger.

Denn die Bahn hat bislang lediglich zugesagt, die Vegetation im kommenden Frühjahr zurückschneiden und die Fugen des Bauwerks neu verfüllen zu wollen. Die lange geplante und immer wieder verschobene Sanierung soll frühestens 2025 erfolgen.

Stadtoberhaupt Voßloh sagte: „Ich finde es traurig, dass wir bei der Bahn nur mit Druck etwas erreichen können.“ Und sie schob hinterher: „Es darf nicht passieren, dass das Unternehmen irgendwann schulterzuckend sagt, dass das Viadukt nun nicht mehr zu retten sei.“

„Wir wollen hoffen, dass wir der Bahn nun etwas Feuer unter dem Kessel machen“, sagte einer der Anwesenden und fand stille Zustimmung bei etlichen anderen, die um ihn herum standen und nickten.

Reinhild Wüllner-Leisen nahm Bezug auf ein Gutachten des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) aus dem Jahr 2017. Damals war in diesem Schriftstück festgestellt worden, dass das Viadukt dringend von seinem Bewuchs befreit werden müsse, andernfalls drohten irreparabele Schädigungen der Bausubstanz.

Erst am Mittwoch, fuhr Wüllner-Leisen fort, habe sie ein neues Schreiben von der Bahn erhalten. In diesem bestätigte das Unternehmen noch einmal, das Bauwerk Anfang 2021 vom Bewuchs befreien zu wollen. Der komplette Rückschnitt müsse aber gründlich vorbereitet werden, was noch mehr Zeit in Anspruch nehme, zitierte sie aus dem Schreiben. 

Die Denkmalschutz-Expertin kündigte nun an, dass die Stadt der Bahn einen offiziellen Anhörungsbescheid schicken werde. Darin solle sich das Unternehmen erklären. Führe die Bahn jedoch auch dann keine handfesteren Gründe für weitere Verzögerungen des Rückschnitts ins Feld, könne die Stadt diesen bei einer Firma beauftragen und der Bahn in Rechnung stellen. Dieses Vorgehen der Stadt finde in Kooperation mit der Unteren Denkmalbehörde statt.

HGV-Vorsitzender Burkhardt regte an, den Druck auf die Bahn durch weitere Medienpräsenz noch zu erhöhen. Ex-Bürgermeister Manfred Wolf fügte hinzu, dass aufgrund der enormen Wichtigkeit des Viaduktes und seiner wirtschaftlichen Bedeutung auch die Südwestfälische Industrie- und Handelskammer (SIHK) ins Boot geholt werden solle. Bürgermeisterin Voßloh griff diesen Vorschlag auf und versprach: „Wir als Stadt machen das.“ Ein Mitglied des Eisenbahnerstammtisches rief aus: „Die von der Bahn müssen wissen: Wir nehmen das nicht mehr einfach so hin.“

Einige Unterschriftensammlungen für den Erhalt des Viaduktes laufen, so vom SPD-Bürgermeisterkandidaten Andreas Späinghaus, der online bereits 500 Unterstützer gefunden hat, sowie von der Woge-Quartiersmanagerin für Ütterlingsen, Silke Kreikebaum, und dem Bürgerstammtisch. Dessen Vertreter Manfred Hoh überreichte dem HGV-Vorsitzenden Burkhardt am Donnerstag Unterschriftenlisten, die knapp 500 Werdohler unterzeichnet haben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare