1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Werdohl

Hilfseinsatz in Afrika: Brunnen und Operationen finanziert

Erstellt:

Von: Volker Heyn

Kommentare

Fahrettin Altpekin aus Werdohl (rechts) und sein Balver Kollege Özkan Güler haben einen Hilfseinsatz der türkisch-islamischen Diyanet-Stiftung bei Katarakt-Operationen im afrikanischen Wüstenstaat Niger begleitet.
Fahrettin Altpekin aus Werdohl (rechts) und sein Balver Kollege Özkan Güler haben einen Hilfseinsatz der türkisch-islamischen Diyanet-Stiftung bei Katarakt-Operationen im afrikanischen Wüstenstaat Niger begleitet. © DITIB/TDV

Rechtzeitig zu Beginn des Fastenmonats Ramadan sind Fahrettin Alptekin und Özkan Güler zurück im Sauerland. Der Werdohler Ditib-Funktionär Alptekin und sein Balver Kollege Güler waren freiwillig im Rahmen eines Hilfseinsatzes der türkisch-islamischen Diyanet Stiftung (TDV) im afrikanischen Niger unterwegs.

Alptekin und Güler haben den Bau von Trinkwasserbrunnen beobachtet und erstmals Linsenersatz-Operationen organisieren können.

Die Diyanet Foundation ist eine Wohltätigkeitsorganisation, die mit der Religionsbehörde des türkischen Staats verbunden ist. Die TDV ist Partner der deutschen Ditib, die als Verein organisiert ist. Alptekin ist Ditib-Landesverbandsvorsitzender der Region Essen, Güler gehört als Buchhalter ebenfalls zum Regionalvorstand.

Organisatorische Aufgaben in Afrika

Die beiden Männer haben schon an vielen solcher Hilfseinsätze in muslimisch geprägten afrikanischen Staaten mitgewirkt. Die Einsätze sind freiwillig, die beiden opfern dafür Urlaubstage. Für Flug und Unterbringung übernimmt die Ditib die Kosten, Alptekin und Güler haben vor allem organisatorische Aufgaben in Afrika.

Fahrettin Alptekin erkundigt sich bei einem Mann nach dem Erfolg der Augenoperation.
Fahrettin Alptekin erkundigt sich bei einem Mann nach dem Erfolg der Augenoperation. © DITIB/TDV

Die Hilfsaktionen sind durch die Religionsbehörde und türkische Medien professionell dokumentiert. Demnach spenden Türken vornehmlich in Deutschland viel Geld für Trinkwasserprojekte in Afrika. Die erst vor etwa fünf Jahren gegründete Diyanet-Stiftung ist in erster Linie für den Bau von Moscheen bekannt, hat aber im Laufe der Zeit ihre Aktivitäten auf humanitäre Hilfe in der Türkei und der ganzen Welt ausgeweitet. In Afrika konzentriert sich die Hilfe auf das Bohren von Wasserbrunnen. Mit zwei Projekten – eines für Wasserbrunnen und das andere für den Bau öffentlicher Brunnen – verschaffte die TDV nach eigenen Angaben bereits sieben Millionen Menschen in 25 Ländern Zugang zu sauberem Wasser durch 890 Brunnen. Bis Ende des Jahres 2022 soll diese Zahl auf 1200 erhöht werden.

Aufregung und Freude miterlebt

Ende März nahm eine TDV-Delegation unter anderem mit Alptektin und Güler einen Wasserbrunnen in der Region Maradi im Niger in Betrieb. „Wir haben die Aufregung der Einheimischen und die Freude der Kinder miterlebt“, sagte Abdurrahman Çetin, stellvertretender Direktor von TDV, gegenüber der Anadolu Agency.

„In Maradi wird der Wasserbrunnen rund 3000 Menschen versorgen“, wird Çetin von der Nachrichtenagentur zitiert. Der Brunnen hat eine Tiefe von 60 Metern und wird mit Sonnenkollektoren betrieben. Çetin: „Alle Brunnen werden so tief wie möglich gebohrt und kosten viel, aber sie sind alle nachhaltig. Ihnen geht bis zu 20 Jahre lang kein Wasser aus.“

Verteilung von Lebensmittelpaketen

Neben dem Wasserbau-Projekt waren Alptekin und Güler auch noch im Rahmen der Verteilung von Ramadan-Lebensmittelpaketen in der Stadt Magaria in der Provinz Zinder, 950 Kilometer von der Hauptstadt Niamey entfernt, unterwegs. Niger ist das drittärmste Land Afrikas. In der Region Zinder wurden Lebensmittel an 2500 arme Familien verteilt.

Özkan Güler mit einer Mutter und ihrem Baby bei der Übergabe von Ramadan-Spenden.
Özkan Güler mit einer Mutter und ihrem Baby bei der Übergabe von Ramadan-Spenden. © DITIB/TDV

Zuvor wurden aus Spendenmitteln erstmals so genannte Kataraktoperationen durchgeführt. Bei einer Linsenersatzoperation wird die natürliche Linse des Auges herausgenommen, die eine Trübung entwickelt hat, die als Katarakt bezeichnet wird. Die Krankheit ist auch als Grauer Star bekannt. Nach dem Einsatz einer künstlichen Linse haben die 500 afrikanischen Patienten und Patientinnen ihr Augenlicht wiedererlangt.

Weitere Helfer aus der Region vor Ort

Neben Alptekin und Güler waren auch Ditib-Vorsitzende aus Hemer, Lüdenscheid, Bockum-Hövel, Witten und Wickede nach Zinder gereist.

Gespräch mit Fahrettin Alptekin, DITIB-Landesvorsitzender Region Essen

Ich bin froh, dass ich ein Teil dieser Organisation sein darf, dass ich weltweit den Menschen helfen kann, die in Notlagen sind. Was wir in Zinder erreichen konnten, macht mich stolz.

Wir versuchen weltweit, auch in Deutschland, Menschen in Notlagen zu helfen. Egal ob sie aus Syrien, Irak oder der Ukraine kommen. Diesen Menschen, die ihre Heimat verlieren, helfen wir ebenfalls gerne. Mit der Ditib haben wir sogar Flutopfern geholfen.

Aber die Hilfe in Niger ist etwas ganz besonderes. Niger ist das drittärmste Land der Welt. Die Menschen freuen sich schon, wenn man ihnen nur die Hand reicht oder den Kindern ein Bonbon gibt. Die haben nicht so hohe Erwartungen wie wir. Wir haben hier großen Luxus, wir sind fast schon undankbar. Wenn man hier ein paar Tage vielleicht kein Mehl und kein Speiseöl kriegt, schimpfen die Menschen schon.

Für mich kann ich sagen, wenn ich die Menschen in Niger erlebt habe, dass ich für jeden Tag, den ich gesund bin und genug zu essen habe, dem lieben Gott danke.

Wir von Ditib Deutschland arbeiten schon lange mit der Diyanet Foundation zusammen, weil die gute Kontakte in Afrika haben und uns vor Ort sehr gut unterstützen können.

Wir sind als Türken, die damals als arme Gastarbeiter nach Deutschland kamen, sehr dankbar, dass wir jetzt selbst spenden können.

Unsere Spenden gehen über Ditib zur Diyanet Foundation, aber wir bestimmen selber, wohin unsere Spenden gehen sollen.

Deshalb fliegen wir mit zum Beispiel nach Niger und beobachten dort, was mit unserem Geld gemacht wird. So konnten wir aus unserer Landesgruppe Essen schon über 50 Brunnen bauen dort, das macht uns stolz.

Auch wenn wir mit der türkischen Stiftung zusammenarbeiten, sind wir ja letztlich ein deutscher Verein. Das macht uns fröhlich und stark.

Auch interessant

Kommentare