Hilfe für Angehörige von Demenzkranken

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Gut 30 Interessierte hörten die Vorträge an und informierten sich über Unterstützung für pflegende Angehörige.

Werdohl - „Man ist abhängig und das hat man nicht gerne“, sagte eine ältere Frau. Zu sehen war sie in einem Film, den Manuela Hansen im Rahmen des Tages für pflegende Angehörige von Demenzkranken in der Stadtbücherei zeigte.

Von Michael Koll

Gut 30 Interessierte informierten sich an diesem Tag. Stände, Vorträge, Fachrunden und lockere Gespräche bei einem Imbiss gehörten zum umfangreichen Angebot. Hansen war eine der Referentinnen. Die examinierte Altenpflegerin aus Wuppertal weiß: „Demenziell Erkrankte können sich nicht mehr so gut ausdrücken. Werden sie nicht richtig verstanden, werden sie scheinbar aggressiv oder unendlich traurig.“

Die Fachfrau stellte das Prinzip der Validation nach Naomi Feil vor. Die amerikanische Gerontologin setzt dabei auf Wertschätzung und Verständnis für den Erkrankten: „Wenn Sie einen an Demenz erkrankten Menschen fragen: ‘Welchen Tag haben wir heute?’ und er kann das nicht beantworten“, stellte Hansen klar, „heißt das, dass es für ihn nicht mehr wichtig ist.“ Doch in den Ratgebern von Feil und vielen anderen stehen auch Dinge, die im Bedarfsfall kaum weiterhelfen. Hansen versicherte ihren Zuhörern: „Grundsätzlich verhalten sich die Menschen nicht so, wie es im Buch steht.“

Bei Frauen und Männern, die an Demenzerscheinungen leiden, geht alles langsamer und schwieriger. Ein Umzug etwa in ein Seniorenheim ist eine Umstellung, die langwierig, ja sogar qualvoll sein kann. Umso wichtiger seien gewohnte Kleidungs- und Möbelstücke.

Gudrun Siebert von der Stadt Werdohl kündigte im Rahmen des Pflegetages an, dass in Werdohl durch eine 30-Stunden-Schulung die Zahl der Ehrenamtlichen, die demenziell Erkrankte betreuen, erhöht werden soll. „Teilnehmer dürfen gerne Vorkenntnisse haben – entweder, weil sie einen Pflegeberuf ausüben, oder weil sie pflegender Angehöriger sind oder waren. Wer keine Erfahrungen in diesem Bereich hat, ruft mich an und kann im Nachbarschaftshilfezentrum Ütterlingsen einmal schauen, ob das etwas für ihn ist“, sagte Siebert. Sie ist zu erreichen unter der Rufnummer 0 23 92 / 91 72 67. Der Kursus findet an drei Wochenenden – jeweils freitags von 14 bis 19.30 und samstags von 9.30 bis 15 Uhr – statt, und zwar am 7. und 8., am 14. und 15. sowie am 21. und 22. November. Der Arbeitskreis Demenz Werdohl hatte ein reichhaltiges, abwechslungsreiches Programm geboten.

Zudem informierten an ihren jeweiligen Ständen das Betreuungscafé Memory, die Pflegeberatung des Märkischen Kreises, das heimische Unterstützungsangebot für pflegende Angehörige sowie die Stadtbücherei mit themenbezogener Literatur.

Wie pflegende Angehörige Unterstützung erhalten können, erfuhren sie in einer Fachrunde mit Theodora Brzozowski und Katja Schnittger-Bruder, die Krankenschwestern und Pflegetrainerinnen sind. Wie pflegende Angehörige finanzielle Hilfen bekommen – und wo – beantwortete Uli Berger von der Pflegeberatung des Märkischen Kreises.

Auch in Balve ist ein umfangreiches Angebot für pflegende Angehörige geplant. 20 Ehrenamtliche wurden bereits für die Betreuung demenziell Erkrankter in einem 30-Stunden-Kursus ausgebildet. In Kürze wollen sie einen Verein gründen. Doch schon jetzt können sich interessierte Angehörige in Werdohl bei Siebert melden.

Das künftige Balver Angebot im Gesundheitscampus soll ein Demenzcafé, zu dem auch nicht erkrankte ältere Mitbürger kommen sollen und dürfen, sowie einen Gesprächskreis für pflegende Angehörige umfassen. Start soll noch im Herbst sein.

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