Herzlicher Typ

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Tom David hat Gastgeschenke.

Werdohl - „Ich hatte echt Köttel in der Hose“, erinnert sich Martin Max an den Moment, als er 1997 im Uefa-Cup-Endspiel in Mailand zum Elfmeter-Punkt schritt. „Ich hatte ja noch nie einen geschossen.“ Doch er verwandelte den Ball, „und danach fühlte ich mich federleicht“.

Dass er und der FC Schalke 04 an dem Abend den Uefa-Pokal gewannen, „habe ich erst später, als ich die Bilder im Fernseher gesehen habe, realisiert“. Das Video habe er „schon 100 Mal gesehen, aber ich bekomme noch jedes Mal eine Gänsehaut“, sagte der herzliche Typ am Freitag im Ütterlingser Krug zu den 25 anwesenden Königsblau-Werdohl-Mitgliedern. Zunächst schaute er sich die Presseartikel von seinem Besuch vor 19 Jahren an. Dann strahlte das Ehrenmitglied des Fanclubs und sagte: „Geile Sache, dass wir uns nach so vielen Jahren heute wieder sehen.“

Noch heute fühle er sich als Schalker, auch wenn er für andere Mannschaften gespielt habe. „Gut, wir sind ein Millionen-Verein. Aber wir vergessen unsere Wurzeln nicht, bleiben ein Kumpel- und Malocherclub.“ Er selbst habe vor der Fußball-Karriere einst „auf der Zeche gelernt“.

Am Mittwoch habe er vor dem Fernseher gesessen und die Champions-League-Niederlage gegen Lissabon verfolgt: „Ich war nicht sauer, sondern einfach enttäuscht.“ Aber nach der Winterpause, so glaubt er, „sehen wir eine andere Mannschaft“. Der Trainerwechsel tue dem Team gut. Jens Keller sei für die Spieler „zu bequem“ gewesen: „Ich weiß nicht, ob die Spieler vor ihm Respekt hatten.“ Jetzt erkenne er unter Roberto di Matteo bereits Struktur im Spiel.

Für Manager Horst Heldt sei das wichtig, „denn so viele Schüsse hat der auch nicht mehr frei“. Und selbst das Team sei nicht unbedingt richtig zusammengestellt: „Ich hole keinen Sidney Sam auf Schalke, der kein Typ ist, der die Ärmel hochkrempelt, wenn ein André Hahn auf dem Markt ist“, kritisierte er.

Für ihn sei „Huub Stevens der beste Trainer, den ich je habe“. Wenn der sauer auf einen gewesen sei, „sind ihm die Augen ja fast rausgesprungen“. Der 1968 geborene Ex-Profi ist längst raus aus dem Trainingsalltag, kokettiert aber in Bezug auf den aktuellen Schalker Christian Fuchs mit seiner Kondition: „So schnell wie der bin ich auch noch.“ Die Trainingsmethoden hätten sich seit Mitte der 90er-Jahre stark verändert. Doch für Max stehe fest: „In der ersten Linie musst Du immer noch fit sein.“

Weiter meint Max: „Um Kampfwille zu zeigen und wirklich ein Team zu sein, brauchst Du jemanden, der Dir das vorlebt.“ Für ihn sei das damals Schalke-Manager Rudi Assauer gewesen. Bei dessen jüngstem Geburtstag, so der prominente Gast bei Königsblau Werdohl, habe sein ehemaliger Team-Kollege Marc Wilmots zu ihm gesagt: „Wenn ich mal Trainer auf Schalke werde, mache ich es wie der Rudi.“ Eines hängt dem früheren Stürmer Max aber immer noch nach: „Ich bin bei 1860 München damals zwei Mal Torschützenkönig geworden, fahre aber trotzdem nicht zur WM. Da fährt dann ein Carsten Jancker von Bayern hin, der hat gar kein Tor geschossen.“

Königsblau-Werdohl-Vorsitzender Tom David überreichte dem Schalker Ex-Profi als Gastgeschenke sauerländer Bockwürstchen, einen Fanclub-Schal sowie eine Flasche „Lennetropfen“.

Von Michael Koll

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