Werdohler Traditionsgeschäft schließt für immer

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Carlo und Ursula zur Verth werden das Herrenmoden-Geschäft Keinecke im nächsten Jahr aufgeben und sich zur Ruhe setzen, dafür zieht Kathrin Deller (rechts) mit dem Beauty-Center Groll ein.

Werdohl -  In einem der traditionsreichsten Geschäfte Werdohls werden im nächsten Jahr für immer die Lichter ausgehen. Das Herrenmoden-Geschäft Keinecke, eines der ältesten Fachgeschäfte seiner Art in Südwestfalen, wird im Frühjahr schließen. Die Inhaber wollen sich zur Ruhe setzen.

Gegründet hatte das Geschäft Anton Keinecke im Jahr 1898 als Maßschneiderei. „Man kann sich das ruhig so vorstellen, dass er noch auf dem Tisch gesessen und selber genäht hat“, sagt seine Enkelin Ursula zur Verth. Die Schneiderei befand sich nur wenige Schritte vom heutigen Geschäft entfernt in dem Haus, in dem 1959 Tengelmann den ersten Selbstbedienungsladen der Stadt eröffnete.

Doch so lange blieb Anton Keinecke nicht dort. Bereits um die Jahrhundertwende – das genaue Datum ist nicht überliefert – zog er in das Haus an der Stadtbrücke ein, das die Werdohler als Hotel Quittmann kannten und das noch heute das Herrenmoden-Geschäft beherbergt. In den Anfangsjahren teilte er sich das Erdgeschoss jedoch mit einer Drogerie und einem Milchgeschäft.

Florierende Geschäfte

Das Modengeschäft übergab der Gründer später an seinen Sohn Walter, der es bis 1977 weiterführte. Offenbar florierten die Geschäfte, denn inzwischen bewirtschaftete Keinecke das ganze Erdgeschoss und 1956 erhielt das Gebäude ein weiteres Stockwerk, so dass nun auch Damen-, Popeline- und Lodenmäntel angeboten werden konnten.

Als Walter Keinecke sich allmählich zur Ruhe setzen wollte, drohte schon einmal das Aus für den Familienbetrieb. Aber mit der jüngsten von drei Töchtern, Ursula, fand sich dann doch noch eine Nachfolgerin. „Für meinen Vater war das toll, dass ich eingestiegen bin“, ist sie sicher. Vier Jahre zuvor hatte sie mit Carlo zur Verth einen Einzelhandelkaufmann aus dem münsterländischen Borken geheiratet, der sich in der Textilbranche auskannte und sich nun auch in das Geschäft einbringen wollte.

Eine Zeitlang befand sich im heutigen Keinecke-Haus neben dem Modegeschäft auch eine Drogerie.

An die vierte Generation wird das Geschäft aber nun nicht mehr übergeben. Der einzige Sohne von Carlo und Ursula zur Verth hat sich beruflich anders orientiert. Die Inhaber, mittlerweile 69 beziehungsweise 67 Jahre alt, werden sich deshalb im nächsten Jahr zur Ruhe setzen.

Immer mit Herzblut

Anfang Januar beginnt der Räumungsverkauf, der bis zum Frühjahr dauern soll. „Wir haben das immer gerne gemacht, mit Herzblut“, versicherte Ursula zur Verth. Kundschaft aus dem ganzen Kreis („Wir hatten viele nette Stammkunden.“) zu bedienen, sei nie eine Last gewesen. Doch nun müsse auch einmal Schluss sein. Die Großeltern wollen Zeit für ihre Enkel haben – und für sich selbst.

Und während Carlo und Ursula zur Verth im Obergeschoss des Hauses ihre Wohnung behalten, wird ins 250 Quadratmeter große Erdgeschoss neues Leben einziehen. Aus der Nachbarschaft wechselt Haargenau Beauty- Center Groll in das Keinecke-Haus, auch die Kosmetikerin zieht dann mit um. Nach einer kurzen Umbauzeit solle dort am 1. Juli neu eröffnet werden, kündigte Inhaberin Kathrin Deller an.

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