Hochwasserprobleme

Heimstraße: Bürgermeister widerspricht Kritik der Anwohner

Das Gebäude Heimstraße 14 in Eveking wurde Ende des 19. Jahrhunderts als Ledigenheim der früheren Carl Berg AG errichtet, heute gehören die Wohnungen privaten Eigentümern. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag vergangene Woche mussten alle etwa 60 Bewohner das Haus über Nacht verlassen, weil das Hochwasser Keller, Eingänge und Rettungszugänge blockiert hatte.
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Das Gebäude Heimstraße 14 in Eveking wurde Ende des 19. Jahrhunderts als Ledigenheim der früheren Carl Berg AG errichtet, heute gehören die Wohnungen privaten Eigentümern. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag vergangene Woche mussten alle etwa 60 Bewohner das Haus über Nacht verlassen, weil das Hochwasser Keller, Eingänge und Rettungszugänge blockiert hatte.

Die Kritik der Eigentümergemeinschaft des großen Wohngebäudes Heimstraße 14, bei der Stadt kümmere sich niemand um die Hochwasserprobleme der Bewohner, weist Bürgermeister Andreas Späinghaus (SPD) verärgert zurück.

Den rassistisch geprägten Verdacht, man werde nicht beachtet, weil im Haus fast ausschließlich Ausländer wohnten, betrachtet Späinghaus „schlichtweg als eine Frechheit“. Bürgermeister und Hausverwalter zählten gegenüber unserer Redaktion auf, was für Wohnungseigentümer und die Mieter der Eigentümer getan worden sei.

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag strömten Massen von Oberflächenwasser vom Nachbargrundstück in die Keller und Erdgeschosswohnungen des Hauses in Eveking, das als so genanntes „Ledigenheim“ der damaligen Carl Berg AG Ende des 19. Jahrhunderts – ähnlich wie das heutige Werdohler Rathaus – errichtet wurde. Nach der Insolvenz eines früheren Eigentümers wurden die Wohnungen später an Privatleute verkauft. Seit mehr als 20 Jahren wird die Hausverwaltung von der Steuerberatungs-Sozietät Friedhelm und Dr. Anne Hermes aus Werdohl betrieben. Eine Angestellte von Hermes kümmert sich um das Wohnobjekt.

Feuerwehr und Hausverwaltung nehmen Kontakt auf

Als abzusehen war, dass das Starkwasser in das Haus, die Keller und den Eingangsbereich einzudringen drohte, nahmen die Feuerwehr und die Hausverwaltung Kontakt zu den Bewohnern auf. Mit einigen Bewohnern seinen mögliche Schutzmaßnahmen besprochen worden, die aber nicht durchgeführt wurden. Für eine Nacht wurde das gesamte Gebäude evakuiert, die rund 60 Personen kamen bei Verwandten und Bekannten unter. Im Haus wurde für die Nacht der Strom abgestellt. Die Erdgeschosswohnungen wurden zerstört und sind unbewohnbar.

Eine Familie aus einer der Kellerwohnungen wurde Obdach durch die städtische Mitarbeiterin Andrea Ziemann angeboten. Diese Familie habe sich später noch ausdrücklich für diese Hilfe bedankt, sagte Bürgermeister Andreas Späinghaus. Auch über die bulgarische Kulturmittlerin Encheva habe die Stadt Kontakte ins Haus gehabt. Einer betroffenen bulgarischen Familie wurde geholfen, einen Kindergeldantrag zu stellen, um damit die finanzielle Not zu lindern. In dem Haus wohnen auch Familien zur Miete, es gibt auswärtige Eigentümer der Wohnungen. Darüber hinaus habe die Hausverwaltung laut Späinghaus finanzielle Soforthilfen aus der Gemeinschaftskasse bereitgestellt. Das hatten die Bewohner auch so bestätigt.

Architekt mit besonderen Ortskenntnissen

Am Mittwoch sei ein Architekt, der der Stadt seine Hilfe aufgrund seiner besonderen Ortskenntnisse angeboten habe, zur Heimstraße gefahren. Dort ging es um den Zustand der zerstörten Wellblechgaragen, die nicht zur Eigentümergemeinschaft gehören. Die Garagen gehören der Witwe des verstorbenen Unternehmers Itany. Auf dem Gelände vor dem Gebäude Heimstraße zur Verse hin stand viele Jahre eine heruntergekommene Baracke. Erst mit öffentlichen Mitteln war es gelungen, die Baracke aus dem Besitz der Itany-Nachfahren abzureißen. Aus dieser Zeit stammt auch ein Erdwall, der letztlich dafür sorgte, dass das Oberflächenwasser in die Keller geleitet wurde.

In einer der gefluteten Erdgeschosswohnungen wird bereits saniert. Mauern und Wände wurden nicht getrocknet, weil es aus nicht näher bekannten Gründen nicht möglich war, von außerhalb der zerstörten Wohnung eine Stromquelle zur Verfügung zu stellen.

Bürgermeister Späinghaus ist empört, dass einige der Eigentümer sich über die Stadt in dieser Zeitung beschwert hatten. Es sei „völliger Quatsch“ und „ein Skandal“ zu behaupten, die Stadt meide die Heimstraße, weil dort Ausländer lebten. Die Behauptung einiger Eigentümer, telefonisch sei bei der Stadt niemand zu erreichen gewesen, sei „falsch“. Späinghaus: „Von dort aus hat uns niemand angerufen.“ Es könne allerdings sein, dass die stark belastete Telefonanlage im Rathaus nicht alle Anrufe durchgelassen habe. Späinghaus sagte, er habe den Eindruck, dass dort eine insgesamt „etwas chaotische Hausgemeinschaft“ wohne. Der Bürgermeister: „Wir lassen niemanden allein mit seinen Hochwasser-Problemen.“

Hausverwalter bestätigt die Angaben

Hausverwalter Hermes bestätigte die Angaben des Stadtoberhauptes. Noch in der Katastrophennacht seien Hilfsmaßnahmen eingeleitet worden. Problematisch sei gewesen, dass am nächsten Tag bereitgestellte Trocknungsgeräte nicht in Betrieb genommen werden konnten, weil sich die Hausgemeinschaft nicht in der Lage sah, eine Stromquelle zur Verfügung zu stellen. Aus seiner Erfahrung seien die Vorwürfe der Eigentümer in Richtung Stadtverwaltung „absolut unzutreffend“ und „nicht in Ordnung“. Es sei manchmal schwierig, die unterschiedlichen Interessen der vielen dort lebenden Menschen unter einen Hut zu bringen.

Man könne festhalten, so sagten Späinghaus und Hermes unabhängig voneinander, dass den Menschen dort von außen vielfältige Hilfen angeboten worden seien.

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