Heimische Landwirte ziehen Bilanz: Extremes Wetter hat Einfluss auf die Erträge

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Günter Buttighoffer, Ludwig Krämer, Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes, Ulrich Brinckmann und das Ehepaar Christian und Iris Crone zogen gestern Ernte-Bilanz.

Werdohl - Von einem „Rekordjahr, das wir so im Märkischen Kreis noch nicht hatten“ berichtete Günter Buttighoffer, der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes MK, mit Blick auf den erwarteten Mais-Ertrag. Allerdings lief es für die heimischen Landwirte 2017 nicht in jedem Bereich so gut.

Das erklärte er gestern im Rahmen der Erntedankpressekonferenz auf dem Hof Crone. 

„Das Wetter war in diesem Jahr äußerst extrem“, stellte Buttighoffer fest. Nach einem sehr trockenen Winter hätten sich die Landwirte im Januar und Februar auf extreme Kälte einstellen müssen. „Darauf folgte der März mit Rekordtemperaturen von teilweise mehr als 30 Grad,“ erinnerte er. 

Die Wetter-Kapriolen nahmen kein Ende: Es folgten strenge Nachtfröste im April und schließlich „ein Sommer, der eigentlich keiner war“, bilanzierte der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes. Allerdings relativierte er seine Kritik nach einem Blick auf das globale Wettergeschehen, beispielsweise die Stürme in den USA: „Wir können unterm Strich hochzufrieden sein, dass wir die Bevölkerung wieder mit hochwertigen und besten Lebensmitteln versorgen können.“ 

Erster Schnitt der Heuernte im gesamten Kreisgebiet sehr gut

Gute Nachrichten hatte Günter Buttighoffer bezüglich der Grassilage im Gepäck: Die Landwirte hätten junges Gras gemäht, das zwar nicht ganz so hoch, dafür aber sehr dicht gewesen sei. Die Erträge seien höher gewesen, als zunächst erwartet. „Erste Futteranalysen belegen, dass es energiemäßig im oberen Bereich liegt“, unterstrich er. Auch der erste Schnitt der Heuernte sei im gesamten Kreisgebiet sehr gut gewesen. 

Buttighoffer: „Beim zweiten Schnitt fehlte dagegen der wichtige vierte Sonnentag zum Trocknen des Grases.“ Die Ernte der Gerste sei ohne Schwierigkeiten verlaufen, berichtete der stellvertretende Kreisverbandsvorsitzende Ulrich Brinckmann. „Dann wurde es so unbeständig, dass es Probleme mit dem reifenden Raps gab“, wies er auf enormen Zeitdruck ab Mitte Juli hin. 

Durchschnittliche Raps-Ernte

Der Schweinemäster aus Iserlohn konnte von einer durchschnittlichen Raps-Ernte von 3 bis 3,5 Tonnen pro Hektar berichten – obwohl gerade diese Blattfrucht Probleme gehabt habe. „Im Frühjahr zur Blütezeit haben die Nachtfröste länger als eine Woche angedauert. Das kann keine Blüte vertragen“, sagte der Iserlohner. Zudem sei es auch am Tag kalt gewesen – folglich blieben auch die für die Befruchtung zuständigen Bienen im warmen Stock. 

Probleme bereite den Landwirten darüber hinaus auch der Maiszünsler. „Von ihm werden wir noch hören,“ prophezeite Brinckmann und erklärte, dass die Bekämpfung dieses Schädlings schwierig und kostspielig sei. Mit Blick auf die preisliche Entwicklung stellte der stellvertretende Kreisvorsitzende fest: „Die Preise werden nicht im Märkischen Kreis oder in Deutschland gemacht.“ 

Weizenernte in der Ukraine gut - Preis daher gefallen

So sei die Weizenernte in der Ukraine sehr gut gewesen – und deshalb sei der Preis seit der Ernte eher gefallen. Auch was das Rapsöl angehe, gebe es globale Einflüsse auf den Preis: „Rapsöl wird an vielen Stellen durch billiges Palmkernöl ersetzt, das die ganze Welt überschwemmt.“ Hausherr Christian Crone – er baut auf drei Hektar Kartoffeln an – hofft, dass das Hochdruckwetter noch eine Weile erhalten bleibt, denn auf Dösseln beginnt jetzt die Ernte der Erdäpfel. 

Bisher sei er mit der Entwicklung der Kartoffeln in jeder Hinsicht zufrieden, erklärte Crone, aber: „Kartoffeln kann man nicht bei Regen roden, die Knollen und der Boden würden Schaden nehmen. Kartoffeln wollen trocken aus der Erde.“

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