Vom weichen Eisen zum schnellen Internet

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Bei Sekt und Häppchen fanden die Besucher interessante Ausstellungsstücke und gut gelaunte Gesprächspartner.

Werdohl - Vom Brüninghaus-Gemälde über die Grubenlampe der Firma Rötelmann bis zum Motorblock von Firma Georg Fischer: Was der Titel vermuten lässt, hält die Ausstellung „Vom Osemund zur Digitalisierung – Industrieentwicklung des 19. und 20. Jahrhunderts in Werdohl und dem Lennetal“. Die Exponate im Kleinen Kulturforum sind vielfältig und nehmen den Betrachter mit auf eine Zeitreise durch 200 Jahre Leben und Arbeiten in dieser Gegend.

Seit fast zwei Jahren arbeitet der Werdohler Heimat- und Geschichtsverein an dieser, seiner inzwischen dritten, großen Ausstellung. Umso erfreuter zeigte sich Heiner Burkhardt, Leiter des Heimatvereins, sie Sonntagmittag endlich feierlich eröffnen zu dürfen. Im Kulturforum im Obergeschoss des Bahnhofs drängten sich dabei Interessierte, darunter so mancher Werdohler, der ein Exponat zur Verfügung gestellt hatte.

„Schon oft ist die Industrialisierung in Werdohl Thema gewesen“, erklärte Heiner Burkhardt. Nun sei es dem Arbeitskreis unter Leitung von Manfred Wolf und mit Hilfe des Historikers Dr. Oliver Schulz aus Paris gelungen, eine Verbindung zur Verkehrserschließung mit der Eisenbahn, zur Zuwanderung, zur Geschichte der Gewerkschaften, der Sozialdemokratie und zur Digitalisierung herzustellen.

Das Ausstellungs-Logo zeigt entsprechend Hammer und Zange, die typischen Werkzeuge zur Bearbeitung des weichen Eisens Osemund und das „@“ als Hinweis auf die Industrialisierung 4.0. Der vom Arbeitskreis anvisierte Brückenschlag über zwei Jahrhunderte ist geglückt. „Zudem wird deutlich, wie wichtig die Industrie nach wie vor für Werdohl ist“, zeigte sich Manfred Wolf überzeugt. 2015 waren noch fast 59 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Werdohl im produzierenden Gewerbe tätig, so Wolf. Weit mehr als etwa im kreis- oder landesweiten Durchschnitt.

Passend dazu heißt es in der Ausstellung: „Werdohl ist noch immer was es im 19. Jahrhundert war: Ort der Industrie.“ Gezeigt werden in den kommenden drei Wochen acht große Plakate sowie zahllose Exponate, darunter alte Fotos, Protestbanner, Schilder, Glas- und Metallobjekte sowie Werkzeuge. Vertiefende Informationen zu den Themen der Plakate gibt es zum Mitnehmen auf Handzetteln.

Ausstellungsinhalt komplett online

Auf zwei Bildschirmen werden 80 Bilder sowie zwei kürzere Filme gezeigt. Ein hochwertiger Begleitband mit Texten und vielen Illustrationen fasst die Ausstellung auf 164 Seiten zusammen. Er wurde in einer Auflage von 200 Stück gedruckt und ist zum Preis von 10 Euro zu erwerben. Damit der vom Arbeitskreis aus Archiven und Privathaushalten zusammengetragene Wissensschatz erhalten bleibt, werden alle Inhalte der Ausstellung auf der Internetseite des Heimatvereins veröffentlicht, kündigte Heiner Burkhardt an.

Darüber freute sich auch Landrat Thomas Gemke und sagte weiterhin: „Der Heimatverein macht Geschichte erlebbar.“ Wissend, dass die Ehrenamtlichen des Vereins zu Beginn der Planung viel Arbeit damit hatten, die Anforderungen des Leader-Programms Lenneschiene zu bearbeiten, überreichte Gemke gestern ein „kleines Schmerzensgeld für die Mühen mit der Demokratie.“

Ebenfalls ihren Dank gegenüber den Ehrenamtlichen, welche die Ausstellung auf die Beine gestellt hatten, betonte Bürgermeisterin Silvia Voßloh. „Es findet viel Tolles in Werdohl statt, vor allem dank der Ehrenamtlichen. Ihnen ist viel abverlangt worden. Herzlichen Dank!“ sagte sie angesichts hunderter Stunden ehrenamtlichen Engagements.

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