Heilpraktikerin setzt Honigbienen ein

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Elke Pichlbauer zeigt auf die Bienenstöcke in ihrem Garten. Dort überwintern aktuell vier Völker. Um gezielt mit dem Gift der Bienen arbeiten zu können, hat Pichlbauer ihren Ehemann Klaus überzeugt, Imker zu werden. 

Werdohl - Bienenbrot, Honig und Bienengift gehören unter anderem zum Handwerkszeug von Apitherapeutin Elke Pichlbauer. Wir haben sie besucht:

Die gelblich-braunen Miniatur-Pellets riechen nicht unangenehm. Folglich kostet es auch keine große Überwindung, das sogenannte Bienenbrot zu probieren. Anders sieht es aus, wenn klar ist, dass die Honigbiene, die jetzt noch friedlich auf der Haut herum krabbelt, gleich dazu gebracht wird, ihren Giftstachel ins menschliche Gewebe zu bohren. „An diesem Punkt der Apitherapie haben viele Menschen erhebliche Vorbehalte“, weiß Elke Pichlbauer.

Die Werdohlerin ist Heilpraktikerin und verfügt unter anderem über eine Zusatzausbildung im Bereich der Apitherapie (Apis mellifera lat. für Honigbiene ) – dem Heilen mit Bienenprodukten. Sie erzählt, wie es dazu kam, und erklärt die Grundlagen dieser Heilmethode, deren Bekanntheitsgrad zunimmt.

Pichlbauer hat sich schon immer für alternative Heilmethoden interessiert, und legte 2012 nach einer dreijährigen Ausbildung an einer Schule in Dortmund die Prüfung zur Heilpraktikerin ab. Es folgten Zusatzausbildungen in den Bereichen Phyto- und Aromatherapie, Chiropraktik und Wirbelsäulentherapie nach Dorn/Breuss. Seit 2014 praktiziert die Werdohlerin in ihrer Praxis an der Selvestraße. „Von Apitherapie hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch nichts gehört“, sagt die Heilpraktikerin. Dann sei sie rein zufällig über einen Beitrag im Fernsehen gestolpert. „Dabei ging es um Bienenstock-Luft und deren Heilwirkung auf die Atemwege“, erinnert sich Pichlbauer – auch an ihre Faszination: „Ich dachte: ,Das ist es!’“

Sie recherchierte, um herauszufinden, wo sie mehr über diese Therapierichtung erfahren kann – und landete schließlich in Heilbronn bei Rosemarie Bort, einer in Fachkreisen sehr bekannten Apitherapeutin. Dort ließ sich die Werdohlerin ausbilden; und schon in diesem Rahmen erlebte sie Erstaunliches: „Ich habe selbst gesehen, welche unglaubliche Wirkung Honig sogar bei der Versorgung von Brandwunden haben kann“, erzählt sie. Heute setzt Elke Pichlbauer das goldgelbe Bienenprodukt auch bei ihren Patienten zur Wundheilung ein. „Aber das sollte immer unter Aufsicht geschehen“, rät sie dringend von einer allzu leichtfertigen Eigenanwendung ab. Und das auch vor dem Hintergrund, dass es Menschen gibt, die allergisch auf Bienenprodukte und Bienengift reagieren: „Allerdings betrifft das nur ein Prozent der Bevölkerung.“

Dennoch sollte auch die Honigmassage durch den Fachmann, beziehungsweise die Fachfrau erfolgen, erklärt die Heilpraktikerin: „Dabei wird eine besondere Massagetechnik angewandt, um das Lymphsystem zu entschlacken.“

Heimischer Honig „ist nicht belastet“

Natürlich empfiehlt sie den regelmäßigen Verzehr von Honig – wenn er von heimischen Imkern gewonnen wurde: „Dann ist er nicht chemisch belastet.“ Und sie hat noch einen Tipp auf Lager: „Je dunkler der Honig ist, desto wertvoller sind die Inhaltsstoffe.“ Ziemlich beliebt ist nach den Erfahrungen der Werdohlerin auch Propolis. Von den Bienen wird es als klebrige Bausubstanz und zur Sterilisierung des Baus gebraucht. Der harzartigen Masse, die auch in flüssiger Form zur Anwendung zur Verfügung steht, wird von Fachleuten eine antibiotische, antivirale und antimykotische Wirkung zugeschrieben.

„Propolis fällt unter das Heilmittelgesetz und muss deshalb über die Apotheke bezogen werden“, erklärt Elke Pichlbauer, und verrät: „Es hilft unter anderem bei Entzündungen im Mundraum und auf der Haut.“ Blütenpollen seien den meisten Patienten ebenfalls ein Begriff. Diese könnten hilfreich sein, um Allergieprobleme in den Griff zu bekommen, weiß Pichlbauer. Dagegen sei Bienenbrot, auch Perga genannt, noch deutlich wertvoller für die Gesundheit, aber nur wenigen bekannt. Bei den Mini-Pellets handelt es sich um Blütenpollen, die von den Stockbienen mit Speichel vermischt und dadurch fermentiert werden. Obwohl das nicht gerade appetitlich klingt, schwärmt Pichlbauer von Bienenbrot – beispielsweise als Nahrungsergänzung zur Stärkung des Immunsystems. „Und einen schlechten Geschmack hat Perga auch nicht“, unterstreicht sie.

Das kann die Autorin dieses Artikel bestätigen. Wonach Bienenbrot schmeckt, lässt sich allerdings nicht beschreiben: Der Geschmack ist einfach zu fremdartig. Ganz besonders wirksam sei aber das eingangs erwähnte Bienengift. Um damit arbeiten zu können, überzeugte Elke Pichlbauer ihren Ehemann Klaus davon, selbst Imker zu werden. Vier Völker überwintern gerade im Garten hinter der Praxis. Wenn die Tiere im Frühjahr wieder aktiv werden und ausschwärmen, holt sich Elke Pichlbauer hin und wieder einige Arbeiterinnen als Helfer in die Praxis: Sie haben dann die Aufgabe, die Patienten zu stechen. „Das ist zunächst schmerzhaft, lässt sich aber aushalten“, sagt die Heilpraktikerin aus eigener Erfahrung. Und sie weiß: Patienten, die beispielsweise unter einer Schleimbeutelentzündung oder einer rheumatischen Erkrankung leiden, nehmen den oder die Stiche gerne in Kauf. „Denn in den meisten Fällen geht es ihnen dann relativ schneller besser“, stellt die Werdohlerin fest.

Für die Bienen bringt der Einsatz in der Apitherapie allerdings den Tod mit sich: Ihr Stachel ist mit Widerhaken versehen, die in der menschlichen Haut stecken bleiben. Bei dem Versuch, sich zu befreien, reißt sich die Biene fast immer den gesamten Hinterleib heraus. An dieser Verletzung würde sie qualvoll eingehen. So weit lässt Elke Pichlbauer es nicht kommen: „Wenn eine Biene zugestochen hat, töte ich sie. Das ist man dem Tier schuldig.“

Bienengift wird unter die Haut gespritzt

Zukünftig möchte die Heilpraktikerin auch eine Therapieform anbieten, bei der Bienengift mit dünnen Nadeln unter die Haut gespritzt wird. Die Vorteile: „Es kostet die Patienten nicht so viel Überwindung und es muss keine Biene sterben.“

Denn um an den Wirkstoff zu gelangen, würden die Tiere minimalem Reizstrom ausgesetzt, und so dazu gebracht, das Gift auszuscheiden. Elke Pichlbauer arbeitet zudem mit Bienengiftsalbe und empfiehlt in einigen Fällen Wachs zu Heilzwecken. Natürlich weiß sie auch um die positiven Wirkungen des Gelee Royal: Der wirkstoffreiche Futtersaft, der die Heranreifung der Bienenkönigin ermöglicht, wird unter anderem zur Stärkung des Immun- und Nervensystems eingesetzt.

„Die Apitherapie ist unglaublich vielseitig und die Einsatzmöglichkeiten sind noch längst nicht alle erforscht,“ sagt die Heilpraktikerin, die von Bienen fasziniert ist. Sie berichtet, dass auch in der Tumorforschung mit Bienengift experimentiert werde. Für die Werdohlerin steht fest, dass sich die Medizin in Zeiten, in denen viele Antibiotika ihre Wirksamkeit bereits eingebüßt haben, auf Alternativen besinnen muss. Altes, beinahe vergessenes Wissen, gewinne wieder an Bedeutung. „Die Menschen sollten sich bewusst machen, dass viele der Produkte, die vor ihrer Haustür zu finden sind, tatsächlich heilen können.“

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