Heilige Drei Könige waren einst in Werdohl

Am 8. November 1911 wurde die neue Lennebrücke eingeweiht. Dieses Bild stammt in etwa aus dieser Zeit. Das Foto wurde sichtbar nachkoloriert.

WERDOHL -   Am kommenden Montag ist der Tag der Heiligen Drei Könige. Ein katholischer und in mehren Ländern auch gesetzlicher Feiertag. Noch stehen vielerorts die Weihnachtskrippen, in welchen Caspar, Melchior und Balthasar wichtiger Bestandteil sind. Und auch die durch die Straßen ziehenden Sternsinger erinnern an die Weisen aus dem Morgenland.

Was aber haben diese Könige mit Werdohl zu tun? Lange Zeit befanden sich die Gebeine der Heiligen Drei Könige in Mailand. In der dortigen Basilika des Heiligen Eustorgius lassen sich die Reliquien erstmals geschichtlich nachweisen. 1158 wurden sie – angesichts der ersten Belagerung Mailands durch Friedrich Barbarossa – von der außerhalb der Stadtmauern gelegenen Basilika in den Glockenturm der Stadtkirche St. Georg geschafft.

Nach der Eroberung Mailands erhielt der damalige Kölner Erzbischof Rainald von Dassel die Gebeine 1164 als Geschenk von Kaiser Barbarossa. Am 23. Juli 1164 gelangten die Reliquien nach Köln, wo sie bis heute im Dom verehrt werden.

Seit dem Jahr 1792 drangen dann französische Revolutionstruppen zum Rhein vor. Als es dem Kurfürsten Maximilian Franz von Österreich zu kritisch wurde, ordnete er 1794 die Übersiedlung aller kurkölnischen Behörden in den rechtsrheinischen Teil des Kurstaates an.

Auch das Kölner Domkapitel floh mit dem Schrein und den Reliquien der Heiligen Drei Könige. Sie sollte dadurch vor fremden Zugriff und Zerstörung gesichert werden. Ziel war die Abtei Wedinghausen bei Arnsberg.

Wo die Lenne in einer Furth günstig zu überqueren war, lag die Keimzelle der Siedlung Werdohl. Mit der alten steinernen Lennebrücke, die eine vorherige Holzkonstruktion ablöste, besaß Werdohl seit 1556 ein wichtiges Brückenbauwerk. Allein der Bau der Brücke verschlang 2600 Taler, Eisgang und Hochwasser richteten immer wieder beträchtliche Schäden an. Doch die Werdohler Brücke verbindet nicht nur das linke mit dem rechten Lenneufer, sondern war auch Glied der Fernstraße Köln – Arnsberg – Paderborn, also der Verbindung der wichtigen Bischofs- und Verwaltungsstädte. Die Bedeutung als Handels- und Heerstraße war seinerzeit enorm.

Der kürzeste Weg zwischen dem westlichen Teil des Kölnischen Territoriums und dem Herzogtum Westfalen führte durch die Grafschaft Mark. Die Überquerung der Lenne war durch die Werdohler Stadtbrücke gewährleistet. Es ist demnach sehr wahrscheinlich, dass auch das Domkapitel mit den Reliquien der Heiligen Drei Könige den Weg durch Werdohl nutzte, um zu der Zeit nach Arnsberg zu gelangen.

Im dortigen Kloster Wedinghausen blieben die Reliquien, bis sie im Dezember 1803 wieder ihren Weg von Arnsberg nach Köln antreten konnten.

Mit großem Jubel und unter Ehrensalut und Glockengeläut wurde schließlich ihre Ankunft in Köln am 4. Januar 1804 gefeiert.

Von Heiner Burkhardt

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