Hegering nimmt Stellung zu Wildschwein-Unfall

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Werdohl - Zu einem Wildunfall an der Stadionstraße hat sich jetzt der Hegering Werdohl-Neuenrade zu Wort gemeldet. Sicher sei das Wildschwein mit dem Auto einer Werdohlerin kollidiert, sagte Hegeringleiter Jörg Sommer. Die Treibjagd im Bezirk Pungelscheid sei zu diesem Zeitpunkt jedoch schon seit einer Dreiviertelstunde vorbei gewesen.

Ungefähr drei Kilometer vom Unfallort entfernt habe die Treibjagd auf einer Kyrillfläche am Aschey stattgefunden. Das Wildschwein habe sich danach wahrscheinlich noch eine Weile im Dickicht versteckt und sei dann, als es sich sicher fühlte, wieder losgerannt. Die Werdohlerin hatte berichtet, das Tier sei wegen der Treibjagd „total in Panik“ gewesen. Dem widersprach Sommer: „Selbst erfahrene Jäger sehen nicht, ob ein Tier in Panik ist. Wir sehen nur, ob es langsam oder schnell läuft.“

Grundsätzlich wolle er aber keine Gegendarstellung zu den Ausführungen der Werdohlerin veröffentlichen, betonte Sommer. Vielmehr wolle er die Bürger grundsätzlich darüber informieren, wie eine Treibjagd ablaufe. So seien es nicht die Jäger, sondern deren Hunde, die Wildschweine jagten. „Und die wissen genauso wenig wie das Wild, wo Straßen ihre Wege kreuzen“, schreibt Sommer in einer Stellungnahme.

Die intensive Jagd auf Wildschweine sei „unbedingt notwendig, da die Schäden im Bereich der Landwirtschaft und auch in den Vorgärten von verärgerten Anwohnern weiterhin massiv zunehmen.“ Die Sauen hätten keine natürlichen Feinde und vermehrten sich deshalb „rasend schnell“. Fünf bis acht Frischlinge bringe eine Bache pro Jahr zur Welt. „Es werden oft Rotten von 20 bis 35 Wildschweinen beobachtet. Man kann sich vorstellen, was die jeden Tag an Nahrung benötigen“, schreibt Sommer weiter. Es seien daher nicht nur Jäger, die eine intensive Jagd forderten.

Kein Fall für das Ordnungsamt

Wildunfälle sind kein Fall für das Ordnungsamt. Das ergab eine Nachfrage im Werdohler Rathaus. „Wir sind zuständig für Wildschäden auf Äckern“, teilte Ingo Müller vom Ordnungsamt mit. Die Verwaltung werde eingeschaltet, wenn Bauern und Jagdpächter sich nicht einigen könnten. „Treibjagden müssen nicht angemeldet werden“, ergänzte Ursula Erkens, Sprecherin des Märkischen Kreises. Deshalb sei das Ordnungsamt nicht zuständig. Die Jäger hätten lediglich eine Verkehrssicherungspflicht: Sie müssten Schilder aufstellen, die auf die Treibjagd hinweisen.

Auch der Märkische Kreis als untere Jagdbehörde ist nicht zuständig. Er lege Abschussquoten fest und erstelle gemeinsam mit der Polizei und der Kreisjägerschaft Wildunfallkarten, sagte Erkens. Für die Schäden durch Wildunfälle komme die Teilkaskoversicherung auf. - cra

Alle Revierinhaber seien bei Treibjagden sehr sensibel für Sicherheitsthemen. So hätten die Jäger auch am vergangenen Freitag Warnschilder aufgestellt, „allerdings nur wie vorgeschrieben im Umfeld des bejagten Gebietes, das heißt an den Zufahrtstraßen zum Aschey.“ Nach dem Unfall hätten die Jäger das angefahrene Tier nicht gesucht, „weil verletzte Wildschweine den Menschen sehr gefährlich werden können.“ Am folgenden Tag habe ein Hundeführer drei Stunden lang mit seinem Hund die Spur des Schweins verfolgt, es aber nicht gefunden. Wahrscheinlich sei das Tier mit Prellungen und dem Schrecken davongekommen.

Eine Haftpflichtversicherung, die den Schaden an dem Auto der Werdohlerin abdecken könnte, haben die Jäger nicht. So etwas gebe es in ganz Deutschland nicht. Außerdem lasse sich ja nicht nachvollziehen, ob wirklich ein Hund hinter dem Wildschwein her gewesen sei – auch wenn es naheliege, dass das Tier vor dem Unfall durch die Jagd aufgemischt worden sei. 99 Prozent der Unfälle mit Wildtieren passieren nicht bei Treibjagden, „sondern während des normalen Wildwechsels auf unseren Straßen“, schließt Sommer. - Von Constanze Raidt

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