Körperliche Auseinandersetzungen

Heftige Streitigkeiten: Familienvater vor Gericht

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Werdohl/Altena – Familienstreitigkeiten und körperliche Auseinandersetzungen von erheblicher Intensität sind zu einem Fall für das Amtsgericht Altena geworden.

Im Verlauf der Verhandlung vor einem Schöffengericht stellte sich allerdings heraus, dass das Strafrecht nicht das angemessene Mittel war, um den Familienfrieden wieder herzustellen. 

Was war geschehen? Der 45-jährige Familienvater aus Werdohl hatte laut Anklage vor zwei Jahren mit einem metallenen Duschschlauch auf seinen Sohn eingeschlagen. Dieser Punkt der Anklage war allerdings schnell erledigt, da der 21-Jährige nicht gegen seinen Vater aussagen wollte. Auch seine Mutter berief sich auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht. Übrig blieb ein Angriff des Angeklagten auf seinen Sohn und seine 25-jährige Tochter, die er im Sommer 2018 mit einem Messer an der Hand verletzte. Sie war bereit, gegen ihren Vater auszusagen. 

Angeklagter weist alle Vorwürfe zurück

Dabei musste sie allerdings einräumen, dass ihre Verletzung wohl auf eine Abwehrbewegung gegenüber dem mit einem gezückten Messer auf sie zustürmenden Vater zurückging. Auch diese gefährliche Körperverletzung war dadurch eher zweifelhaft. Der Angeklagte wies seinerseits alle Vorwürfe zurück: „Nö!“ antwortete er auf die Frage, ob er an jenem Tag ein Messer in der Hand gehalten habe. Mit einem Kopfschütteln wies er auch den Vorwurf zurück, dass er zuvor mit einem Gegenstand, der als eine Art Baseballschläger beschrieben wurde, auf seine Kinder losgegangen sei. 

Aber selbst er vertrat nicht die Ansicht, dass in der Familie alles harmonisch verlaufe: „Ich hab’ schon manchmal Ärger mit meinen Kindern.“ Aus seiner Sicht gehe es dem Nachwuchs immer nur um Geld. Diese Sicht auf die Streitigkeiten wies seine Älteste energisch zurück: Sie sei schon seit Langem finanziell unabhängig und verdiene Geld nicht nur für sich und ihr Studium, sondern auch für ihre Schwestern, die Zuflucht bei ihr gesucht hätten. 

Schwester berichtet von langer Leidensgeschichte

Eine ihrer Schwestern berichtete von einer langen Leidensgeschichte in einem schwierigen Familienumfeld, die erhebliche Folgen für ihre psychische Gesundheit gehabt habe. Sie erinnerte sich an Misshandlungen und Wutausbrüche ihres Vaters: „Er hat die ganze Wohnung kaputtgemacht.“ All das wäre reiches Material für einen Familientherapeuten, der allerdings wohl ebenfalls überfordert gewesen wäre. 

Die strafrechtlichen Vorwürfe schienen nur die Spitze eines Eisbergs zu sein, ließen sich aber nicht hinreichend konkretisieren. Das Schöffengericht stellte das Strafverfahren deshalb letztlich ein. „Ihre familiären Probleme können wir heute hier nicht lösen“, erklärte Richter Dirk Reckschmidt den Beteiligten. „Das Strafrecht ist nicht der richtige Ort.“ Und so blieb nur die Hoffnung, dass die einigermaßen erwachsenen Kinder den Mut zu einem erheblichen Abstand zu ihrem Vater finden, um die Situation zu entschärfen, sich zu schützen und zu sich selbst zu finden.

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