Hausaufgaben für Azubis und Unternehmen

Eine Mappe zu Berufen im Energiesektor schnappte sich Katharina Laubach. Sie macht demnächst ein Praktikum als Mechatronikerin.

WERDOHL ▪ Die 14-jährige Katharina Laubach macht demnächst ein Praktikum als Mechatronikerin. „Hat so ein Praktikum auch Sinn gemacht, wenn es euch am Ende nicht gefallen hat?“, fragte Kersten Alameddine (Berufsberaterin der Arbeitsagentur) die Schüler der 9c der Realschule. „Klar“, kam die Antwort aus der Runde.

Das Biz-Mobil des Berufs-Informations-Zentrums macht für die nächsten zwei Wochen Station in der Aula der Realschule. Klassen aus Plettenberg, Neuenrade und Werdohl können sich an Rechner, Ordnern und bei den Mitarbeitern über Ausbildungsberufe oder den weiteren schulischen Werdegang informieren. „Bewerbungen nehmen wir direkt entgegen“, sagt Alameddine.

Dass ein Praktikum auch mal nicht zur Zufriedenheit des Schülers oder des Betriebes ablaufen könne, sei kein Problem, erklärte die Berufsberaterin. „Wichtig ist auch, dass man weiß, was man nicht will“, so Alameddine.

Die Wichtigkeit dieser Einrichtung betonte auch der stellvertretende Bürgermeister Dirk Middendorf – besonders in Zeiten sinkender Schülerzahlen. Auch die Qualität der Azubis in Hinsicht der Wertevorstellungen lasse aus seiner Sicht nach. „Sie sind oberflächlicher und legen nicht unbedingt Wert auf ein ,Guten Morgen’ zur Begrüßung“, schilderte der Mittelständler seine Erfahrungen. Eine Hilfe auch bei Problemen in der Berufsschule sind dann so genannte ausbildungsbegleitende Hilfen (ABH). „Das ist wie Nachhilfe – und die auf freiwilliger Basis“, erklärte Middendorf und zeigte sich von diesem Angebot der Arbeitsagentur überzeugt.

Betriebe in der Pflicht

Dass nicht mehr nur die Noten herangezogen werden, um festzustellen, ob ein Jugendlicher ins Unternehmen passt, stellten auf Nachfrage unserer Redaktion auch die Ausbildungsleiter einiger Werdohler Unternehmen fest. Ein Azubi der Firma Kracht zeigte sich beispielsweise im Einstellungstest nicht immer sicher. „Da gab es eine interne Nachschulung und nach einem halben Jahr Ausbildung sind wir bisher sehr zufrieden“, erklärte Personalleiter Thomas Bärwald. Teamfähigkeit sei bei der Firma eines der wichtigsten Einstellungskriterien. Bärwald betonte zudem, dass die Unternehmen für gute Lehrlinge ihre Hausaufgaben machen müssten. „Wir machen uns schon im Vorfeld viele Gedanken, wer zu uns passt“, sieht der Personalleiter die Betriebe in der Pflicht. Natürlich seien auch die Wertvorstellungen wichtig, „aber in der Pubertät ist man nunmal etwas lauter“, schränkte er ein. Das positive sei, dass die Leute heute selbstbewusster auftreten würden als früher.

Genau dieses Selbstbewusstsein forderte Kersten Alameddine auch von den Neuntklässlern: „Stellt eure Fragen, aber findet ein gesundes Mittelmaß.“ Das Biz-Mobil sei aber das falsche Instrument, um an den Wertevorstellungen der Schüler noch viel zu ändern. „Wir geben Tipps für Bewerbungen, Informationen zu Berufen – schaffen also das Know-How.“

Zur Freude von Tina Käpernick, Bereichsleiterin der Arbeitsagentur, hatte Dirk Middendorf eine gute Nachricht dabei. Für den Baubetriebshof werde ein Elektriker-Azubi gesucht. Damit bilde die Stadt nach achtjähriger Pause ab Herbst 2012 wieder aus.

Um neue Auszubildende besser in die Unternehmensstrukturen zu integrieren, geht auch der Vossloh-Konzern neue Wege. „Vor fast zwei Jahren haben wir das Einstellungsverfahren umgestellt“, erklärten Nina Greitemann (Ausbildungsleiterin) und Daniela Rath (Personalleiterin). Alle Bewerber machen im Vorfeld über das Internet einen Persönlichkeitstest. „Die Noten stehen da eher an zweiter Stelle“, so Daniela Rath. Weitere Tests im Unternehmen folgen, ehe ein abschließendes Bewerbungsgespräch erfolgt. „Damit haben wir gute Erfahrungen gemacht“, ergänzte Nina Greitemann. Als Starthilfe gibt es eine Azubi-Woche mit einem „Business-Knigge“. „Das sorgte aus dem Betrieb für ein positives Feedback“, so Rath.

Die Schüler in der Aula stürzten sich gestern Vormittag auf die Mappen zu ihren Praktika oder Berufswünschen. Die waren durchaus vielfältig und können unter anderem dem Handwerk Hoffnung machen. Tischler und Konditor wurden neben Bürokauffrau, Steuerberaterin und Produktdesigner genannt. ▪ ds

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