Haus Wegwende ist seit 20 Jahren Wohnheim für psychisch kranke Menschen

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Jörn Hackbusch arbeitet seit 2002 im Haus Wegwende in Werdohl. Seit Januar 2016 leitet der Sozialarbeiter die Einrichtung der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen.

Werdohl - Menschen, die ins Haus Wegwende in Werdohl kommen, haben meist ein bewegtes Leben hinter sich, gezeichnet von einigen Tiefschlägen. Für sie ist die Einrichtung der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen am Haselweg eine Eingliederungshilfe auf dem langen Weg zurück in ein normales Leben und zugleich Schutzraum.

Und das bereits seit 1998, weshalb das Wohnheim für Menschen mit psychischen Behinderungen in diesen Tagen sein 20-jähriges Bestehen feiert. 

„Das Klientel ist in all den Jahren das gleiche geblieben. Ansonsten hat sich allerdings viel verändert“, sagt Jörn Hackbusch, Leiter des Wohnheims. Im Haus Wegwende leben Menschen mit Psychosen, bipolaren und Persönlichkeitsstörungen, die häufig von Sekundärerkrankungen wie Diabetes oder Krebs begleitet werden. „Also kurzum Menschen, die nicht mehr in der Lage sind sich alleine zu versorgen und stationäre Hilfe benötigen. Für viele von ihnen spielt das Vorhandensein einer Ansprechbarkeit des Personals über 24 Stunden eine ganz große Rolle“, erzählt Hackbusch. 

Exemplarisch schilder der Einrichtungsleiter den Lebensweg einer Bewohnerin: „Nachdem sie in der Berufsausbildung gescheitert ist, hat die Frau einige Jahre vor sich hingelebt und ist immer depressiver geworden. Als dann die ambulanten Unterstützungsangebote nicht mehr gewirkt haben, kam es zur Eskalation.“ Nach dem folgenden Klinikaufenthalt habe sich die Frau im Haus Wegwende aber schnell stabilisiert. 

Krankheiten werden mehr wahrgenommen

Um diesen Menschen vielleicht irgendwann wieder ein Leben in einer eigenen Wohnung zu ermöglichen, spricht Hackbusch von „langfristigen Prozessen“ über fünf bis sechs Jahre. In diesem Zeitraum leben sie im Haus Wegewende und sollen durch verschiedene Angebote wie Sport, Kochen, Schwimmen oder auch Montagearbeiten wieder eine feste Tagesstruktur vermittelt bekommen. 

„Vier Bewohner leben bereits seit der Eröffnung des Wohnheims vor 20 Jahren bei uns“, sagt Hackbusch. Insgesamt sei die Fluktuation sehr gering. So habe es über die zwei Jahrzehnte hinweg maximal 40 Bewohner gegeben. „Denn jede Veränderung ist für diese Menschen eine große Herausforderung“, sagt Hackbusch. 

Betreut werden die 19 Bewohner von zehn Fachkräften. Hinzu kommen weitere 30 Menschen, die im Haus Wegwende arbeiten. „Die Arbeit hier ist immer eine Herausforderung, macht aber großen Spaß“, sagt der Einrichtungsleiter, der festgestellt haben will, dass das Thema psychische Erkrankungen in der Gesellschaft und den Medien mittlerweile viel stärker wahrgenommen wird als früher: „Auch durch Outings einiger Prominenter gelingt es jetzt besser, Menschen in Hilfsangebote zu bekommen.“

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