Versäumnisse beim Gesundheitsamt

Haus Versetal: Irritationen um Corona-Todesfälle

Im Seniorenzentrum Haus Versetal in Kleinhammer sind im Zusammenhang mit Covid-19 mittlerweile sieben Senioren verstorben.
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Im Seniorenzentrum Haus Versetal in Kleinhammer sind im Zusammenhang mit Covid-19 mittlerweile sieben Senioren verstorben.

Das Seniorenzentrum Haus Versetal in Werdohl hat den Corona-Ausbruch offensichtlich weitgehend überstanden. Bei einer weiteren Reihentestung am Mittwoch seien nur noch drei Bewohner und zwei Mitarbeiter positiv auf eine Infektion mit dem Sars-Cov-2-Virus getestet worden, teilte der Märkische Kreis mit.

Für diese fünf Personen sei die Quarantäne auch verlängert worden. Der Covid-19-Ausbruch in der privat geführten Senioreneinrichtung hat allerdings bislang auch sechs Tote gefordert. Zuletzt ist laut Einrichtungsleiterin Susanne Thöne am 11. Februar eine 81-jährige Bewohnerin im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben..

Um die Todesfälle im Haus Versetal hatte es in den vergangenen Tagen einige Verwirrung gegeben. Zunächst hatte André Sikora, Pflegedienstleiter im Haus Versetal, am 4. Februar, auf Nachfrage von überwiegend leichten Verläufen bei den infizierten Bewohnern gesprochen. Nur eine Seniorin, die aber schon vorher palliativ versorgt worden sei, habe in ein Krankenhaus eingeliefert werden müssen. Über die mindestens drei im Zusammenhang mit Corona zu diesem Zeitpunkt schon verstorbenen Bewohner verlor der Pflegedienstleiter dagegen kein Wort.

Todesfälle zunächst nicht öffentlich gemacht

Ans Licht der Öffentlichkeit kamen die Todesfälle erst durch die Meldung des Märkischen Kreises vier Tage später und damit volle zehn Tage nach dem ersten Todesfall. Am Montag, 8. Februar, meldete der Märkische Kreis sechs Todesfälle, die sich auf die vorangegangenen zehn Tage verteilten. Drei Fälle lagen da schon mehr als eine Woche zurück. Einrichtungsleiterin Susanne Thöne schob die Schuld für diese verzögerte Benachrichtigung der Öffentlichkeit dem Märkischen Kreis zu. Dabei hatte auch Pflegedienstleiter Sikora mit den Informationen hinter dem Berg gehalten.

Immerhin hat das Haus Versetal die Todesfälle vorschriftsmäßig und unverzüglich dem Kreisgesundheitsamt gemeldet. Dort ist nach Worten von Ursula Erkens, Pressesprecherin des Kreises, wohl auch die Ursache für die verspätete Unterrichtung der Öffentlichkeit zu suchen. Zwei Todesfälle aus dem Haus Versetal seien auf dem Schreibtisch einer Sachbearbeiterin im Gesundheitsamt einige Tage liegengeblieben und nicht wie eigentlich vorgesehen unverzüglich an den Krisenstab des Märkischen Kreises weitergemeldet worden. Weil der Krisentab nicht nur das Robert-Koch-Institut, sondern auch die Pressestelle des Kreises über Todesfälle informiere, sei die Information eben auch dort mit Verspätung angekommen, erklärte Erkens. Zunächst hatte die Pressesprecherin behauptet, das Haus Versetal habe die Todesfälle verspätet gemeldet. Diese Darstellung hat sie mittlerweile korrigiert und die Verantwortung für die Verspäung dem Gesundheitsamt zugeschrieben.

Verwechslung in der Pressestelle

Die in diesem Fall nachlässige Bearbeitung von Todesfällen aus dem Haus Versetal durch das Gesundheitsamt ist aber nicht der einzige Umstand, der in den vergangenen Tagen zu Irritationen führte. So meldete die Pressestelle des Kreises am Montag auch den Tod einer 92-jährigen Seniorin aus dem Haus Versetal; sie sollte am 30. Januar im Zusammenhang mit Covid-19 verstorben sein.

Daraufhin meldeten sich in der Redaktion Angehörige eines 92-jährigen Mannes, der am selben Tag im Haus Versetal verstorben sei, und wiesen auf eine mögliche Verwechslung hin. Sein Vater sei an Corona erkrankt gewesen und am 30. Januar im Haus Versetal verstorben, berichtete Wolfgang Severin.

Kreis spricht von einem „Übertragungsfehler“

Eine Nachfrage beim Kreis ergab, dass in der Pressestelle tatsächlich aus dem verstorbenen Mann eine verstorbene Frau geworden war. Sprecherin Erkens sprach von einem „Übertragungsfehler“.

Wolfgang Severin verlor übrigens kaum ein schlechtes Wort über das Seniorenzentrum, in dem sein Vater bereits seit vier Jahren gelebt habe. „Die haben das im Haus Versetal grundsätzlich richtig gehandhabt“, lautete seine Einschätzung über den Umgang der Einrichtung mit den Corona-Infektionen. Allerdings bedauerte er, dass die Beschäftigten den unmittelbar bevorstehenden Eintritt des Todes seines Vaters wohl nicht richtig eingeschätzt hätten. Einen Tag, bevor der 92-Jährige verstorben sei, habe er sich noch nach seinem Befinden erkundigt, berichtete Severin. Da sei er beruhigt worden. „Am nächsten Tag war er tot. Schade, wir hätten ihn gerne noch einmal gesehen“, bedauerte der Sohn. Vorwürfe an die Einrichtung und das Personal kamen ihm aber nicht über die Lippen. „Man weiß ja, welcher Belastung das Pflegepersonal in solchen Einrichtungen derzeit ausgesetzt ist“, brachte er Verständnis für die Situation der Mitarbeiter auf.

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