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Haus im MK wird mit Verzögerung abgerissen: Bagger steckt tagelang fest

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Von: Volker Heyn

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Markus Hempel von Ossenberg AST hat es mit einer komplizierten Abbruch-Baustelle zu tun. In der ehemaligen Gaststätte sind zwei Geschossdecken nach innen gestürzt und auf ein auf einer Hebebühne stehendes Auto gekracht. Das Gebäude ist vollständig zugemüllt.
Markus Hempel von Ossenberg AST hat es mit einer komplizierten Abbruch-Baustelle zu tun. In der ehemaligen Gaststätte sind zwei Geschossdecken nach innen gestürzt und auf ein auf einer Hebebühne stehendes Auto gekracht. Das Gebäude ist vollständig zugemüllt. © Heyn, Volker

Dass trotz allerhand digitalisierter Behördenvorgänge immer noch eine Menge menschlicher Verzögerung eintreten kann, erfährt das Neuenrader Bauunternehmen Ossenberg gerade in besonderer Weise.

Ein Spezialbagger, mit dessen Hilfe die ehemalige Gaststätte Othlinghaus in Bärenstein abgerissen werden soll, steckte wegen kurios anmutender Umstände tagelang in Unna fest. Thorsten Wolff ist Geschäftsführer von Ossenberg AST in Neuenrade und bei dem Risikoabbruch im Versetal Bauleiter des Projekts. „Das liegt an den Behördenvorgängen in NRW und nicht an den beteiligten Unternehmen“, so Wolff.

Für den Abbruch braucht das Unternehmen einen großen Spezialbagger. Schon seit Jahren arbeitet Ossenberg AST mit dem Nachrodter Abbruch- und Bauunternehmer Siggi Müller zusammen, man kennt sich gut und hilft. Da der Abbruch im Versetal schon längere Zeit geplant und beauftragt ist, stellt Müller seinen Bagger für die Arbeiten an der B 229 zur Verfügung. Abrufbereit stand das Ungetüm mehrere Tage in Unna auf einem Tieflader und wartete auf den Transport ins Sauerland.

Sondererlaubnis notwendig

Da Bagger und Transportfahrzeug besonders schwer sind, war eine Sondererlaubnis für 80-Tonnen-Transporte in der Nacht nötig. Dieser Antrag an die Behörde in Unna wurde digital von Firma Ossenberg gestellt worden – eigentlich eine Formsache. Früher bekamen Bauunternehmungen pauschale Genehmigungen für ein ganzes Jahr, heutzutage müssen bei vielen Behörden Genehmigungen eingeholt werden.

Das abbruchreife Haus steht direkt an der B 229, der Verkehr wird durch Beton-Legosteine geschützt.
Das abbruchreife Haus steht direkt an der B 229, der Verkehr wird durch Beton-Legosteine geschützt. © Heyn, Volker

Der Antrag war so rechtzeitig gestellt worden, dass der Transport in der Nacht vom Feiertag am 1. November auf den Dienstag hätte rollen sollen. Dienstagfrüh wollte Ossenberg mit dem Abbruch anfangen. Erst durch eigenes Nachfragen Tage danach kam Wolff dahinter, dass in Unna niemand Gelegenheit fand, den Antrag per Mausklick am Computer zu genehmigen. Wolff: „Der digital gestellte Genehmigungsantrag für einen Sondertransport ist eine Woche bei der Stadt Unna liegen geblieben.“

Überraschung am Freitagmorgen

Während Wolff und Baggerführer Markus Hempel am Donnerstagabend nicht mehr mit dem Eintreffen des Baggers in dieser Woche rechneten, stand das Riesengerät zu aller Überraschung Freitagmorgen in Eveking.

Der rund 50 Tonnen schwere Spezialbagger steht jetzt endlich in Eveking, der Abriss beginnt nächste Woche.
Der rund 50 Tonnen schwere Spezialbagger steht jetzt endlich in Eveking, der Abriss beginnt nächste Woche. © Heyn, Volker

Was sich nach einer lustigen Geschichte anhört, kostete den Unternehmer Geld. Der Bagger stand tagelang in Unna herum und musste bezahlt werden. Ein von Ossenberg selbst eingesetzter normal großer Bagger stand weiter unten im Versetal auf Abruf bereit.

Wolff hofft auf Verständnis der Verkehrsteilnehmer

Da der Abriss für eine größere Verkehrsbeeinträchtigung im ohnehin stark belasteten Versetal sorgt, setzt Wolff auch auf ein gewisses Verständnis der Verkehrsteilnehmer – es gibt also auch ein öffentliches Interesse an dieser Baustelle. Wolff ist daran gelegen, Schuldzuweisungen von den Mitarbeitern der Firmen Ossenberg und Müller fern zu halten: „Hier haben alle alles richtig gemacht.“

Abriss kostet den Steuerzahler 160 000 Euro

Die Stadt Werdohl lässt die baufällig gewordene ehemalige Gaststätte Othlinghaus abbrechen. Die Gaststätte hatte einst im Versetal einen guten Ruf, diente unter anderem dem MGV Westfalia Bärenstein als Vereinslokal. Auch die Fußballer des TuS Versetal trafen sich dort zu Versammlungen, und die Arbeiter des VDM-Werks Bärenstein kehrten nach Feierabend ebenfalls gerne dort ein.

In den vergangenen Jahren ist die Immobilien zusehends heruntergekommen. Der Eigentümer sei verstorben, Erben gebe es nicht, teilte die Stadt mit. In der Regel wird in solchen Fällen das Land zum Erben und versucht, den Nachlass zu verwerten und mögliche Gläubiger zu befriedigen.

Ob es in diesem Fall noch etwas zu verwerten gab, ist nicht bekannt. Die Stadt lässt das baufällige Gebäude jedenfalls jetzt erst einmal für knapp 160 000 Euro abreißen, damit nicht irgendwann Teile davon auf die Bundesstraße fallen. Ob sie sich das Geld noch einmal irgendwo wiederholen kann, ist offen.

Der Abriss ist kompliziert und aufwendig. Der Abrissbagger wird von hinten erst Dach und Decken einreißen. Hempel muss mit dem kleineren Bagger sämtliches Abbruchmaterial nachsortieren. Das vollgemüllte Haus ist in sich zusammengefallen und kann nicht betreten werden. Zwei Geschossdecken sind auf ein im Gebäude auf einer Hebebühne stehendes Fahrzeug gestürzt.

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