„Hau An“ Werdohl: Nächtliche Jagd auf Fische

Sportfischer Holger Falz präsentiert hier den Unterfangkescher: Damit werden die Fische aus dem Wasser gehoben.

WERDOHL ▪ Einmal im Jahr zieht es die Angler des Sportfischereivereins „Hau-An“ in der Dämmerung an die Lenne. Kenner wissen: Gerade im Hochsommer haben sie nachts die besten Chancen auf gute Fänge. Bei hochsommerlichen Temperaturen geht es den Fischen wie vielen Menschen auch – sie sind träge. Erst bei einsetzender Dämmerung und kühleren Temperaturen gehen sie im flachen, nährstoffreichen Wasser auf Nahrungssuche. Daneben hat das Nachtangeln noch einen weiteren Vorteil.

„Dann kommen auch Fischarten, die wir tagsüber so gut wie nie zu Gesicht kriegen“, weiß Holger Falz. Aale und Karpfen lieben die Dunkelheit und bewegen sich dann nur knapp unter der Wasseroberfläche – das sogenannte Ansitzen lohnt sich in ihrem Fall besonders.

Holger Falz zog es am Samstagabend allerdings nicht nur wegen eines möglichen guten Fangs ans Lenneufer. „Man sucht sich nicht nur ein schönes Plätzchen, um zu angeln, sondern auch, um die Natur zu genießen“, sagte er, stellte sein Equipment ans Ufer und genoss zunächst den Blick aus der kleinen Bucht auf das ruhige Gewässer. Leise und routiniert begann der 44-Jährige bei fortschreitendem Sonnenuntergang mit seinen Vorbereitungen, denn die oberste Prämisse beim Angeln lautet: Ruhe. Lautes Getöse, Gespräche oder Geräusche verscheuchen die Fische abends und nachts noch eher als am Tag.

„Erstmal müssen wir den Fischen die Köder schmackhaft machen“, erklärte Holger Falz. Um das Jagdwild anzulocken, bestückte er eine sogenannte Futterschleuder mit Fliegenmaden und schnalzte „das Lockmittel Nummer eins“ weit hinaus aufs Wasser. „Wenn welche da sind, werden sie aufmerksam“, weiß der Angler aus seiner 30-jährigen Erfahrung. „Als Lockmittel funktioniert aber auch ein Haferflocken-Paniermehl-Gemisch mit geheimen Duftstoffen. Ich verwende gerne Erdbeere“, verriet Holger Falz. Aber auch Vanille-, Orangen- oder Moschusduft haben sich im Angelsport bewährt.

Fische sind duftempfindlich. „Wer meint, frisch rasiert zum Angeln gehen zu müssen, braucht sich eigentlich gar nicht ans Wasser zu setzen.“ Das Aftershave mag zwar für menschliche Nasen gut riechen, ist aber nichts für empfindliche Fischnasen und verrät den Angler. Gleiches gilt für Raucher am Ufer. Wer mit der Fluppe im Mund auf einen Fang hofft, wird wohl leer ausgehen.

Holger Falz brachte seine zwei Teleskop-Ruten in Position. „Ich messe die Tiefe aus“, erklärte er den zweiten Schritt seiner Vorbereitungen. Eine Hand breit über dem Grund sollte der Schwimmer den Köder positionieren. Holger Falz warf sein Sportgerät aus und holte die Pose nach ein paar Minuten wieder ein. „Wenn etwas Grünzeug dran hängt, bedeutet das, dass er auf dem Boden aufliegt. Also muss er höher eingestellt werden.“ Doch zu oft darf die Kontrolle nicht erfolgen. „Man sollte nicht ständig etwas ins Wasser werfen. Die Fische verkrümeln sich sonst nämlich, denn sie kriegen immer einen kleinen Schreck. Die Lenne ist kein Forellenteich, wo man etwas reinwirft und die Fische wissen: Es gibt was zu fressen.“ Und auch das Anlockfutter sollte nur in geringen Mengen eingesetzt werden. „Sonst füttert man sie nämlich satt.“

Als die Angeln dann in Position gebracht war, begann das Geduldsspiel: Abwarten, bis das Aalglöckchen der Grundangel klingelte, oder das Knicklicht auf und ab schwang. „Wir fischen heute die Tiere aber nicht bloß aus dem Wasser, sondern prüfen gleichzeitig auch den Fischbestand“, erklärte Holger Falz.

Die Lenne sei einmal Deutschlands artenreichster Fluss gewesen. Forellen, die kleiner als 28 Zentimeter sind, werden heute ebenso wieder in die Freiheit entlassen, wie Aale, die kleiner als 50 Zentimeter sind, oder Karpfen, die die Grenzmarke von 35 Zentimetern noch nicht erreicht haben. „Äschen müssen wenigstens 30 Zentimeter lang sein. Sie gehören zu den Salmoniden, der Familie der Lachsfische“, weiß Holger Falz.

Die Lenne war einst mit Äschen reich gesegnet. „Das änderte sich aber mit den Kormoranen. Äschen stehen bei ihnen nämlich ganz weit oben auf dem Speiseplan.“ Heuer drei bis vier Fische am Tag zu angeln, sei ein gutes Ergebnis, meinte Holger Falz und hoffte auch am Samstag auf genanntes Ergebnis. Bis Sonntagmorgen 0.30 Uhr wollte er am Ufer ausharren. „Die beste Beißzeit ist bei Einsetzender Dämmerung. Genau dann, wenn man den Schwimmer so eben noch auf dem Wasser sehen kann“, sagte Holger Falz mit gesenkter Stimme und richtete den Blick hinaus aufs Wasser.

Von Susanne Riedl

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