Hans Thelen ist Kampfsportler mit Leidenschaft

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Seit kurzem gibt es in Werdohl beim TuS-Jahn eine Abteilung Doce Pares Eskrima. Mittlerweile trainieren regelmäßig zwölf Mitglieder in Werdohl. ▪

WERDOHL ▪ Stöcke wirbeln durch die Luft – dicht vor den Gesichtern der beiden Kontrahenten. Die unzähligen Treffer auf den wattierten Jacken der zwei Kämpfer, die Schutzhelme mit Gittern vor den Auge, Nase und Mund tragen, ergeben einen ratternden Beat – ähnlich dem Rhythmus eines Techno-Songs. Nach einer Minute gehen die schwarzen Gestalten auseinander. Helfer fächern beiden mit Handtüchern Luft zu. Denn es geht nach nur einer halben Minute weiter: Drei Mal 60 Sekunden dauert ein Kampf.

„Da musst Du zu jeder Zeit 100 Prozent da sein“, sagt Hans Thelen über seinen Sport, „körperlich wie geistig.“ Der 45-Jährige wurde am 16. September zum Vorsitzenden und Geschäftsführer der neuen TuS-Jahn-Abteilung Doce Pares Eskrima gewählt.

Doce Pares (gesprochen: Dosse Pares) gliedert sich in drei Teilbereiche: Eskrima (zu Deutsch: Fechten), Kali (Hand und Körper) sowie Arnis (Rüstung). Es wird mit der flachen Hand, mit Stöcken und, vorausgesetzt der Athlet ist mindestens 18 Jahre alt, auch mit Messern gekämpft.

Thelen fing 1975 an, Kampfsport zu betreiben. „Ich habe zehn Jahre lang Taekwon-Do gemacht. Das kann man aber nicht mit Eskrima vergleichen.“ So einfach wie etwa Karate sei der Sport nicht. Denn Eskrima sei eine richtige Kunst, kein stumpfes Draufschlagen.

„Kampfsport fängt im Kopf an. Es geht darum, Angriffe abzuwehren, ohne unnötig viel Kraft aufzuwenden.“ Sogar Spezialkräfte der Bundeswehr und der Polizei würden diesen Sport betreiben, bei dem gezielte Koordination das A und O sei.

Der gebürtige Iserlohner Thelen fing vor neun Jahren mit Eskrima an. Später hat er sich in Bielefeld fortgebildet. Nunmehr ist er Advanced Instructor, also Trainer. Auf seine Master-Prüfung bereitet er sich derzeit vor. „Vor sechseinhalb Jahren haben mein Arbeitskollege Oswald Hesse und ich dann in Balve den Verein Doce Pares Sauerland gegründet.“

Dieser ist nun vor den Sommerferien Teil des Werdohler TuS Jahn geworden. Aktuell hat die Abteilung zwölf Mitglieder. Hesse ist mit 60 Jahren der Älteste. Zwei 15-Jährige sind die Jüngsten. Drei Frauen gehören ebenfalls zur Gruppe. Die Abteilungsmitglieder kommen aus dem gesamten Märkischen Kreis und auch aus Iserlohn. „Das Training bei uns ist sehr familiär gehalten.“

„Blaue Flecke

bekommt man schon“

Neben der Fitness gehört die geistige Reife, eine charakterliche Eignung dazu, Eskrima zu kämpfen. Zwar sind die Aluminium-Messer stumpf, „doch blaue Flecken bekommt man davon schon“. Überhaupt ist der Sport recht hart. „Die Schläge werden von Graduierung zu Graduierung immer stärker, aber auch zusehends präziser.“ Nur Schläge ins Gesicht werden lediglich angedeutet. „Da wird abgestoppt. Ansonsten wird richtig zugeschlagen.“

Thelen weiß: „Das sieht schon ein bisschen herbe aus.“ So gebe es eine Übung, bei der einer in der Mitte stehe und alle anderen – also derzeit bis zu elf Kämpfer – Angriffe starteten: „Das ist ein gezieltes Chaostraining, um Stress ausgesetzt zu werden. Das stärkt die Fähigkeit zur Selbstverteidigung.“

Die vollständige Körperkontrolle sei das Ziel. „Es geht darum, einen Angreifer mit angemessenen Mitteln außer Gefecht zu setzen.“ Verletzungen seien nicht gewollt. Eskrima sei keine Kampfkunst, die zur Meditation diene. „90 Prozent sind Selbstverteidigung, der Rest ist Wettkampf.“

Ein Neueinsteiger könne bereits nach einem halben Jahr im Wettkampf mithalten. „Für die richtige Kunst braucht man aber sicher fünf Jahre“, betont Thelen. „Die Bewegungen werden geschmeidiger, Du kannst sie effektiver nutzen. Dabei wächst die Disziplin und auch das Selbstbewusstsein.“

Wöchentlich trainiert Thelen fünf Stunden, noch einmal soviel Zeit gehe für die theoretische Ausbildung drauf. „Das ist mehr als ein Hobby, schon eine Berufung“, sagt er. „Ich habe mein Leben darauf ausgerichtet.“ Es mache zwar Spaß, „ist aber auch sehr anstrengend. Nach einem Training bin ich nass geschwitzt – und glücklich.“ Beim Üben der blitzschnellen Hebe-, Wurf- und Schlagtechniken purzele auch das ein oder andere Kilo.

In Deutschland bekannt ist Doce Pares Eskrima erst seit gut zwölf Jahren. Weltweit führend sind die Aktiven von den Philippinen, wo Ureinwohner den Sport Anfang der 30er-Jahre entwickelten, und aus den Niederlanden. „Die Kommunikation findet in englischer Sprache statt.“ Das Nachbarland ist somit neben Frankreich und der Schweiz häufiges Ziel von Auswärtstouren der heimischen Eskrima-Kämpfer. Am 17. und 18. November geht es wieder nach Uetrecht zu einem freien Seminar. Dort treffen die Sauerländer auf höher graduierte Trainer. Die Teilnahme ist auch für Neulinge noch möglich.

Bester Mann der TuS-Abteilung ist Vitali Belkov. Der 31-Jährige wurde bereits zwei Mal Deutscher Vizemeister und ebenso oft Fünfter bei den Europameisterschaften. In diesem Jahr setzte ihn allerdings eine Erkrankung aber außer Gefecht.

Den Vorstand der Abteilung komplettieren Thelens Stellvertreter Christof Martin, Kassenwart Lothar Schürmann sowie die stellvertretende Kassenwartin Cordula C. Martin. Die Abteilung trainiert jeden Sonntag von 9.30 bis 12 Uhr in der oberen Jahn-Turnhalle, alle 14 Tage zusätzlich dienstags von 16 bis 18 Uhr. Interessenten wenden sich telefonisch an Hans Thelen unter der Rufnummer 01 57 / 38 99 08 60.

Weitere Informationen gibt es im Internet uner http://www.eskrima-deutschland.de. ▪ kol

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