Handy-Geschäft eskaliert: Auftakt im Mordprozess

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Werdohl/Hagen - Große Mengen Alkohol, ein merkwürdiger Streit um ein Handy und dazu eine gehörige Portion angeblich verletzter Ehre: Es war eine deprimierende Mischung, die am 9. März fast ein Menschenleben gekostet hätte.

Im Beisein zahlreicher Zeugen, darunter zwei Polizeibeamte, rammte ein 34-jähriger Algerier in einer Asylunterkunft ein großes Messer in das Brustbein eines 38-jährigen Marokkaners, der nur durch eine Notoperation überlebte. 

Zum Auftakt des Schwurgerichtsprozesses im Landgericht Hagen legte der Angeklagte ein weitgehendes Geständnis ab. „Ich weiß, dass ich ihn mit einem Messer getroffen habe. Wie es dazu kam, kann ich nicht 100-prozentig sagen.“ Jenseits dieses Geständnisses hinsichtlich des lebensgefährlichen Messerstichs erzählte er eine Geschichte, die durch einen Zeugen bestätigt wurde: Demnach hatte das Opfer gegen ein Uhr nachts bei ihm geklingelt und seinerseits das Kampfgeschehen eröffnet: „Er gab ihm eine Ohrfeige und trat ihm die Beine weg“, erinnerte sich der Zeuge. 

Hatte das Opfer auch ein Messer? 

Sollte seine Erinnerung zutreffen, derzufolge auch das Opfer ein Messer in der Hand hatte, hätte die Rollenverteilung von Täter und Opfer auch anders aussehen können. Gemeinsam mit seinem Vater trennte der 21-Jährige die Kontrahenten zunächst. „Hätten wir die beiden nicht auseinandergebracht, hätte das Opfer den Angeklagten mit dem Messer getroffen.“ Zwei zur Befriedung der Situation herbeigeeilte Polizisten erlebten kurz darauf mit, wie der Angeklagte auf den 38-Jährigen zustürmte und ihm das Messer durch Lungenfell, Nierenkapsel und Bauchspeicheldrüse jagte. Eher rätselhaft blieb, warum ein Handy-Geschäft zwischen den beiden Hauptbeteiligten derart eskalieren konnte. 

Befeuert wurde das Ganze durch hohe Blutalkoholwerte. „Ich bin meistens betrunken, an jenem Tag war ich es auch“, gab das Opfer freimütig zu Protokoll. Der Angeklagte erklärte, dass er noch in Algerien heroinabhängig gewesen sei. „In Deutschland habe ich mit Alkohol angefangen.“ Es war wohl neben dem ruppigen nächtlichen Angriff der Klassiker verletzter Ehre, der den Angeklagten durchdrehen ließ: „Ich hatte nach den Schlägen Atemnot und Schmerzen im Brustkorb. Er hat mich angespuckt und ich habe Zähne verloren. Ich habe gehört, wie er meine Mutter und mich beleidigt hat“, übersetzte die Dolmetscherin. 

Angeklagter wurde schon 2016 auffällig

Schon 2016 hatte der Angeklagte einem Gegenüber ein Glas durch das Gesicht gezogen. Das damalige Opfer erlitt durch den Angriff tiefe Schnitte in der Wange. Über diese gefährliche Körperverletzung, die zunächst im Amtsgericht abgeurteilt werden sollte, wird nun im Landgericht mitverhandelt. 

Der Prozess wird am 5. September ab 9 Uhr im Landgericht Hagen fortgesetzt.

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