Haftungsfragen: Stadt will den Klettersteig aufgeben

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Im April 2013 haben Fred Lange (rechts) und Olaf Hidden den von ihnen selbst mit Unterstützung der Feuerwehr eingerichteten Klettersteig eröffnet. Jetzt soll die Freizeitanlage geschlossen werden. 

Werdohl - Die Stadtverwaltung trägt sich mit dem Gedanken, den Klettersteig an der Altenaer Straße aufzugeben. Offenbar sind ungeklärte Haftungsfragen der Grund für diesen Schritt.

Beim Bürgerstammtisch, auf dessen Initiative der Klettersteig vor rund fünf Jahren entstanden ist, ist man empört. 

In einjähriger Arbeit hatten die Werdohler Alpinisten Fred Lange und Olaf Hidden den Klettersteig 2012 und 2013 mit Unterstützung der Feuerwehr hergerichtet. Dabei hatten sie die Vegetation und lockeres Gestein entfernt und anschließend Anker und Stufen in den Fels eingefügt und Stahlseile zur Sicherung angebracht. Jetzt können Kletterer in fünf bis 15 Minuten die 20 Höhenmeter vom Lenneufer bis zur Aussichtsplattform überwinden. 

Doch nun droht der Freizeiteinrichtung Ungemach ausgerechnet vonseiten der Bergsteiger. Joachim Fischer vom NRW-Landesverband des Deutschen Alpenvereins (DAV) kritisierte bereits im Januar gegenüber der DAV-Sektion Gummersbach, die sich um die Wartung und Pflege der Kletterfelsen in Werdohl kümmert, der Klettersteig weise Mängel auf. 

Auslöser war demnach ein Zwischenfall, der sich ereignet hatte, als ein junges Paar den Klettersteig begangen hat. Dabei soll sich eine Verankerung aus der Wand gelöst und einen Beinaheabsturz verursacht haben. Fischer bemängelte in einer E-Mail, die der Redaktion vorliegt, dass die Verankerungen für die Drahtseile mit zu kurzen Schrauben angebracht worden seien. Außerdem seien die Enden der Drahtseile mit Klebeband umwickelt worden, was nicht den anerkannten Empfehlungen für den Bau von Klettersteigen entspreche. Auf ihn selbst habe der Steig „insgesamt einen recht wackeligen, eher unzuverlässigen Eindruck gemacht“, teilte Fischer mit und empfahl eine Nachbesserung oder Komplettsanierung. Der Stadtverwaltung habe er empfohlen, den Klettersteig aus Haftungsgründen bis zu seiner Instandsetzung zu sperren, erklärte Fischer weiter. 

Stadt kann nicht für Sicherheit garantieren 

Dieser Empfehlung will die Stadt nun offenbar nachkommen. Ulrich Betten von der Abteilung Schule, Kultur, Sport und Service bei der Stadtverwaltung bestätigte auf Nachfrage, dass es sogar konkrete Pläne gebe den Klettersteig aufzugeben und zurückzubauen, weil niemand die Haftung für mögliche Unfälle übernehmen will. Während die Sektion Gummersbach des Deutschen Alpenvereins sich um die fünf Kletterfelsen ganz in der Nähe weiterhin kümmern will, findet sich offenbar keine DAV-Sektion, die bereit ist, die Verantwortung für den Klettersteig zu übernehmen. „Nach Rücksprache mit Manfred Hoh vom Bürgerstammtisch und mit Fred Lange sind wir zu der Auffassung gelangt, dass es wohl besser ist, den Klettersteig zurückzubauen“, sagte Ulrich Betten. Die Stadt jedenfalls können für die Sicherheit des Klettersteigs nicht garantieren. 

Der Kletterfelsen werde inzwischen gut angenommen, regelmäßig seien dort Gruppen aus der näheren Umgebung, aber auch aus dem Ruhrgebiet und den Niederlanden zu sehen, hält Peter Lux vom Bürgerstammtisch dagegen. „Damit hat Werdohl eine echte Trendsportart zu bieten!“ Parallel dazu biete der Klettersteig jungen Kletterbegeisterten und Anfängern einen Einstieg in diese Freizeitbeschäftigung. „Etwas Vergleichbares gibt es im weiten Umfeld nicht“, behauptet Lux, der an den Wunsch erinnert, den der damalige Bürgermeister Siegfried Griebsch bei der Eröffnung des Klettersteigs im April 2013 geäußert hat: „...dass der Klettersteig dem Tagestourismus auf die Beine hilft.“ Dieser Wunsch ist nach Lux’ Überzeugung in Erfüllung gegangen. „Erst kürzlich war eine Lüdenscheider Schule mit 37 Schülern zum Schnupperklettern an der Altenaer Straße“, nennt er ein Beispiel dafür, dass der Klettersteig im Kreis einen guten Ruf besitzt. 

Dass die Stadt den Klettersteig nun aufgeben will, bedauert Peter Lux, ebenfalls Mitglied des Bürgerstammtisches, zutiefst. „Der Klettersteig ist neben dem Kletterfelsen gerade im Hinblick auf die touristische Entwicklung ein wesentlicher Baustein für das positive Image Werdohls“, sagt er und fragt sich, „wie man mittel- und langfristig auf eine positive touristische Entwicklung der Stadt und ihres Images bauen kann, wenn man nicht einmal den Erhalt einer gut angenommenen Attraktion sichern kann“. 

Ustea-Vorsitzender ist schockiert 

Lux hofft, dass sich der Rückbau des mit viel privatem Engagement installierten Klettersteigs noch irgendwie verhindern lässt. Verwaltung, Politik, Stadtmarketing und Stadtsportverband ruft er dazu auf, „schnell eine Lösung zum Erhalt zu finden“. Zunächst könnte aus seiner Sicht auch ein Warnhinweis helfen, dass Kletterer den Steig auf eigenes Risiko benutzen. 

In der Politik ist die Diskussion um den Klettersteig offenbar noch gar nicht angekommen. Jürgen Henke, der Vorsitzende des Ausschusses für Umwelt und Stadtentwicklung (Ustea), zeigte sich schockiert über die Nachricht. „Hinweise darauf gab es weder an den Ustea noch an die SPD-Fraktion. Ohne die genauen Hintergründe zu kennen, kann ich sagen, dass sowohl Ustea, als auch der Werdohler SPD-Ortsverein sich mit aller Macht dafür einsetzen werden, dieses Alleinstellungs- und Attraktivmerkmal für Werdohl zu erhalten“, kündigte der SPD-Politiker an. 

Es müsse nach einer Lösung gesucht werden, forderte er und kündigte an: „Einen Alleingang in dieser Angelegenheit durch die Verwaltung werden wir nicht widerstandslos hinnehmen.“ Zudem zweifelte Henke die Dringlichkeit an. Bis zur nächsten Sitzungsperiode könne die Stadtverwaltung nach Lösungen suchen, beispielsweise einen Betreiber für die Klettersteig suchen oder Versicherungsfragen abklären.

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