Herausforderung nach Lockdown

„Habe kein Personal mehr“: Nicht alle Gastrobetriebe können am Freitag öffnen

Maximilian Geier deckt die Tische im Restaurants Thuns ein: Dort wird schon an den ersten Öffnungstagen viel Betrieb herrschen, denn das Lokal ist ausgebucht.
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Maximilian Geier deckt die Tische im Restaurants Thuns ein: Dort wird schon an den ersten Öffnungstagen viel Betrieb herrschen, denn das Lokal ist ausgebucht.

Die Gastrobranche atmet weiter auf: Der Innenbereich darf wieder benutzt werden, im Außenbereich sind keine Tests mehr erforderlich. Dennoch öffnen am Freitag längst nicht alle der heimischen Gastronomiebetriebe.

Werdohl/Neuenrade/Balve – Die Gastrobranche atmet weiter auf. Nachdem die Corona-Inzidenz im Märkischen Kreis mittlerweile seit mehr als fünf Tagen in Folge unter 50 liegt, tritt ab Freitag die Inzidenzstufe 2 in Kraft.

Die bringt Lockerungen auch für die Gastronomie: Im Außenbereich dürfen Gäste dann wieder ohne Tests bewirtet werden. Zudem dürfen die Wirte ihre Innenräume wieder belegen. Am Freitag öffnen aber dennoch längst nicht alle der heimischen Gastronomiebetriebe. Der SV hat sich umgehört.

Restaurant Thuns in Werdohl

Gut ausgelastet wird schon an den ersten Öffnungstagen das Restaurant Thuns im Hotel Dorfkrug sein. „Das Restaurant ist für die ersten Tage ausgebucht“, sagt Wirt Martin Thun. Am Donnerstag liefen letzte Vorbereitungen für die Öffnung. Die Karte wurde angepasst, Essensvorräte eingelagert.

Martin Thun hat sich überlegt, dass Gäste zunächst auch im Außenbereich nicht ohne aktuellen Negativtest, Impf- oder Genesungsnachweis bedient werden sollen. Hintergrund ist der, dass die Terrasse nicht wettergeschützt ist.

„Finge es an zu regnen, würden wir die Leute drinnen weiter bedienen. Wenn wir dann erst anfangen zu kontrollieren, wird es hektisch“, denkt Thun. Dem will er vorbeugen: Der Besuch soll für die Gäste möglichst ruhig und entspannt verlaufen. Denn der Wirt freut sich, endlich wieder öffnen zu dürfen.

Allerdings werde es noch eine Herausforderung, wieder Personal zu finden, das Aushilfstätigkeiten übernimmt. Durch die vorgeschriebenen Kontrollen werde der Arbeitsaufwand zunehmen.

Haus Werdohl

Brigitte Mölders, Wirtin des Haus Werdohl, ist hörbar niedergeschlagen. „Ich kann leider am Freitag nicht öffnen“, sagt sie. „Ich habe kein Personal mehr.“ Die Situation ist verfahren. „Ich fühle mich nicht wohl dabei. Vor allem für die Gäste tut es mir leid. Aber was soll ich machen?“

Viele Mitarbeiter mit Familien haben gekündigt, als das Kurzarbeitergeld nicht mehr ausreichte, um finanziell über die Runden zu kommen. „Sie haben sich neue Arbeit gesucht, ich kann das total verstehen und bin niemandem böse deswegen“, betont Mölders. Dennoch steht sie nun vor einer riesigen Herausforderung.

„Keiner will im Moment im Gastgewerbe arbeiten“, berichtet Mölders. Ihre Bemühungen um neues Personal seien bislang ohne Erfolg geblieben. „Die Leute rechnen damit, dass nach der Urlaubszeit die Zahlen wieder so hochgehen, dass wir kein Weihnachtsgeschäft haben werden.“

Brigitte Mölders lässt sich aber noch nicht unterkriegen. Sie sucht weiter. Wer Interesse hat, das Haus Werdohl zu unterstützen, kann sich unter Tel.: 0 23 92 / 21 25 melden.

Kaisergarten in Neuenrade

„Selbstverständlich werde ich ab Freitag auch den Innenbereich öffnen“, sagt Engelbert Groke voller Vorfreude. Im Biergarten läuft der Betrieb bereits. „Es wäre beruhigender, wenn alles ohne Tests, Impfnachweise und Einschränkungen möglich wäre“, sagt Groke. Dann könne man nicht viel verkehrt machen. Außerdem seien die Kontrollen der Gäste zeitaufwendig.

Wenigstens die Registrierung muss Groke in Neuenrade nicht selbst übernehmen. Für den Besuch im Kaisergarten kann man sich digital über die Luca-App registrieren. Groke hofft, dass die Öffnung nicht nur von kurzer Dauer sein wird. „Jetzt kommt die Urlaubszeit. Einige könnten da die Virenplage wieder einschleppen.“

Tiroler Stub’n in Neuenrade

Die Tiroler Stub’n bleibt noch zu. Frühestens für den 2. Juli plant Wirt Gerald Strutzmann das „Aufsperr’n“. Grund dafür sind die Bauarbeiten, die im und rund um das Lokal am Kohlberg gerade stattfinden. Strutzmann lässt vor allem die Außenanlage mit mehreren Terrassen ausbauen. Die Realisierung dauert jedoch länger als gedacht.

Grund sind Lieferverzögerungen bis in den August. Zum Beispiel die neue Bestuhlung fehlt noch. Ebenso die Konzession für den vergrößerten Außenbereich.

Zu allem Überfluss seien in der Tiroler Stub’n defekte Tische angekommen. „Es ist zum Teil ein heilloses Durcheinander. Und es dauert alles ewig: Wir sind eben nicht die Einzigen, die die Zeit für Umbauarbeiten genutzt haben“, stellt Strutzmann fest.

Aus der Ruhe bringen lässt er sich nicht, freut sich stattdessen schon darauf, dass alles fertig wird. „Was man von den Terrassen schon sieht, ist der Wahnsinn. Da wurde ganze Arbeit geleistet. Auf den Plänen konnte ich es mir noch nicht so vorstellen.“

Ab 2. Juli will Strutzmann zumindest den bisherigen, kleineren Außenbereich auf jeden Fall öffnen, auch wenn abzusehen ist, dass bis dahin noch nicht alle Arbeiten abgeschlossen sein werden. „Ein bisschen Sommer möchte ich auch noch mitkriegen. Der Bierkeller ist schon gefüllt – das ist das Wichtigste.“ Bis zur Wiederöffnung laufen Lieferdienst und Wohnmobilservice weiter.

Drostenkeller in Balve

Katharina Hohmann, Inhaberin des Restaurants Drostenkeller, freut sich, dass sie auch im Innenbereich wieder öffnen darf. Bislang lief der Betrieb nur im Außenbereich und wurde dort schon ganz gut angenommen. „Unter der Woche waren natürlich nicht so viele Gäste da“, berichtet Hohmann.

Tests, Impfbücher oder Genesungsnachweise kontrolliert das Servicepersonal. Sich extra zu testen, das sei für Gäste schon ein Mehraufwand, den man sehr wertschätze. „Wir zeigen den Gästen gegenüber viel Verständnis“, betont Hohmann. Außen fallen die Kontrollen ab Freitag weg.

Am Freitag zu öffnen, das sei für sie kein riesiger Aufwand, sagt Hohmann. „Wir sind für den Außenbereich sowieso hier. Hygienekonzepte bestehen schon länger und haben sich eingespielt.“ Vorteilhaft sei eine Frischluftanlage, die das Gebäude bei der letzten Renovierung erhalten hat.

Restaurant Zur Höhle in Balve

Sabine Köster, Chefin des Restaurants Zur Höhle in Balve, freut sich: „Die eingegangenen Reservierungen sind umfangreicher als bisher. Wahrscheinlich liegt das an dem beständigen Wetter.“ Der Außenbereich ist schon seit einer Woche geöffnet. Dort waren bislang Tests nötig, wenn Gäste nicht geimpft oder genesen waren.

Dies ist nun nur noch für den Innenbereich erforderlich. „Es gibt viele Gäste, die das Testen immer noch meiden. Einige wollen auch einfach spontan vorbeikommen“, sagt Köster. Insofern könnten die Lockerungen nun noch einmal Besserung bringen.

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