Guter Ruf der Malteser wird missbraucht

Die Malteser warnen, denn unter ihrer Flagge scheint illegal Werbung für Versicherungen betrieben zu werden.

WERDOHL ▪ Als die 56-jährige Versetalerin am Montag den Hörer wieder auf die Gabel gelegt hatte, wusste sie nicht, was sie von dem Telefonat halten sollte. Eine männliche Stimme und ein Name, der sich nicht richtig eingeprägt hatte, stellte sich vor, er sei von den Maltesern und habe eine Frage… Erst nach einigen Recherchen stellte sich heraus: Dieser Anruf ist ein Fall für den Staatsanwalt. Zumal es nach bisherigem Kenntnisstand nicht der einzige war und ganz offensichtlich auch in Hinsicht auf die Verletzung des Datenschutzes Ansätze für Ermittlungen gibt.

Der vermeintliche Malteser-Mitarbeiter, der seine Rufnummer unterdrückt hatte, damit sie auf dem Display nicht zu sehen war, wollte wissen, wie er denn den Vater der 56-Jährigen erreichen könne. Der nämlich sei schon viele Jahre Mitglied bei den Maltesern, und man habe wegen einer Rentner-Betreuung Gesprächsbedarf.

Der Unbekannte ließ sich auch durch den Hinweis nicht beeindrucken, dass der Vater bereits vor gut zwei Jahren gestorben sei. Unbeirrt und unbeeindruckt spulte er seinen vermutlich vorgegebenen Text ab, bevor das Gespräch endete. Eine Geräuschkulisse im Hintergrund (wie etwa in einem Callcenter) gab es nicht.

Abgesehen von der Frage, wie der Anrufer an die Telefonnummer der Versetalerin gekommen sein konnte, zumal sie nicht mehr ihren Mädchennamen trägt, gab es Klärungsbedarf zu den Inhalten des Gespräches, denn der Verstorbene war niemals Mitglied bei den Maltesern.

Für Marc Schuler, den stellvertretenden Kreisbeauftragten der Malteser im heimischen Raum, war das nicht neu. Auch in Lüdenscheid, so berichtete er, sei – ebenfalls am Montag – ein solcher Anruf aufgelaufen. Offenbar, so seine Vermutung, versuche eine Versicherungsagentur, mit dem guten Namen der Malteser Werbung für den Abschluss einer Versicherung zu betreiben. Dabei gehe es – wie beispielsweise in Lüdenscheid – um eine Pflegegeld-Versicherung bzw. Riester-Rente. Ein solches Vorgehen sei illegal. Man werde versuchen, den Sachverhalt zu klären und behalte sich rechtliche Schritte vor.

Zwar arbeiten die Malteser auf Bundesebene mit verschiedenen Versicherungen zusammen, doch dabei gehe es um andere Inhalte und Leistungen, erläuterte Marc Schuler. Sollten auf Bundesebene besondere Aktionen geplant werden, müssten die Kreisverbände vorher informiert sein. Schuler warnte deshalb eindringlich davor, auf solche Anrufe, wie sie am Montag bekannt wurden, einzugehen. Für entsprechende Informationen sei man dankbar.

Rainer Kanbach

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