Auf gutem Weg ohne Standards

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Sibille Böddecker von der Gemeinschaftsgrundschule Kleinhammer/Königsburg berichtete über den Stand der Sprachförderung in Werdohl. ▪

WERDOHL ▪ Die Sprachförderung Werdohler Kinder vor Schuleintritt ist nicht einheitlich geregelt. Aber dennoch seien Fortschritte gemacht worden. Das berichtete Schulleiterin Sibille Böddecker am Dienstag im Jugendhilfeausschuss.

In einem Arbeitskreis sitzen Erzieherinnen der Kindertageseinrichtungen und die Grundschulleitungen zusammen und versuchen, einen gemeinsamen Weg der Sprachförderung einzuschlagen. Sandra Fischbach vom städtischen Kindergarten Momo und Sibille Böddecker von der Gemeinschaftsgrundschule Königsburg/Kleinhammer klärten den Ausschuss darüber auf, dass entgegen der Vorlage der Verwaltung längst nicht alle Vorgaben und Vereinbarungen von 2006 umgesetzt seien.

Vor allem Ausschussvorsitzender Cornelius Böttcher (SPD) bohrte immer wieder nach, ob Fortschritte gemacht wurden und ob sie messbar seien. Durch ihn hatte der Ausschuss erfahren, dass Werdohl in Sachen Sprachförderung das Schlusslicht im Märkischen Kreis sei.

Böddecker sagte, dass es immerhin einen Fazitbogen für jedes Kind Ende der Kindergartenzeit gebe. Die Grundschulen hätten die Möglichkeit, mit einem Delfin 5 genannten Test die Sprachfähigkeit zu überprüfen. Dieser Test sei nicht ausreichend erprobt und nicht verpflichtend. Delfin 5 bedeute eine enorme Belastung für die Kinder, so Böddecker: „Wir haben das mal mit Lernanfängern gemacht, die waren danach total fertig.“ Ausschussvorsitzender Böttcher stellte fest, dass es offensichtlich keine einheitliche Überprüfung des Sprachstandes Werdohler Grundschüler gibt.

Zudem kam heraus, dass es unterschiedliche Ansätze zur Sprachförderung gibt, je nachdem, ob es sich um städtische Kindergärten oder die anderer Träger handelt. Die Frage, ob eine Vereinheitlichung der Methodik sinnvoll sei, konnte nicht genau beantwortet werden. Böddecker warb dafür, jeder Einrichtung die ihr liebste Methodik zuzugestehen: „Wir sollten Vertrauen haben, dass es funktioniert.“

Rolf Neuhäuser von der SPD blieb skeptisch: „Alle arbeiten freiwillig ohne einheitliche Standards, das klingt anders als die Vereinbarungen im Arbeitskreis.“ Sandra Fischbach warf ein, dass man sich besser schon mit Sprachförderkonzepten für Zweijährige beschäftigen sollte. Im Arbeitskreis sei zunächst „Grundlegendes“ und „Wohlwollendes“ erreicht worden. Sie gab zu bedenken, dass das Sprachförderprogramm „Kon-Lab“ sehr teuer sei und viel Erfahrung verlange. Der gesamte Ausschuss sicherte dem Arbeitskreis zu, dass die Sprachförderung auf keinen Fall an den Finanzen scheitern dürfe. ▪ Volker Heyn

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