Gute Chancen für neue Kinderarztpraxis in Werdohl

+
Ein kleines Mädchen wird von einer Kinderärztin untersucht. Die ärztliche Versorgung in Kleinstädten wie Werdohl ist gefährdet, viele Mediziner sind über der Altersgrenze und Nachfolger finden sich schwerlich. 

Werdohl - Die Chancen, dass sich nach der Schließung der kinderärztlichen Praxis von Dr. Zati Altay zum Jahresende eine neue Praxis in Werdohl ansiedelt, stehen gut.

Es gibt wohl ein konkretes Interesse einer Arztpraxis für den Standort Werdohl, allerdings nicht in der direkten Nachfolge im Gebäude an der Freiheitstraße. Bürgermeisterin Silvia Voßloh arbeitet hinter den Kulissen mit Hochdruck an der Ärzteversorgung in Werdohl. 

Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KV) hat in diesen Tagen die Förderung zur Ansiedlung von Hausärzten in Werdohl auch auf Kinderärzte ausgeweitet. Das sagte Jens Flintrop, Sprecher der KV Westfalen-Lippe mit Sitz in Dortmund. In der KVWL sind 15 000 Vertragsärzte, Psychologen und Psychotherapeuten organisiert, es besteht eine Pflichtmitgliedschaft. 

Förderprogramm für unterversorgte Gebiete

Für unterversorgte Gebiete unterhält die KVWL ein Förderprogramm. Bislang bekamen ausschließlich Hausärzte, die sich in Werdohl ansiedeln wollen, eine Förderung von bis zu 50 000 Euro. Die KV gibt Ärzten, die sich niederlassen wollen, eine Umsatzgarantie. Die Vereinigung füllt die Differenz zwischen den tatsächlichen Umsätzen der Praxis mit den vorher vereinbarten Beträgen auf. Das gebe vor allem jungen Ärzten eine gewisse Sicherheit. Diese Förderung galt bislang nur für Hausärzte in Werdohl, seit ein paar Tagen gilt sie auch für Kinderärzte. Jens Flintrop betont, dass die Werdohler Förderung erstmalig für eine Stadt im Bereich Westfalen-Lippe gilt. 

Grundsätzlich sei die kinderärztliche Versorgung in Westfalen-Lippe gut. Nach dem voraussehbaren Weggang von Dr. Altay zum Jahresende seien den Werdohler Eltern nicht weite Wege zu Ärzten in die Nachbarstädte zuzumuten. Auf die niedergelassenen Kinderärzte sei mit der Zeit aber immer mehr Arbeit zugekommen. Es gebe mehr Pflichtvorsorgeuntersuchungen, mehr Impfungen und zunehmend mehr psychologische Probleme bei Kindern. Für den einzelnen Arzt habe der zeitliche Arbeitsaufwand pro Kind deutlich zugenommen. 

Konkurrenz um Ärzte mit den Nachbarstädten 

Bürgermeisterin Silvia Voßloh reklamiert die Initiative bei der KVWL für sich. Sie sei schon seit langer Zeit hinter den Kulissen „sehr intensiv unterwegs“, um gegen den Ärztemangel in Werdohl anzugehen. Diese Gespräche führe sie stets im Stillen, da unter den Nachbarstädten eine regelrechte Konkurrenz um niederlassungswillige Ärzte entstanden sei. Neuenrade zum Beispiel locke Ärzte mit einer zusätzlichen Prämie von 10 000 Euro und weitergehender Unterstützung. Voßloh: „Ich habe meine Ansprechpartner bei der KV und baue jetzt Kontakte zur Ärztekammer auf.“ Auch mit der Bezirksregierung spreche sie über den Ärztemangel in Werdohl, Regierungspräsident Vogel sei im Bilde. Bei der Werdohler Ärzteschaft sei sie gut bekannt und vernetzt: „Wenn dort Hilfe gebraucht wird, werde ich angesprochen.“ 

Aktuell hege sie große Hoffnungen, dass sich im Laufe des Jahres 2019 in Werdohl eine neue Kinderarztpraxis ansiedeln werde. Interessenten werde es allerdings durch Vorschriften sehr schwer gemacht. Es gebe sehr hohe bürokratische Hürden, die im Sinne der Ärzte und der Patienten beseitigt werden müssten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare