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Gütiges Gerichtsurteil gegen junge Leute

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Von: Thomas Krumm

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Der Prozess vor dem Landgericht Hagen gegen zwei Werdohler und einen Plettenberger wurde gegen Geldauflagen eingestellt.
Der Prozess vor dem Landgericht Hagen gegen zwei Werdohler und einen Plettenberger wurde gegen Geldauflagen eingestellt. © dpa / Marius Becker

Der Strafprozess gegen drei junge Männer aus Werdohl und Plettenberg, denen eine räuberische Erpressung und Körperverletzung am Birkenweg in Werdohl vorgeworfen wurde, ist beendet.

Werdohl/Plettenberg – Die Jugendstrafkammer des Landgerichts stellte das Strafverfahren gegen Geldauflagen ein. „Sie haben kapiert, dass Sie gewaltig Mist gebaut haben und dass sich so etwas nicht wiederholen darf“, gab der Vorsitzende Richter Christian Potthast den Angeklagten mit auf den weiteren Lebensweg. Es sei eine gute Entscheidung gewesen, vor Gericht Angaben zu den Geschehnissen zu machen. Diese seien auch weitgehend glaubwürdig: „Wir gehen davon aus, dass man das Tatgeschehen so rekonstruieren kann, wie Sie das hier eingeräumt haben.“

Die Richter gingen nach den Zeugenaussagen davon aus, dass der Hauptgeschädigte einen Tag vor dem Angriff am Birkenweg einen der drei Angeklagten in dessen Wohnung mit einer Pistole geschlagen hatte, um Geldschulden einzutreiben. Daraufhin hätten sich die Angeklagten zusammengetan. „Sie wollten dem einen mitgeben – davon sind wir überzeugt“, sagte der Richter und kritisierte die damit verbundene Selbstjustiz des zuvor selbst bedrohten und verletzten Angeklagten: „Da waren Sie Opfer in der Situation. Das rechtfertigt aber nicht, dass Sie zum Täter wurden.“

Alle drei Angeklagten waren zum Zeitpunkt der Tat 20 Jahre alt. Es stellte sich im Verfahren deshalb die Frage, ob sie noch nach Jugendstrafrecht zu verurteilen seien. Das zwingendste Argument, dies zu tun, war der Entschluss, die Sache selbst in die Hand zu nehmen, anstatt zur Polizei zu gehen: „Sie haben in jugendtypischer Weise gefragt: Was machen wir denn jetzt?“ Die Fehlentscheidung, selber tätig zu werden, habe eine „strafrechtlich durchaus bedenkliche Situation“ heraufbeschworen: „Sie sind um Haaresbreite an einer Katastrophe für Ihr Leben vorbeigeschrappt.“

In diesem Zusammenhang führte der Richter den Angeklagten noch einmal vor Augen, was für Strafen ihnen im Erwachsenenstrafrecht gedroht hätten: Mindestens sechs Monate für eine gefährliche Körperverletzung und fünf Jahre für eine schwere räuberische Erpressung. 300 Euro sollten die Angeklagten – laut Anklage – in jener Nacht zum 30. Mai 2021 aus dem Portemonnaie ihres verprügelten und zeitweise bewusstlosen Opfers entnommen haben. Dieser Vorwurf ließ sich allerdings nicht erhärten: „Ein Wegnehmen können wir hier nicht feststellen.“

Einer der Angeklagten war in der Vergangenheit schon durch Körperverletzungen aufgefallen. Das lag allerdings einige Jahre zurück. Es war bei allen drei Angeklagten deutlich, dass sie sich derzeit auf einem guten Weg befinden. Eine Mitarbeiterin eines ihrer Ausbildungsbetriebe drohte wegen des Strafverfahrens damit, ihren beiden Auszubildenden den Kopf abzureißen, wenn sie Blödsinn gemacht hätten. Das wäre eine strafrechtlich bedenkliche Lösung, bemerkte der Vorsitzende. Unbedenklich sei hingegen die Ankündigung, den beiden den Kopf zu „waschen“. „Wir sind auf solche Arbeitgeber angewiesen, die jungen Leuten eine Chance geben“, fasste Christian Potthast diesen Aspekt der Geschichte zusammen.

Letztlich stimmte auch Staatsanwalt Philipp Schenk einer Einstellung des Verfahrens zu. Diese gab es allerdings nicht ganz zum Nulltarif: Je nach Einkommen müssen die Angeklagten Geldauflagen zwischen 210 und 420 Euro zahlen. Außerdem müssen sie sechs Monate lang eng mit ihren Jugendämtern im Rahmen einer Betreuungsweisung zusammenarbeiten.

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