Günter Wachsmuth hängt die Astschere an den Nagel

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Günter Wachsmuth ist seit fast 60 Jahren mit der Astschere unterwegs. Am Samstag war er – zum letzten Mal – bei den Versetaler Gartenfreunden zur Obstbaumschnittaktion.

WERDOHL -  Seit fast 60 Jahren ist Günter Wachsmuth mit Astschere und Säge unterwegs. Seit rund 15 Jahren kümmert sich der Diplom-Ingenieur und Gartenfachmann aus Lüdenscheid auch in Werdohl um den richtigen Schnitt. Wie vielen Bäumen er im Auftrag des Versetaler Obst- und Gartenbauvereins da schon zu Leibe gerückt ist? Das ist kaum zu sagen. Jetzt hängt der 80-Jährige sein Werkzeug an den Nagel.

„Einen Baum kann man verjüngen. Das klappt bei uns nicht“, schmunzelte er am Samstag im Garten von Familie Hebert. Diese kleinen Bemerkungen am Rande sind es – neben seinem großen Fachwissen natürlich – wegen derer seine Obstbaumschnittaktionen von den Versetaler Gartenfreunden so geschätzt wurden. Auch am Samstag versammelten sich rund 30 Besucher im strömenden Regen, um sich noch einmal fachkundige Anleitungen für den Umgang mit dem knorrigen Geäst zu holen. Kein optimales Wetter für den Schnitt, aber der Mond stand gut – für Günter Wachsmuth war der Mondkalender schon immer ein entscheidendes Kriterium für die Gartenarbeit.

In deren Mittelpunkt rückte am Samstag zunächst ein kleiner Birnbaum. Noch jung an Jahren, doch schon recht vergreist präsentierte er sich dem Fachmann und den Zuschauern mit einem wilden Gestrüpp an Ästen. „Da müssen wir erst einmal Luft machen“, meinte Günter Wachsmuth und kappte beherzt die aufrecht wachsenden Wasserschosse, sich aneinander reibende Äste und die aufstrebende Spitze. „Wir müssen da ordentlich ran, damit er wieder austreibt und schöne Früchte tragen kann“, meinte der Experte und beruhigte die angesichts des immer weniger werdenden Geästes skeptisch blickenden Zuschauer: „Es ist noch genug Fruchtholz da. Der Schnitt gibt einen neuen Schub.“

„Er ist nicht pingelig“, stellte ein Beobachter fest, aber das war für die treuen Kursbesucher nicht neu. Aus Erfahrung wissen sie, dass auch die radikalen Beschneidungen im Nachhinein von Erfolg und Fruchtertrag gekrönt werden.

Der alljährliche Obstbaumschnitt mit Günter Wachsmuth gehörte für viele Mitglieder des Versetaler Vereins zum festen Termin im März. „In der Theorie ist alles so einleuchtend. Wenn man dann mit der Schere selbst vor seinem Baum steht, wird es schwierig“, weiß auch Vorsitzende Hannelore Klein aus eigener Erfahrung.

In Zukunft werden die Versetaler ohne Günter Wachsmuth auskommen müssen. Um die Bäume in Werdohl muss einem aber dennoch nicht bange werden. Hannelore Klein hat bereits einen Nachfolger für Günter Wachsmuth in petto.

Von Hildegard Goor-Schotten

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