Grundschule St. Michael: Elterntaxis weiterhin eine Gefahr

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Am Straßenrand kurz anhalten, die Kinder aussteigen lassen und zur Schule auf der anderen Straßenseite schicken – das ist die allmorgendliche Situation an der St.-Michael-Grundschule.

Werdohl - Manchmal traut Christel Kringe ihren Augen kaum: „Wenn es regnet, dann steigen einige Eltern mit ihren Kinder aus. Sie begleiten sie – mit aufgespanntem Regenschirm – von der Mittelstraße bis hinunter zum Eingang der Schule. Das Auto steht währenddessen im schlimmsten Fall mit laufendem Motor mitten auf der Fahrbahn.“

„Nein, die Situation hat sich leider nicht verbessert, eher ist das Gegenteil der Fall. Es herrscht hier nach wie vor Verkehrschaos“, stellt die Leiterin der Katholischen Grundschule St. Michael fest. Stichproben der Redaktion am Donnerstagmittag und Freitagmorgen konnten diese Darstellung nicht ganz bestätigen. Zwar kam es vor allem am Morgen kurz vor Schulbeginn zu der einen oder anderen brenzligen Situation, von dramatischen oder gar chaotischen Zuständen war das allerdings weit entfernt. 

Eilige Autofahrer benutzen den Gehweg 

Ende Juni hatte diese Zeitung über die Probleme berichtet, die durch die zahlreichen Elterntaxis verursacht werden: Autos halten nebeneinander in der Straße oberhalb der Schule. Besonders eilige Verkehrsteilnehmer fahren dann über den Gehweg, um sich vorbei zu drängen. Mädchen und Jungen laufen Slalom um die haltenden und parkenden Autos. Gefährliche Situationen sind an der Tagesordnung. 

Dabei habe die Stadtverwaltung Wort gehalten. „Es wird regelmäßig kontrolliert. Auch die Polizei habe ich mehrmals hier gesehen“, berichtet die Schulleiterin. Genutzt habe das alles aber rein gar nichts: „Knöllchen interessieren die meisten nicht.“ Und wenn kein Kontrolleur mehr in Sicht sei, gehe es ohnehin drunter und drüber. 

Kontrollen haben höchste Priorität

Ordnungsamtsleiterin Andrea Mentzel kann diese Aussage nur bestätigen. „Es ist leider wirklich so. Sobald wir nicht mehr in Sicht sind, verschlimmert sich die Situation.“ Die Kontrollen an den Schulen hätten höchste Priorität und seien inzwischen auf ein Maximum ausgeweitet worden: „An drei Tagen pro Woche sind wir an den Schulen präsent. Doch auch dann können wir natürlich nicht an jeder Schule gleichzeitig einen Mitarbeiter positionieren.“ 

An anderen Stellen des Stadtgebietes scheinen die Kontrollen allerdings etwas mehr Wirkung zu zeigen; möglicherweise sind dort auch die Eltern einsichtiger: In Kleinhammer und an der Feldstraße habe sich die Situation etwas entspannt, erklärt Claudia Gierse, die kommissarische Leiterin der Gemeinschaftsgrundschule. „Es kommt nicht mehr so häufig zu gefährlichen Situationen.“ 

Trend: Am besten bis in den Klassenraum 

Neu ist das Elterntaxi-Problem natürlich nicht, schon vor vielen Jahren waren Kontrollen an den Grundschulen notwendig. Allerdings steigt die Zahl der Kinder, die mit dem Auto zur Schule gebracht werden, ständig an. „Und der Trend, die Kinder am besten bis in den Klassenraum zu fahren, hat sich verstärkt“, stellt Christel Kringe fest. 

Oftmals spiele dabei wohl auch die Sorge um das Wohlergehen des eigenen Kindes eine Rolle. „Aber genau das wird für diese Kinder zum Problem – und zwar genau dann, wenn immer mehr Eltern so denken und sich dermaßen dramatische Szenen vor der Schule abspielen.“ Sie appelliert erneut eindringlich an alle betroffene Eltern: „Bitte denken Sie noch einmal darüber nach, ob Sie Ihr Kind zukünftig nicht ein paar Straßen weiter aussteigen lassen können.“ 

Bürgermeister Silvia Voßloh hat das Problem an den Grundschulen im Blick. „Es beschäftigt uns ja schon lange“, stellt sie fest. Jetzt habe sich die Lage allerdings zugespitzt. „Darauf konnten wir zunächst nur mit den verstärkten Kontrollen reagieren“, erklärt sie. Dabei solle es aber nicht bleiben, unterstreicht Voßloh und berichtet von einem Lösungsansatz, der allerdings noch Vorgespräche erfordere.

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