Grundschule St. Michael 150 Jahre bewegte Geschichte

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Auf diesem Grundstück, auf dem heute das katholische Jugendheim steht, wurde 1865 die erste katholische Grundschule Werdohl errichtet.

Werdohl - Die Geschichte der Städtischen Katholischen Grundschule, die in diesem Jahr ihr 150-jähriges Bestehen feiert, ist gekennzeichnet durch bewegte und politisch unterschiedlich begleitete Kapitel. Das wird aus einem Aufsatz von Ferdinande Imöhl aus dem Jahr 1986 deutlich, die der Schule in leitender Funktion bis zur Pensionierung sehr nahegestanden hat.

Schon als die St. Michael-Gemeinde 1861 gegründet wurde, war der Ruf laut geworden, eine katholische Schule ins Leben zu rufen. Zwei Jahre später ging der Wunsch in Erfüllung: Die junge Gemeinde erhielt die Erlaubnis, eine private katholische Schule einzurichten. Der Unterricht begann in einem großen Zimmer des Pfarrhauses und wurde von Missionspfarrer Hardebusch erteilt, der wenig später durch einen Schulamtskandidaten unterstützt wurde.

Die Vorzeichen waren in der Folgezeit günstig, die Zahl der katholischen Schüler in Werdohl stieg ständig an. Raumnot war die Folge. Am 20. Mai 1865 stellte die St. Michael-Gemeinde den Antrag, die private in eine öffentliche katholische Schule umzuwidmen. Die Genehmigung wurde mit Datum vom 1. Oktober 1865 erteilt. 13 Jahre später konnte ein mit kirchlichen Geldern errichtetes Schulgebäude bezogen werden – auf dem Grundstück, auf dem das heutige katholische Jugendheim an der Neustadtstraße steht.

Die Zahl der Schulkinder war bis dahin bereits auf 91 angestiegen. Sie mussten teilweise weite Wege – auch von einsam gelegenen Höfen – zurücklegen, um am Unterricht teilzunehmen. Schon 1883 erwies sich das gerade erst vor zehn Jahren errichtete Schulgebäude als zu klein. Es gab zum Preis von 8700 Goldmark einen Erweiterungsbau. Mit 138 Mädchen und Jungen wurde nun die Schule zweiklassig geführt, und es gab eine dritte Lehrkraft. Wegen der weiterhin steigenden Schülerzahlen wurde zur Entlastung in Eveking an der Kirchstraße um 1900 eine katholische Volksschule gebaut – die spätere Petrus-Canisius-Schule (heute das Malteser-Hauptquartier). Im Jahr 1909 entstand der Bau der katholischen Schule an der Brüderstraße, der 19 Jahre später einen Anbau erhielt. Im Dritten Reich wurde das Gebäude an die Mittelschule (später Realschule) übergeben. Heute beherbergt sie die VHS und Musikschule.

Während der Nazi-Zeit kam es zur Auflösung der Konfessionsschulen. Erst nach der Kapitulation des Deutschen Reiches und dem Ende des Zweiten Weltkrieges konnte der Unterricht wieder beginnen. Die im Amt zugelassenen Lehrer wurden von der Militärregierung neu verpflichtet. Allerdings durfte die katholische zunächst nur als Gemeinschaftsschule bestehen bleiben. Die Eltern wehrten sich und hatten Erfolg. Im April 1947 gab es wieder die katholische Schule. In der Folgezeit stiegen die Schülerzahlen in der Spitze auf 480.

Den Namen Städtische St. Michael-Schule gibt es seit Ende September 1962 auf der Grundlage eines Ratsbeschlusses. 1968 wandelte eine Reform die Schullandschaft: Die Volksschulen wurden in Grund- und Hauptschulen aufgeteilt. Die St. Michael-Schule wurde als katholische Grundschule weitergeführt. Es ist die einzige, denn wegen schwindender Schülerzahlen wurde der Standort Eveking geschlossen.

Während der 150-jährigen Geschichte wurden mehrmals die Gebäude gewechselt. Nach der Neustadt- und Brüderstraße ging es in die sogenannte „Rote Schule“ und später in die „Weiße Schule“. Inzwischen ist die St. Michael-Schule an der Mittelstraße zu Hause – dort, wo zuvor die unteren Klassen der Realschule unterrichtet worden sind. Die Schülerzahl hat sich bei rund 200 eingependelt. Zehn Lehrkräfte vermitteln ihnen die Grundpfeiler des Wissens.

Von Rainer Kanbach

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