Grundschulchor ist noch Zukunftsmusik

Das Orchester „Kunterbunt“ probt jeden Donnerstag in der Schule in Ütterlingsen.

WERDOHL ▪ „Was machst du für Geräusche?“ – Diesen Satz hat Britta Schwarze schon gehört, als sie mit Kindern ein Lied angestimmt hat. „Musik kann ein Schlüsseleerlebnis für Kinder sein“, ist die Schulleiterin der evangelischen Grundschule in Ütterlingsen überzeugt und daher froh, dass das Jeki-Projekt („Jedem Kind sein Instrument“) in diesem Jahr wieder gestartet werden konnte.

Positiv sieht sie daher auch das neue Projekt namens Jekiss („Jedem Kind seine Stimme“). Die Gründung eines Chores, bestehend aus Kindern aller Werdohler Grundschulen, ist zwar noch Zukunftsmusik, einen Arbeitskreis gibt es aber bereits.

Am Jeki-Projekt, eine Initiative der Kulturstiftung des Bundes, des Landes NRW und der Zukunftsstiftung Bildung, nehmen die Werdohler Grundschulen an den Standorten Ütterlingsen, Innenstadt (St. Michael) und Kleinhammer teil. Bis zum Sommer war allerdings unklar, ob das Projekt noch einmal gefördert werden würde. „Das ist jetzt gesichert“, freut sich Grundschulleiterin Britta Schwarze. Die Erstklässler, die zunächst verschiedene Instrumente kennen lernen, haben im zweiten Schuljahr die Möglichkeit, Instrumentalunterricht zu erhalten – Instrumente wie Keyborad oder Saxonette stehen dabei zur Auswahl. Eltern müssen sich dann allerdings mit 20 Euro pro Monat an den Kosten beteiligen. In Ütterlingsen proben derzeit neun Zweitklässler immer donnerstags in der sechsten Stunde im Orchester „Kunterbunt“. Sechs Kinder erlernen Keyboard, drei Schüler haben sich für das Blasinstrument Saxonette entschieden. Unterrichtet werden sie von Irmhild Haastert und Nicola Holzmann von der Musikschule.

Ob das Jeki-Projekt im kommenden Jahr noch einmal gestartet werden kann, ist aber nach der Einschätzung von Britta Schwarze „ausgesprochen fraglich“. Die Schulleiterin hat dafür aber große Hoffnungen für ein neues Projekt. Mit Jekiss - „Jedem Kind seine Stimme“ - soll das Singen auch in Schulen wieder gefördert werden.

Dazu müssten aber zunächst die Lehrer ausgebildet werden. „Wenn sie dazu bereit sind, ist das eine tolle Sache“, hofft Britta Schwarze. Singen komme aus der Mode, daher seien heute auch viele Lehrer unsicher. Auch die Musikschule ist wieder involviert. Die Musikerin Marion Jeßegus besuche Fortbildungen für dieses Projekt, um dann Grundschullehrer fortbilden zu können.

„Wir sind alle mit Feuer und Flamme dabei“, spricht Britta Schwarze für ihre Kollegen und hofft auf ein positives Ergebnis, wenn sich Ende November der Arbeitskreis, bestehend aus Lehrern aller Grundschulen trifft.

Mit etwas weniger Euphorie beurteilt hingegen Sibille Böddecker, Leiterin der Gemeinschaftsgrundschule, das Projekt. „Wir sind aufgeschlossen, wollen aber abwarten, mit wie viel Aufwand das Projekt endgültig umgesetzt werden soll.“ Letztlich komme es darauf an, wie weit die Kollegen noch zusätzlich belastet werden könnten. Nach dem schulinternen Lehrplan sei auf der Königsburg ohnehin jeder Lehrer verpflichtet, Musik zu unterrichten.

Die Schulleiterin bedauert hingegen, dass die Grundschule auf der Königsburg aus dem Jeki-Projekt „rausgekickt“ worden sei. Warum das geschehen sei, sei nicht nachvollziehbar. „Wir hätten auch gern mitgemacht“, betont Sibille Böddecker. Am Schulstandort probe das Schulorchester im Rahmen des Projektes hingegen wöchentlich.

Ob sich ein Schulchor aller Schulen in der Realität durchführen lassen, werde sich noch zeigen, möchte Sibille Böddecker zunächst die Gespräche im Arbeitskreis abwarten. - Simone Benninghaus

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