Gründungsschulleiter nimmt Abschied von der AEG

Bürgermeister Siegfried Griebsch (links) überreichte Heinz Rohe ein gläsernes Stadtwappen zum Abschied. - Foto: Koll

WERDOHL -   Wie viele Schüler Heinz Rohe in den vergangenen 41 Jahren seines Lehrerlebens unterrichtet hat, kann er beim besten Willen nicht mehr sagen. Gleiches gilt für die Zahl der Klassenarbeitshefte und Klausurbögen, die auf seinem Schreibtisch landeten und die der 65-Jährige mit roter Tinte korrigiert hat.

„Es waren sicher Tausende“, sagt der Schulleiter der Albert Einstein-Gesamtschule mit einem Lächeln. Am 16. Juli wird Rohe ab 10.30 Uhr im Rahmen einer Feierstunde in den Ruhestand verabschiedet. Gestern stand die Verabschiedung durch Bürgermeister Siegfried Griebsch auf Rohes Stundenplan.

„Von Woche zu Woche wird mir bewusster, dass das Ende meiner Dienstzeit naht“, sagt Rohe. Doch gegen Ende des Schuljahres sei natürlich immer viel zu tun – vor allem organisatorisches. So müsse das alte Schuljahr abgeschlossen und das neue vorbereitet werden.

Heinz Rohe ist als Gründungsschulleiter seit 23 Jahren an der Albert Einstein-Gesamtschule (AEG). „Ich kenne hier jeden Stein, jede Wand und jeden Kollegen, der hier unterrichtet hat“, sagt der Pädagoge, der am 25. Februar 1948 in Steinfeld bei Oldenburg geboren wurde. Nach dem Abitur und dem Wehrdienst studierte Rohe in Münster und Freiburg die Fächer Latein und Geschichte. Sein Referendariat absolvierte er am Gymnasium Theodorianum in Paderborn. „Ich habe mich anschließend ganz bewusst für die neue Schulform Gesamtschule entschieden. Lehrerkinder unterrichten kann jeder. Für mich war es eine besondere Herausforderung, Kinder und Jugendlichen den Lernstoff zu vermitteln, die vielleicht von zu Hause nicht die Startvoraussetzungen mitbringen“, so der 65-Jährige.

1975 begann Rohes Lehrerkarriere an der Gesamtschule in Kierspe, einer der ersten, die damals in Nordrhein-Westfalen eingerichtet wurde. Dort war er als Beratungslehrer tätig, bevor er in den 80er-Jahren an die Gesamtschule Lüdenscheid wechselte.

Als dann nach mehreren gescheiterten Versuchen auch in Werdohl die Gesamtschule etabliert werden sollte, wurde Heinz Rohe zum Gründungsschulleiter gewählt. „Damals durfte ich die Anmeldungen entgegen nehmen“, erinnert er sich. Die Verantwortlichen seien davon ausgegangen, dass zahlreiche Eltern ihre Kinder anmelden würden, doch das Verfahren sei schleppend verlaufen. „Die erforderliche Zahl wurde damals gerade erreicht“, erinnert sich Rohe. Von dem Gerücht, dass der eine noch fehlende Schüler angemeldet wurde, der die AEG später gar nicht besuchte, hat Rohe auch gehört: Das sei aber nur ein Gerücht.

Am 1. August 1990 ging die Schule mit zehn Lehrern an den Start. Vor allem die Aufbaujahre seien spannend gewesen. Rohe: „Man konnte in jeder Form gestalten. Schließlich musste das Gebäude für die Bedürfnisse einer Ganztags- und Gesamtschule umgebaut werden. Da konnte ich mich als Schulleiter gut einbringen.“ 1996 verließ der erste Zehnerjahrgang die Schule. Die ersten Abiturienten entließen Rohe und sein Team im Jahre 1999.

Rohe hat die AEG in den vergangenen 23 Jahren seiner Tätigkeit als Schulleiter nicht nur vom Schreibtisch aus verwaltet. Oft hat er selbst zu Latein-Buch und Kreide gegriffen. „Derzeit unterrichte ich zwölf Stunden in der Woche und jeder Kursus ist ein Korrekturkursus“, sagt der umtriebige Pädagoge, der täglich um 5 Uhr aufsteht, um pünktlich um 6.30 Uhr in der Schule zu sein. Ihm sei es immer wichtig gewesen, neben der Verwaltungsarbeit als Schulleiter auch vor der Klasse zu stehen. „Das ist für mich oft Erholung. Es kommen keine Mails und das Telefon klingelte auch nicht“, erklärt Rohe.

In ein Loch werde er nach seiner Verabschiedung sicher nicht fallen. Schließlich gebe es auch ein Leben nach der Schule. Er werde noch etwas schreiben. „Was verrate ich aber noch nicht“, macht es der Vater eines erwachsenen Sohnes spannend. Auch werde er sich weiter in der Vereinigten Gesellschaft Werdohl-Neuenrade engagieren. Im kommenden Frühjahr will Rohe gemeinsam mit seiner Frau nach Indien reisen.

Wer Rohe an der AEG als Schulleiter folgen wird, steht indes noch nicht fest. Die Schulleiterstelle sei von der Bezirksregierung Arnsberg bisher zum zweiten Mal ausgeschrieben worden. „Wir haben die Aufgaben schulintern aufgeteilt.“ Die stellvertretende Schulleiterin Brigitte Assor werde die Gesamtschule nach den Sommerferien zunächst kommissarisch leiten.

Bei der Verabschiedung im Rathaus erzählte Rohe dem Bürgermeister, dass er in den Anfangsjahren an der Werdohler Lehranstalt „manches Konzept bei mir zuhause auf dem Fußboden“ erarbeitet habe. Stadtoberhaupt Siegfried Griebsch meinte: „Einen Schulleiter, der die Gesamtschule aufgebaut und so lange geleitet hat, darf ich einfach nicht so sang- und klanglos ziehen lassen.“ Er überreichte dem Rektor ein gläsernes Stadtwappen, welches bei Rohe zuhause in Neuenrade einen Ehrenplatz finden soll.

Von Ute Heinze

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