Großfahrgeschäfte halten in Werdohl Winterschlaf

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Schaukeln, überschlagen, auf und ab: Eine Fahrt mit dem Großfahrgeschäft Top Spin setzt sicher bei den meisten das Stresshormon frei. Doch auch für Schausteller Alexander Langhoff ist das Reisen mit dem Riesen im Schlepptau mitunter abenteuerlich.

Werdohl - „Adrenalin pur“ steht auf der Rückseite der Gondel, in der die Top-Spin-Fahrgäste den Nervenkitzel suchen. Wäre Schausteller Alexander Langhoff nicht schon so lange im Geschäft, würde er die Wirkung des Stresshormons sicher auch zu spüren bekommen, wenn er mit dem etwa 50 Tonnen schweren Fahrgeschäft im Schlepptau von einer Stadt in die nächste fährt.

Inzwischen befindet sich das Großfahrgeschäft im Winterschlaf – in einer Halle an der Gewerbestraße in Werdohl. Dort steht der Plettenberger Schaustellerfamilie ein insgesamt 7000 Quadratmeter großes und gut gesichertes Gelände zur Verfügung. „Wir teilen es uns mit anderen Firmen und nutzen selbst etwa 1500 Quadratmeter“, erzählt Alexander Langhoff. 

Momentan sind dort noch viele Stellplätze frei, denn die Winterpause beginnt erst in knapp zwei Wochen. „Dann stehen hier drei Großfahrgeschäfte für Erwachsene, drei Kinderkarussells und fünf Zugmaschinen“, zählt der Schausteller auf. Hinzu kommen diverse Verkaufsanhänger. 

Wartungen während der jahrmarktfreien Zeit

Während der jahrmarktfreien Zeit werden die Fahrgeschäfte teilweise gewartet. „Kleinere Reparaturen führen wir selbst durch. Wenn es aber um die Sicherheit geht, ist natürlich Schluss“, unterstreicht der Plettenberger. Er verweist auf strenge gesetzliche Vorgaben und entsprechende Fachfirmen im Ruhrgebiet: „Dann sind die an der Reihe.“ 

Schausteller Alexander Langhoff hat an der Gewerbestraße ein Gelände angemietet. Dort stehen Karussells, Zugmaschinen und Verkaufsanhänger, wenn sie gerade nicht benötigt werden. 

Mitte März wird es auf dem Grundstück an der Gewerbestraße nach und nach wieder leer. Für Alexander Langhoff, seinen Bruder Geron und Familienoberhaupt Hartmut Langhoff beginnt die achtmonatige Kirmes-Saison. Bevor die Schausteller mit dem Top Spin vom Gelände des Winterquartiers auf eine öffentliche Straße fahren, muss allerdings eine Genehmigung her. „Die benötigen wir für jede Fahrt“, berichtet Alexander Langhoff. Vor dem Start müsse er jeweils seine Wunschroute beim Straßenverkehrsamt in Lüdenscheid einreichen. Die Behörde prüfe, ob alle vorgeschlagenen Straßen für das Schwergewicht geeignet seien, gebe dann entweder grünes Licht oder bestimme eine Alternativroute. „Dabei werden von Lüdenscheid aus alle betroffenen Städte und Gemeinden angeschrieben“, erklärt der Schausteller. 

Einschränkungen auch auf den Autobahnen

Einschränkungen gibt es auch auf Autobahnen – schon vor der Haustür: „Die A 45 ist teilweise nur bis 40 oder 44 Tonnen zugelassen. Die Brücken auf der Sauerlandlinie sind in die Jahre gekommen und mittlerweile einfach zu schlecht“, erzählt er. Doch nicht nur manche Autobahnabschnitte sind für den Top Spin tabu. Besonders abenteuerlich ist beispielsweise auch der Weg von der Gewerbestraße in die Werdohler Innenstadt. Diese Strecke, die jeder Autofahrer bei freier Fahrt in weniger als fünf Minuten hinter sich bringt, wird mit dem Großfahrgeschäft zur kleinen Weltreise: „Wir müssen über Herscheid nach Lüdenscheid, dort durch die Stadt und durchs Versetal wieder zurück nach Werdohl fahren“, erläutert der Plettenberger, der nach einer Ausbildung zum Kaufmann in der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft 1999 in den Familienbetrieb eingestiegen ist. 

Vorerst bleiben dem Schausteller diese Umwege allerdings erspart. Auf eine gemütliche Zeit daheim kann er sich jetzt aber trotzdem noch längst nicht einstellen. Schon am kommenden Wochenende reist er in die polnische Metropole Breslau. „Seit elf Jahren nehmen wir jetzt dort schon am Weihnachtsmarkt teil“, berichtet Langhoff. Er schwärmt von der ehemaligen Hauptstadt Schlesiens, die im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört und später mustergültig wieder aufgebaut wurde. „Die Atmosphäre dort ist wirklich etwas Besonderes“, sagt der Schausteller, der im Laufe der Jahre nicht nur in Deutschland viel herumgekommen ist. Neben Polen gehören beispielsweise auch die Schweiz und die Niederlande zum Aktionsradius des Familienunternehmens aus der Nachbarstadt. 

Auch Heiligabend auf der Autobahn

Apropos Familie: Auch Heiligabend wird der Plettenberger einige Stunden auf der Autobahn verbringen. „Dann geht es von Breslau nach Hause. Aber voraussichtlich fahren wir schon am ersten Weihnachtsfeiertag wieder zurück nach Polen. Am 1. Januar ist dann erst einmal Schluss.“

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