Große Portraits füllen Integration mit Leben

Gemeinsam erarbeiten die Schüler ein Konzept. Neben Interwievfragen müssen sie auch die Organisation bedenken.

WERDOHL ▪ Ausländer wollen sich nicht einbringen, sprechen kein Deutsch und sorgen für Randale auf Werdohls Straßen. Vorurteile wie diese kommen auch Duygu Gönel als erstes in den Kopf, wenn sie über das Thema Integration nachdenkt.

So wie der Realschülerin geht es offensichtlich auch ihren Freunden. „Klar, dass einem zuerst die schlechten Beispiele einfallen“, erklärt Duygu Gönel. Mit den Vorbehalten soll jetzt Schluss sein: Die Realschüler wollen in den kommenden Wochen eine vorbildhafte Integration zeigen. Aus diesem Grund nehmen die Neuntklässler gemeinsam mit Schülern der Haupt- und Gesamtschule an dem Projekt „Laufbahnen – Beispiele gelungener Integration“ teil. Am Donnerstag begannen die Vorbereitungen.

Interviewtechniken werden bereits geprobt, schließlich wollen die Schüler möglichst viel über ihre Gesprächspartner erfahren. Gemeinsam mit Evangelia Kasadanastassi übten sie verschiedene Gesprächsstile, um den Migranten auch intimere Informationen entlocken zu können.

Thilo Sarrazins Aussagen werden auch in Werdohl viel diskutiert. „In unserer Stadt gibt es unglaublich viele Beispiele für gelungene Integration – und die wollen wir zeigen“, erklärt die Ütterlingser Quartiersmanagerin Silke Kreikebaum. Die Idee kam ihr, als sie im Internet auf ein Projekt des Jugendmigrationsdienstes Köln stieß. „Das können wir auch“, dachte sich die Initiatorin und so gewinnt die Idee Konturen.

Eine Ausstellung wird von den Jugendlichen auf die Beine gestellt. Am 20. Juni sollen große Portraits die ersten Besucher in der Stadtbücherei erwarten. An Hand von schulischen und beruflichen Lebensläufen von Migranten sollen integrative Erfolgsgeschichten dokumentiert werden.

Die Interviews mit erfolgreichen Migranten sollen das Projekt mit Leben füllen. Duygu bringt das Ziel der Ausstellung auf den Punkt: „Wir wollen einen Einblick in andere Denkweisen ermöglichen.“ Dass den Schülern viel an der Aktion liegt, zeigt ihr Einsatz, denn sie alle nehmen freiwillig daran teil, ebenso die Gesamtschüler, die das Projekt im Rahmen einer AG umsetzen werden. Die Hauptschule integriert die Aktion in den regulären Unterricht.

Arbeitsgruppen sollen amErfolg mitwirken: Flyer, Handzettel und Plakate werden entworfen. Denn den Schülern ist klar: „Werbung ist der Weg zum Ziel.“ Und auch die Spendendose muss sich füllen. Das heißt: Die Schüler machen sich auf Sponsorensuche. Ein Internetauftritt darf heutzutage natürlich auch nicht fehlen.

Die Interviewfragen sind bereits im Block notiert. Neben Fragen zum Lebenslauf interessiert die Schüler vor allem der Einfluss der Heimat auf deren jetziges Leben hier in Deutschland und obdie Befragten ihre Traditionen auch an ihren Nachwuchs weitergeben.

Lydia Machelett

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