Grippe-Impfstoff wird knapp

Grippeimpfung
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Werdohl/Neuenrade/Balve  -  Deutlich mehr Menschen in dieser Region wollen sich in diesem Jahr gegen Grippe impfen lassen.  In einigen Praxen wird der Impfstoff bereits knapp.

Angesichts der Corona-Krise hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auf den Stellenwert der Grippeschutzimpfung hingewiesen: „Gleichzeitig eine größere Grippewelle und die Pandemie kann das Gesundheitssystem nur schwer verkraften.“ Offenbar haben das viele Sauerländer als Appell verstanden, sich gegen die Grippe impfen zu lassen. In der Praxis des Werdohler  Allgemeinmediziners Dr. Thomas Greif ist das Serum nicht mehr vorrätig. Man müsse abwarten, wann und ob die nächste Bestellung eintreffe, so die Information. Dagegen verzeichne man in der Praxis von Dr. Hussein Al Shami keinen erhöhte Andrang. „Wir haben noch Impfstoff vorrätig. Bei uns sind bisher überwiegend Senioren geimpft worden“, berichtet eine Mitarbeiterin des Mediziners. 

Dr. Atef Roumani-Spree stellt dagegen ebenfalls fest: „Der Impfstoff wird knapp.“ Er habe bereits Serum nachbestellt, wisse aber nicht, ob und wann er mit einer Lieferung rechnen könne. „Vielleicht stellt sich die Situation im November anders dar“, hofft der Mediziner auf den kommenden Monat. 

„Wir haben noch etwa 50 bis 70 Impfdosen – dann ist Schluss“, berichtet Dr. Federico Herrera Aleman. Die Nachfrage sei immens: „Wir haben im Oktober schon zehn bis 20 Prozent mehr geimpft als im gesamten letzten Herbst und Winter.“ Er habe vorausschauend mehr Impfstoff bestellt als im vergangenen Jahr, erläutert er. „Jetzt weiß ich, dass ich mehr hätte ordern sollen und die Dosen nicht ausreichen werden.“ 

Der Neuenrader Mediziner Dr. Paul Gotthardt beginnt mit den Grippeschutzimpfungen Ende Oktober. Dies sei sinnvoll, da die Schutzwirkung im Laufe der Zeit nachlasse und die Grippewelle erfahrungsgemäß meist zu Beginn eines neuen Jahres auftrete. „Wir haben mehr Impfstoff bestellt als in den Vorjahren“, sagt er. In der Praxis seien bereits Listen angelegt worden, in die sich Interessenten eintragen könnten. „Das ist gut angelaufen.“ 

Mit einer Impfempfehlung für Nicht-Risikopatienten hält sich der Mediziner zurück: „Es ist schwierig etwas dazu zu sagen.“ Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfehle bisher keine Massenimpfung. „Doch in diesen Zeiten ändern sich manche Meinung auch täglich“, stellt Dr. Gotthardt fest. Wichtig sei, dass für die Menschen, für die ein erhöhtes Risiko bestehe, genügend Impfdosen vorhanden seien. „Das betrifft auch junge Leute, die beispielsweise unter Asthma oder hohem Blutdruck leiden.“ Speziell in diesen Kreisen müsse er oftmals Überzeugungsarbeit leisten, und für die Grippe-Impfung werben. Auch für Menschen, die im Gesundheitswesen tätig sind oder in Berufen mit viel Publikumsverkehr sei die Impfung zu empfehlen. 

Der Schutz der Risikogruppen steht auch für Michael Beringhoff, den Leiter des Medizinischen Versorgungszentrums Neuenrade (MVZN), im Vordergrund. „Wir halten uns an die Stiko-Vorgaben“, unterstreicht Beringhoff. „Wenn ich eine Indikation sehe, dann impfe ich den Patienten.“ Andernfalls suche er das Gespräch mit dem Betroffenen. 

Für gesetzlich Krankenversicherte sei im MVZN momentan noch ausreichend Serum vorhanden. Anders sehe das bei Privatpatienten aus, die sich den Impfstoff selbst besorgen müssten: „Da gibt es schon jetzt Schwierigkeiten mit der Lieferung“, stellt Michael Beringhoff fest. 

Professor Dr. Johannes Hübner, leitender Oberarzt der Kinderklinik der Maximilians-Universität in München, hatte bereits Ende August erklärt, er empfehle allen Eltern, ihre Kinder gegen Grippe impfen zu lassen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ergänzte daraufhin: „Jeder, der sich und seine Kinder impfen lassen will, sollte und kann das tun.“ Ob diese Ratschläge zu einer verstärkten Nachfrage in der Kinderarztpraxis von Dr. Attila Hildebrand in Neuenrade geführt haben, war momentan nicht zu erfahren: Die Praxis ist in der ersten Ferienwoche geschlossen. 

Die Balver Hausarztpraxen Dr. Paul Stüeken, Dr. Gregor Schmitz und die gynäkologische Facharztpraxis Gabriele Richter hatten sich schon vor einigen Wochen gegen die Empfehlungen ausgesprochen, aufgrund der Corona-Pandemielage möglichst viele Kinder gegen Influenza zu impfen. „Diese Empfehlung ist nicht durch die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission gedeckt“, hieß es in der Mitteilung der Mediziner. Bei Umsetzung dieser Empfehlung reiche der jetzt schon knappe Impfstoff selbst für die Risikogruppen nicht aus. 

Das Bundesgesundheitsministerium gibt an, 26 Millionen Dosen bestellt zu haben. Die Balver Ärzte rechnen vor: „Allein für die vollständige Umsetzung der Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko) wären etwa 40 Millionen Dosen Influenza-Impfstoff notwendig.“ Diese Empfehlung sehe vor, unter anderem alle Personen ab 60 Jahren, Schwangere und chronisch Kranke zu impfen.

 Die Praxen hätten etwa 2000 Impfdosen vorbestellt – und dies bereits vor Monaten. Denn die niedergelassenen Ärzte müssten bereits im Frühjahr festlegen, wie viele Impfdosen sie voraussichtlich benötigen. „Bestellen sie zu viele, verfallen sie am Ende der Saison und die Ärzte können für die nicht verbrauchten Impfdosen, die Kosten liegen etwa bei 13 Euro je Impfdosis, in Regress genommen werden. Bestellen sie zu wenig, fehlen regional die Impfungen“, so die Mitteilung.

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